Coronakrise in Hann. Münden

Musik für wartende Kunden - Wiedereröffnung des Einzelhandels zieht Menschen in die Innenstadt

Umgang mit den Corona-Regeln: Jessica Riddel und Ilona Stadler zählen ihre Kunden im Spielwarengeschäft Hendrich mithilfe von Einkaufskörben.
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Umgang mit den Corona-Regeln: Jessica Riddel und Ilona Stadler zählen ihre Kunden im Spielwarengeschäft Hendrich mithilfe von Einkaufskörben.

Viele Geschäfte dürfen wieder für ihre Kunden öffnen. Das hat deutlich mehr Menschen in die Mündener Innenstadt gelockt. In der Marktstraße war die Veränderung sogar zu hören.

Hann. Münden - Seit Montag dürfen viele Geschäfte wieder für ihre Kunden öffnen. Das hat deutlich mehr Menschen in die Mündener Innenstadt gelockt, als in den vergangenen Wochen. In der Marktstraße war die Veränderung sogar zu hören:

Der Mündener Plattenhändler „Icke“ hat sein Geschäft nach fünf Wochen Pause wieder geöffnet und spielt in gewohnter Manier ausgewählte Stücke über Lautsprecher auf der Straße. Klaus-Werner Kirbach, wie der Inhaber mit vollem Namen heißt, hat seinen kleinen Laden nach den Corona-Regeln hergerichtet: Absperrband im Abstand von 1,5 Metern klebt auf dem Boden, am Eingang hängt Desinfektionsmittel.

Da der Laden sehr schmal ist, und Kunden gerne stöbern und Beratung in Anspruch nehmen, habe er einen Wartebereich mit Kaffee eingerichtet. Kirbach erwartet zunächst nur Stammgäste, Laufkundschaft habe vielleicht noch zu viel Angst, vorbei zu kommen.

Umgang mit den Corona-Regeln: Klaus-Werner Kirbach bietet wartenden Kunden vor seinem kleinen CD-Laden Kaffee an.

Gegenüber liegt der Spielwarenladen Hendrich. Am 29. März ist das Geschäft 30 Jahre alt geworden. Die große Feier ist ausgefallen. Umso mehr freut sich Inhaberin Ilona Stadler nun, wieder öffnen zu können. An der Eingangstür steht ein Tisch mit zehn Körben und Desinfektionsspray. Einlass ist hier nur mit Korb und Maske erlaubt. „Ich denke, wir werden es überleben“, sagt Stadler.

„Die Leute kommen und haben Lust zu kaufen“ sagt Tatjana Schlossbauer. Sie führt das Kleidungsgeschäft LaLanka, das es bereit seit 40 Jahren in Hann. Münden gibt. Die vergangenen Wochen habe sie telefonische Bestellungen entgegengenommen und Ware aus dem Schaufenster sowie Gutscheine verkauft. Die Zukunft des Geschäfts hänge nun davon ab, ob die Kunden wiederkommen.

Auch Kerstin Mitteldorf, Inhaberin des alteingesessenen Mündener Modegeschäfts Radziwinski’s Men-Shop musste in den vergangenen Wochen eine neue Strategie entwickeln. Sie hat begonnen, einen Teil ihres Sortiments im Internet anzubieten, nachdem sie ihren Laden vorübergehend schließen musste. „So konnte ich weiterhin für meine Kunden da sein und gleichzeitig wenigstens ein wenig Umsatz machen“, so Mitteldorf. Weil sie viele positive Rückmeldungen bekommen hat, will sie auch weiterhin neue Ware im Internet präsentieren und über das Web Kontakt zu ihren Kunden halten.

Umgang mit den Corona-Regeln: Heike Beuerman schützt sich und ihre Kunden im Tee- und Weinhandel durch Plexiglas.

Finanziell wird die Coronakrise Einzelhändlern und Gastronomen noch lange zu schaffen machen, fürchtet die Geschäftsfrau. Normalität müsse schließlich erst langsam wieder einkehren und Kredite irgendwann zurückgezahlt werden. Die Wirtschaft sei auf loyale Kunden angewiesen.

Solche sind Hermann Staub und Günter Suhr. Beide waren am Montagmittag in Hann. Münden unterwegs und unterstützten die lokalen Einzelhändler mit ihren Einkäufen. „Für mich ist es selbstverständlich in Hann. Münden einzukaufen und nicht im Internet zu bestellen“, sagt Hermann Staub. Auch Mündener Gastronomen habe er in den vergangenen Wochen gerne unterstützt, denn nur so könne man Innenstädte lebendig halten. Günter Suhr schätzt vor allem die persönliche Beratung in den Geschäften, die er jetzt wieder in Anspruch nehmen kann. „Ein nettes Wort gehört für mich zum Einkaufen dazu“, sagt Suhr, der sich Sorgen um die Mündener Einzelhändler macht und darum am Montag einer der ersten Kunden war.

VON KIM HENNEKING UND WIEBKE HUCK

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