Kritiker gaben den Ton an

Lutterberg: Debatte voller Emotionen um Aldi-Projekt

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Volles Haus: Rund 200 Besucher verfolgten die Präsentation der Planungsgruppe Puche zum Diskussionsstand über ein Aldi-Zentrallager bei Lutterberg.

Lutterberg. In der Bürgerversammlung zum Vorhaben von Aldi-Nord, in Lutterberg ein Zentrallager zu bauen, gaben die Kritiker den Ton an.

Es ging hoch her in der Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Turnhalle in Lutterberg. Die Anfrage von Aldi Nord, bei Lutterberg ein regionales Zentrallager zu bauen, führte zu einer sehr emotional geführten Diskussion; nicht nur über das vorgestellte Projekt selbst, sondern generell über die Frage, ob das Gewerbegebiet in Richtung des Ortes erweitert werden soll.

Es waren vor allem die Kritiker, unter den rund 200 Besuchern, die sich zu Wort meldeteten und ihre Bedenken vortrugen.

Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein hatte zu Beginn auf die Bedeutung eines solchen Projektes für Staufenberg hingewiesen. Staufenberg brauche zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen, um die millionenschweren Investitionen schultern zu können, die allein schon für die Feuerwehr in den nächsten Jahren notwendig seien. Die Gemeinde habe kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmenproblem. Und Lutterberg mit seinem Gewerbepark direkt an der Autobahn sei für Staufenberg der einzige Ort, wo sich weitere größere Unternehmen ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen können.

„Obolus längst geleistet“

Aber mit dem bestehenden Gewerbepark habe Lutterberg längst seinen Obolus für Staufenberg geleistet, hielt ihm ein Lutterberger später entgegen. Und werde man jetzt einer Erweiterung für Aldi zustimmen, folge später die nächste. „Wehret den Anfängen“, rief er. Ähnlich äußerten sich auch andere Einwohner.

„Wir Lutterberger können nicht für ganz Staufenberg die Kohlen aus dem Feuer holen“, so ein weiterer Redner, der genauso mit Applaus bedacht wurde, wie die Stimme: „Wir werden, von unserem Gewerbegebiet erdrückt.“ Sollte der Gewerbepark für Aldi über die Bundesstraße 496 hinaus erweitert werden, sei Lutterberg von drei Seiten mit Lärm und Verkehr umgeben. Das Gewerbegebiet sei dann deutlich größer als der Ort.

Es gab aber auch Befürworter im Publikum. Er sehe Aldi als Chance, sagte ein Lutterberger. Es würden Arbeitsplätze geschaffen und das würde junge Familien anziehen. Die fehlten in Lutterberg. Dass er nicht ganz allein mit dieser Meinung stand, zeigte der Beifall, den er erhielt.

In der Bürgerversammlung am Donnerstagabend stellte sich neben Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein auch Markus Marx, Geschäftsführer der Aldi GmbH & Co. Kommanditgesellschaft in Hedemünden, und Dipl.-Ing. Dirk Puche, Stadtplaner und Architekt der Planungsgruppe Lange Puche in Northeim, die das Projekt für die Gemeinde Staufenberg begleitet, den Fragen aus dem Publikum.

Bernd Grebenstein betonte, dass bisher noch nichts entschieden sei. Es handele sich noch um eine sehr frühe Phase. Die Entscheidung liege allein beim Rat.

Warum will Aldi überhaupt nach Lutterberg? 

Die Unternehmensgruppe Aldi Nord will ihr hiesiges Zentrallager erweitern. Das ist am jetzigen Standort in Hedemünden nicht möglich. Deshalb ist sie auf der Suche nach einem neuen Gelände und hat eine Anfrage an Staufenberg gerichtet.

Warum nutzt sie nicht die brachliegende Fläche im bestehenden Gewerbepark an der Bundesstraße 496? 

Die Fläche ist im Besitz eines Entwicklungsunternehmens für Logistikflächen, und der Eigentümer will nach Angaben Grebensteins nicht verkaufen.

Wie groß ist das Areal, um das es in Lutterberg geht? 

Es handelt sich um ein rund 250 000 Quadratmeter großes Gelände westlich des bestehenden Gewerbeparks an der B 496. Es soll aber nicht komplett bebaut werden. In einem ersten Schritt ist eine Lagerhalle von rund 47 000 Quadratmetern geplant, aber es sind bereits Erweiterungen vorgesehen.

Wie muss man sich den Betrieb eines Zentrallagers vorstellen? 

Nach Angaben von Geschäftsführer Markus Marx wird dort rund um die Uhr gearbeitet. Per Lkw wird Ware angeliefert - auch nachts - und von dort fahren Lastwagen wieder raus, um die über 80 Geschäfte in der Region zu beliefern.

Marx rechnet mit maximal rund 200 Lkw-Bewegungen pro Tag. Im Moment seien es in Hedemünden rund 150.

Wie ist die Anfahrt der Lastwagen geplant? 

!Die Lastwagen sollen über die Bundesstraße 496 und die Autobahn 7 rollen. An der Zufahrt auf das Lagergelände ist ein Kreisel vorgesehen. Lutterberger Bürger befürchten aber, dass auch der Lkw-Verkehr auf der Göttinger Straße deutlich zunehmen wird.

Wie soll Lutterberg gegen Lärm geschützt werden? 

Am Zentrallager selbst ist ein Lärmschutzwall vorgesehen. Für weitere Maßnahmen werden Gutachten eingeholt. Es müsse sichergestellt sein, dass an den Fenstern der Lutterberger nicht mehr Lärm ankommt, als gesetzlich erlaubt sei, so Planer Puche.

Wie viele Arbeitsplätze werden entstehen? 

Bürgermeister Grebenstein rechnet zunächst mit 180 Arbeitsplätzen und dann mit einem Zuwachs in den nächsten drei bis fünf Jahren von 10 bis 15 Prozent. Aber natürlich werden viele Mitarbeiter aus Hedemünden mit nach Lutterberg umziehen.

Stichwort Gewerbesteuer. Wieviel wird denn nach Staufenberg fließen? 

Genaue Angaben machte dazu niemand. Sollte Aldi umziehen, werde das Unternehmen nach Angaben Grebensteins zu den großen Gewerbesteuerzahlern der Gemeinde zählen.

Was kostet die Gemeinde dieses Projekt? 

Sie trägt die Planungskosten. Die Entwicklung des Geländes bezahlt Aldi.

Was sagen eigentlich die Eigentümer des vorgesehenen Areals zu den Plänen? 

Sie sind offiziell noch nicht gehört worden. Für nächste Woche ist eine Eigentümerversammlung vorgesehen.

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