Philosophischer Vortrag von Karen Joisten war gut besucht

Liebeserklärung an Begriff „Heimat“

Unterwegs zur Heimat: Karen Joi sten skizzierte ihre dynamische Annäherung an den Begriff.

Hann. Münden - Zu einer Liebeserklärung an den Begriff „Heimat“ wurde der Vortrag der in Hann. Münden lebenden Philosophieprofessorin Dr. Karen Joisten in der Stadtbücherei im Welfenschloss und die anschließende Diskussion – allerdings nicht im Trachtenstil mit Kuckucksuhr und Folklore-Hut, sondern mit einem modernen Heimatverständnis in der Verortung zwischen dem Vertrauten und Geborgenen im täglichen Leben und der Offenheit gegenüber Neuem.

Eingeladen zu der Runde, für die es von den rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörern viel Beifall gab, hatte der Philosophiekreis der Stadt im Rahmen der das ganze Jahr laufenden Veranstaltungsreihe „Wo bin ich Zuhause? - Hann. Münden im Jahr 2019“ (wir berichteten).

Prof. Joisten gehört zu den anerkannten Experten für den Heimatbegriff in Deutschland, seit Jahrzehnten setzt sie sich mit dem Thema auseinander. Zu ihrer Motivation sagte sie in der anschließenden Diskussion mit Bezug auf die derzeit aktuellen Debatten: „Ich bin nicht bereit, dieses vielschichtige Wort den Rechten zu überlassen.“

Damit sprach sich Karen Joisten gegen Ausgrenzung von Neuem aus, was sogleich aus dem Publikum mit dem Stichwort Trumpsches Heimatschutzministerium quittiert wurde.

Einladung zum Selberdenken: Harald Herth warb für den Philosophiekreis. 

Für die Philosophin beinhaltet der Heimat-Begriff wesentlich mehr, als die Verwurzelung und Geborgenheit in einem Dorf, einer Stadt oder einer Region, vielmehr auch die „Weite der Welt“.

Nur gemütlich zwischen den eigenen vier Wänden sitzen, gilt nicht, für sie gehört „das Fremde“ dazu: „So wird Heimat zum dynamischen Prozess des Aushaltens und Austragens von Differenzen, Spannungen und Gegensätzen, …, um wachsen, vorankommen und sich vertiefen zu können. Wo dieses Fremde fehlt, legt man Heimat endgültig auf etwas fest. Sie stirbt ab und wird zur letzten Stätte des Bekanntem, Allzubekannten.“

Darüber hinaus stellte Karen Joisten vor, wie sich der Begriff der Heimat von der Antike bis heute entwickelt hat. Nach der Veranstaltung konnten die Besucher noch auf einem Büchertisch zum Thema stöbern.

Harald Herth warb für den 2011 gegründeten philosophischen Gesprächskreis „DenkMalSelbst“, der im Künstlerhaus an der Speckstraße zuhause ist. Fragen dazu beantwortet er unter f.herth@t-online.de

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