Appell: Keine Vorverträge unterzeichnen

Landvolk Göttingen sieht Chance auf regionales Windenergie-Projekt

Felder,Gewerbegebiet und A7 bei Hedemünden
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Vorrangfläche für Windenergie laut RROP-Entwurf 2021 des Landkreises Göttingen zwischen Hedemünden und Lippoldshausen. Im Hintergrund ist das Gewerbegebiet Hedemünden zu erkennen, links die A7 und rechts verläuft die B80.

In Hedemünden liegen schon jetzt Vorverträge für mögliche zukünftige Windenergie-Projekte in den Briefkästen von Grundstückseigentümern. Das Landvolk Göttingen und die Teilungs- und Verkoppelungsinteressentenschaft Hedemünden raten von der Unterzeichnung ab.

Noch bis Ende Juli können Bürger im Landkreis Göttingen Stellung zum Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogrammes (RROP) nehmen. Das RROP legt die Entwicklungen von Infrastruktur, Energiegewinnung Naturschutz und mehr in der Region für die kommenden zehn Jahre fest. Der Entwurf sieht auch eine Windvorrangfläche bei Hedemünden vor. Das Landvolk Göttingen und die Teilungs- und Verkoppelungsinteressentenschaft Hedemünden appellieren jetzt an Grundstückseigentümer, keine Vorverträge mit Projektierern von Windenergieanlagen zu unterzeichnen.

Das Windvorranggebiet betreffe etwa 30 Eigentümer landwirtschaftlicher Flächen in den Gemarkungen Hedemünden und Lippoldshausen, wie Bernd Apel, Vorsitzender der Teilungs- und Verkoppelungsinteressentenschaft Hedemünden, berichtet. Der Landwirt wurde in den vergangenen Wochen vermehrt von Grundstückseigentümern auf Angebote von Windparkplanern angesprochen, die in ihren Briefkästen gelandet sind (Verträge liegen der Redaktion vor). Manche seien verunsichert, wie sie mit den Angeboten umgehen sollen. Teils betrieben sie selbst keine Landwirtschaft, hätten ihre Flächen verpachtet oder wohnten nicht mehr in Hedemünden.

Landwirte empfehlen Zusammenschluss für Windpark-Planung

„Der RROP-Entwurf hat noch keinen rechtlich bindenden Charakter“, betont Apel. Bis tatsächlich Windenergieanlagen bei Hedemünden gebaut werden, könnten noch Jahre vergehen. Die Vorverträge, die nun angeboten werden, sicherten den Planern meist ein Nutzungsrecht für mehrere Jahrzehnte. Beispielhaft werden den Eigentümern auch Entgelte berechnet, die den ein oder anderen zur Unterzeichnung verführen könnten, so Apel. Auch Apels Flächen sind vom Entwurf betroffen. Er stehe dem Bau von Windkraftanlagen offen gegenüber. Jedoch sollten sich die betroffenen Eigentümer zusammenschließen und gemeinsam einen Planer aussuchen, so sein Appell.

Das empfiehlt auch das Landvolk Göttingen, das kürzlich seine Mitglieder dementsprechend informiert hat, wie der Geschäftsführer Achim Hübner berichtet. Die aktuellen Angebote seien „mit Vorsicht zu genießen. Es sollte noch nichts unterschrieben werden, weil noch nichts spruchreif ist“, so Hübner. Der Gewinn aus den Windkraftanlagen für die Eigentümer schwanke stark von Vertrag zu Vertrag. Und wenn die Eigentümer verschiedene Verträge unterzeichneten, verkauften die Projektierer später die Nutzungsrechte untereinander.

„Es gibt jetzt die einmalige Möglichkeit, die Weichen für einen regionalen Windpark zu stellen“, sagt Hübner. Dafür brauche es „Leute, die mutig genug sind, sich zusammenzuschließen“. Weder das Landvolk, noch die Grundstückseigentümer könnten ein solches Projekt alleine stemmen. Banken und Energieversorger könnten sie unterstützen. Aber: „Ob in Hedemünden ein Windpark entsteht, entscheidet die Politik. Ohne Windenergie geht die Energiewende nicht. Den Mut muss die Politik haben und dann auch die Verantwortung übernehmen“, so Hübner.

Informationen zum RROP gibt es im Internet unter padlet.com/lkgoettingen/RROP_2020. Das Landvolk Göttingen berät bei Fragen: Tel. 05 51/7 89 04 50, E-Mail: info@landvolk-goe.de. Auch die Eigentümerverbände und Feldgenossenschaften bieten Unterstützung.

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