Mehr als 50 Anrufe wegen tierischem Kirchenbewohner

Löwenhäger Waschbär wird zum überregionalen Medienstar

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Der Glöckner von Löwenhagen: So schnell gibt der Waschbär im Dachstuhl der Kirche nicht auf, glaubt unser Karikaturist Nik o Mönkemeier.

Im Kirchenturm von Löwenhagen lebt seit einigen Jahren ein kleiner Waschbär, der bis vor Kurzem die Glocken ausstellte. Nun ist der pelzige Löwenhäger seit seinem ersten Medienauftritt in der HNA weit über die Grenzen der Samtgemeinde Dransfeld, ja sogar über Deutschland hinaus bekannt geworden. 

Bis in die Schweiz und Luxemburg freuten sich Mitte April viele Leser, Hörer und Zuschauer über ein coronafreies Thema in den Medien. Mehr als 50 Medienanrufe erhielten Roswitha Kamm, Mitglied im Vorstand der evangelisch-lutherischen Gemeinde Niemetal-Bühren, und ihr Ehemann Uwe Kamm, Mitglied im Rat der Samtgemeinde Dransfeld.

„Endlich mal was anderes und nicht mehr nur Corona, das war der Tenor der Gespräche“ sagt Uwe Kamm, „das war wohl der Grund, warum so viele auf den Zug aufgestiegen sind“. Zuerst habe die Deutsche Presse Agentur (dpa) angerufen, erzählt Roswitha Kamm. Am Tag darauf war die dpa-Meldung in zahlreichen Zeitungen zu lesen und auch Radiosender berichteten über Löwenhagen und seinen Waschbär im Kirchturm. „Dann stand das Telefon nicht mehr still“, sagt Roswitha Kamm. Freunde und Bekannte schickten Nachrichten. Und mehrere Fernsehsender meldeten sich. „Es war eine lustige und angenehme Sache. Stressig, aber positiver Stress.“

Löwenhäger Waschbär entgeht der Wildtierkamera

Dem Löwenhäger Matthias Freter war 2018 ganz zufällig ein Schnappschuss des Tieres geglückt, als er die Glocken für die Chronik zur 700-Jahrfeier des Dorfes fotografieren wollte und bei Betreten des Kirchenturms auf den Waschbär traf, berichtet er.

Über das ungewöhnliche Geschehen habe er nichts gewusst, doch nun erhielt auch er Anrufe von Zeitungen, Radiosendern und einem Fernsehsender, wenn auch deutlich weniger als das Ehepaar Kamm. „Unter dem Foto stand mein Name und dann hab ich die Anrufe abgekriegt“, sagt er. Für das Fernsehteam installierte Freter eine Wildtierkamera im Turm, in der Hoffnung das Tier auf frischer Tat zu ertappen. Die Kamera löste mehrfach aus, doch der Waschbär war nie zu sehen. 

Waschbär löst Medienhype im kleinen Löwenhagen aus 

Letztlich wurde nur ein Fernsehbeitrag über den Waschbären gedreht, denn die Dreharbeiten seien inklusive Vorbereitung zeitaufwendig gewesen, berichtet Roswitha Kamm. Zudem hätten die Ellershäuser für jeden Medientermin zur Kirche fahren und oft auf den Turm klettern müssen.

In dem Fernsehbeitrag ist Uwe Kamm im Kirchturm zu sehen, denn seine Frau sowie weitere Kirchenvorstandsmitglieder scheuten Höhe oder Kamera. Uwe Kamm bringt darin den Käfig um den berühmten schwarzen Hebel an und erklärt, warum das Kirchengeläut so wichtig für das Dorfleben ist: „Die Regel ist, dass es morgens, mittags und abends läutet und die Leute, die auf dem Feld arbeiten, sich danach richten können, oder auch Kinder, die abends nach Hause kommen müssen, wenn geläutet wird.“ Das Sprechen vor der Kamera habe ihm kein Problem bereitet, denn er habe jahrelange Erfahrung durch die Politik und Vereinsarbeit.

„Es hat gleich beim ersten Mal geklappt, dann gingen die Daumen hoch und sie haben mir Fragen gestellt.“ Ein weiteres Mal wird der Waschbär noch im Fernsehen auftauchen: Er ist in einer Frage in einer Quizsendung versteckt, verrät Roswitha Kamm. Nach drei Wochen ist nun Ruhe eingekehrt in Löwenhagen. Nur nicht für den Waschbären, denn der sollte die Glocken nicht mehr ausstellen können.

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