Nummer gegen Kummer

Mehr Kummer im Landkreis Göttingen: Kinder und Eltern suchen in der Pandemie nach Rat

Kinder und Jugendliche greifen in der Coronakrise vermehrt zum Hörer, um Beratung und seelische Unterstützung zu erhalten. Die häusliche Enge schaffe besondere Situationen, so der Verband „Nummer gegen Kummer“.
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Kinder und Jugendliche greifen in der Coronakrise vermehrt zum Hörer, um Beratung und seelische Unterstützung zu erhalten. Die häusliche Enge schaffe besondere Situationen, so der Verband „Nummer gegen Kummer“.

Immer mehr Eltern und Kinder leiden unter den Folgen des Lockdowns. Ängste und Sorgen werden mehr. Das schlägt sich auch bei der „Nummer gegen Kummer“ nieder. Es werden Ehrenamtliche gesucht.

Landkreis Göttingen/Wuppertal – Die Zahl der Telefonberatung in ganz Deutschland stieg im Corona-Jahr 2020 an. Das geht aus einer Mitteilung des Dachverbandes „Nummer gegen Kummer“ in Wuppertal hervor. Dem Verband ist auch das Kinder- und Jugendtelefon Göttingen (KJT) angegliedert. In Göttingen, als einer von bundesweit 77 Standorten, wurden 7194 Anrufe entgegengenommen. Das berichtet Dr. Andrea Hofmeister vom KJT.

Deutschlandweit riefen mehr Menschen die „Nummer gegen Kummer an“

Insgesamt hätten rund 494 442 Ratsuchende 2020 deutschlandweit die „Nummer gegen Kummer“ kontaktiert: davon über 461 000 Kinder und Jugendliche in der Telefon- und Onlineberatung und 33 380 Eltern am Elterntelefon. Aus diesen Kontakten hätten sich insgesamt 128 524 Beratungen entwickelt, in denen ein intensives Gespräch mit Kindern, Jugendlichen und Eltern zu ihren Problemen oder Themen geführt wurde. Das seien laut Mittelung rund sieben Prozent mehr Beratungen als noch in 2019. Auch in Göttingen sei der Bedarf seit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 angestiegen, so Hofmeister.

„Erfreulicherweise konnten wir diesen Anforderungen seinerzeit auch mit einem starken Team entsprechen, denn in Zeiten von Homeoffice und eingeschränkten Aktivitäten haben die ehrenamtlichen Teamangehörigen weit über ihre Verpflichtungen hinaus an der Beratungsarbeit mitgewirkt. Viele „Ehemalige“ hatten ebenfalls Zeit und Gelegenheit, an das Beratungstelefon zurückzukehren“, so Hofmeister.

Corona-Krise macht Kindern und Eltern Sorge

Auch habe sich die Pandemie in den Gesprächen niedergeschlagen. Sorgen um die ungewisse Länge der Einschränkungen, um die Gesundheit älterer Familienangehöriger, Trauer wegen der reduzierten Kontaktmöglichkeiten zu Freunden, aber auch Unbehagen und Ängste, die aus der beengten und häufig konfliktbelasteten häuslichen Situation resultierten, seien laut Hofmeister am Telefon und in den E-Mails häufiger zur Sprache gekommen.

Seit dem 1. Januar 2021 befindet sich das Kinder- und Jugendtelefon in der Verantwortung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreisverband Göttingen. Dies sei notwendig geworden, da die Vorstandsmitglieder des Fördervereins Kinder- und Jugendtelefon Göttingen zwingend andere Verantwortungsbereiche hätten übernehmen müssen und trotz intensiver Bemühungen keine Nachfolger für die Vorstandsposten gefunden werden konnten.

KJT Göttingen: Ehrenamtliche Helfer gesucht

„Die häusliche Enge schafft besondere Krisensituationen und schulische Unsicherheit. Der Verzicht auf Sozialkontakte und außerschulische Aktivitäten sorgen für Ängste und Ungleichgewichte“, heißt es weiter in der Mitteilung des Wuppertaler Dachverbandes. Dadurch zeige sich, wie wichtig das Beratungsangebot in der Coronapandemie sei.

Um das Angebot in Göttingen aufrechterhalten zu können, plant das KJT Ausbildungskurse für ehrenamtliche Berater. Derzeit würden Ausbildung, Supervisionen und Teamfortbildung in Zoom-Meetings abgehalten, berichtet Hofmeister. (Jens Döll)

Infos und Kontakt:

„Die Nummer gegen Kummer“, Tel. 11 61 11 und 08 00/1 11 03 33; Montag bis Samstag 14 bis 20 Uhr. Kontakt zum KJT Göttingen: Tel.: 05 51/7 98 77, E-Mail: kinderundjugendtelefon-goe@t-online.de

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