Wie ein Landwirt auf Alpakas statt auf Milchkühe setzt

Der Bauer und seine Herde: Wenn Henrik Ludewig mit dem Futtereimer raschelt, folgen die Alpakas neugierig. Fotos: Mühlhausen

Varlosen. Landwirt Henrik Ludewig aus Varlosen hat sich mit den Tieren ein neues Standbein aufgebaut. Die Milchwirtschaft hat er aufgegeben.

Ein Gang über die Weide und Henrik Ludewig weiß, was los ist: Wenn er mit seinem Futtereimer raschelt, folgt ihm neugierig die Herde aus 70 weißen, braunen, schwarzen und Alpakas. Dann beobachtet der junge Landwirt aus Varlosen die Tiere ganz genau: Laufen alle Tiere problemlos? Sind alle fit? Gibt es Auffälligkeiten? Alles in Ordnung heute an diesem schönen Tag. Ludewig ist zufrieden.

Seitdem er 2008 seine Meisterarbeit über Alpakas schrieb, lassen ihn die zotteligen Tiere nicht mehr los. „Als ich mit der Meisterarbeit angefangen habe war für mich klar, dass Alpakas zu uns auf den Hof kommen werden. Für mich war das also gleichzeitig der Einstieg in die Alpakazucht“, erinnert sich der 27-Jährige.

Nachwuchs bei der Alpaka-Herde: Henrik Ludewig will seine Herde weiter ausbauen.

Das Ziel: Das Einkommen des Nebenerwerbsbetriebes zu stabilisieren. Die Landwirtschaft inklusive der Alpakazucht kann er dabei gut mit seinem zweiten Job kombinieren: Ludewig arbeitet seit Juli als Milchkontrolleur in der Region. Er habe sich damals gefragt, wie er den elterlichen Betrieb weiter entwickeln könnte. Denn der Ausstieg aus der Milchviehwirtschaft - bis 2013 wurden auf dem Hof noch 34 Kühe gehalten - war bereits beschlossen, denn ein Neubau eines Stalls war wegen der beengten Ortslage an der Hofstelle nicht möglich.

Über Seminare, wie sie die verschiedenen Zuchtbetriebe anbieten, bildete sich Ludewig fort: Scheren, Fütterung, Reproduktion - im Laufe der Jahre stieg er immer tiefer ein in die Materie.

Denn Alpakas - am Rücken gemessen werden sie knapp einen Meter groß - haben schon so ihre Besonderheiten: „Sie haben einen Magen mit drei Kammern, sind aber keine Wiederkäuer. Sie pflanzen sich im Liegen fort und der Akt, bei dem die Tiere regelrecht stöhnen, dauert etwa eine halbe Stunde. Der Hengst ist mit drei, die Stute jedoch schon nach eineinhalb Jahren geschlechtsreif.

Und sie sind so genannte Schwielsohler, ähnlich einem Kamel“, berichtet Ludewig über die biologischen Merkmale der Art aus der Familie der so genannten Neuwelt-Kameline. Mit drei tragenden Stuten hatte Ludwig einst begonnen, heute untermauert die stattliche Anzahl von 70 Tieren, welche Bedeutung die Haltung mittlerweile für seinen Betrieb hat. „Wenn die Stute tragend ist und der Hengst unternimmt trotzdem weitere Anstalten, dann wehrt die Stute den Hengst ab, indem sie ihn anspuckt.“ Ähnlich wie die viel größeren Lamas spucken die Alpakas zur Abwehr sowie bei Futterneid einen Magensaft. Ludewig selbst bekommt nur selten diese unangenehme Flüssigkeit ab, „und wenn, nur wenn sich die Tiere unwohl fühlen, wie etwa beim Scheren.“ (phl)

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