Lieder, die unter die Haut gingen

Gab ein Konzert, das die Zuhörer berührte: Das Interkulturelle Orchester aus Göttingen. Foto: Huck

Hann. Münden. Das Interkulturelle Orchester aus Göttingen gastierte mit Musik voller Seele im Geschwister-Scholl-Haus.

Als Goitom Kahsu aus Eritrea sein Lied anstimmte, wurde es still im Saal des Geschwister-Scholl-Hauses. Das Konzert des Interkulturellen Orchesters aus Göttingen berührte die Zuhörer. Auch wenn die Besucher die gesungene Sprache nicht verstanden, wussten sie doch ganz genau, um was es ging. Goitom Kahsu sang ein Klagelied der daheim gebliebenen Mütter und Väter, deren Kinder ihr Leben bei der Fahrt über das Mittelmeer verloren haben. Eine Anklage an die Welt, vielleicht auch an Gott. Das Lied berührte die Zuhörer, der Klang und das Leid in der Stimme gingen unter die Haut.

Ähnlich war es auch mit den Liedern aus Somalia, Afghanistan, Italien und Chile. Mit ihren Liedern über die Liebe, über die Sehnsucht nach der Heimat und über verpasste Möglichkeiten im Leben gaben die Sänger dem Publikum einen tiefen Einblick in ihre Seelen. Trotzdem war es kein melancholischer Abend. Viele Stücke waren ebenso mitreißend wie temporeich und luden zum Tanzen und Mitklatschen ein.

Der Leiter des Orchesters, Hans Kaul, der 17 Jahre musikalischer Leiter am deutschen Theater in Göttingen war, erklärte die Lieder, spielte selbst mit und hat die Stücke wunderbar für das 17-köpfige Ensemble arrangiert. Mit dem Gastspiel in Hann. Münden ging die Tournee, die das Orchester vorher nach Herzberg, Hannover, Hameln und Oldenburg geführt hatte, zu Ende.

Eine letzte Möglichkeit, das Orchester zu sehen, gibt es am kommenden Sonntag, 1. November, ab 19 Uhr im Kulturzentrum Musa in Göttingen.

Aber auch das wird nicht das Ende dieses besonderen Projekts sein. Derzeit arbeitet Musa zusammen mit Hans Kaul daran, wie das Interkulturelle Orchester nach dem Ende der finanziellen Förderung durch die Stiftung Niedersachsen, den Fonds Soziokultur, den Landschaftsverband Südniedersachsen, die Litfin-Stiftung und die Stadt Göttingen weitergeführt werden kann, denn man ist sich einig, dass das Ensemble wachsen und dynamisch bleiben soll.

„Gerade im Zuge der aktuellen Flüchtlingsbewegung hat unser Orchester das Potenzial, Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, eine Stimme zu geben, über alle Sprachbarrieren hinweg“, so Gabi Radinger von der Projektleitung im Kulturzentrum Musa. (zwh)

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