Coronakrise in Hann. Münden

Nach zehn Minuten sind alle Eier weg - Nachfrage bei Freilandhühnerhaltern boomt

Eier von glücklichen Hühnern: Die Freilandhaltung in Güntersen von Landwirt Jens Timmermann. Seine Hühner hausen in einem mobilen Hühnerstall, wie man ihn im Hintergrund sieht.
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Eier von glücklichen Hühnern: Die Freilandhaltung in Güntersen von Landwirt Jens Timmermann. Seine Hühner hausen in einem mobilen Hühnerstall, wie man ihn im Hintergrund sieht.

„Die Jahresproduktion an Eiern im Landkreis Göttingen reicht gerade einmal 30 Tage“, bedauert Kreislandwirt Hubert Kellner. Dabei boome die Direktvermarktung von Hühnern aus Freilandhaltung.

„Die Nachfrage nach Eiern aus der Region ist groß, seit Beginn der Coronakrise aber überwältigend“, sagt Landwirt Jens Timmermann aus dem Adelebser Ortsteil Güntersen. Morgens verkaufe er die 300 Eier, die seine 340 Tiere pro Tag legten, innerhalb von zehn Minuten. Das Osterfest habe die Nachfrage jetzt noch einmal zusätzlich angeheizt.

Eigentlich hält Timmermann Milchvieh. 100 Kühe stehen bei ihm auf der Weide. Als jedoch der Milchpreis 2016 in den Keller ging, suchte er nach einem zweiten Standbein. Er stellte auf seinem Zehn-Hektar-Hof den ersten mobilen Hühnerstall auf, kurz darauf den zweiten.

Weil die Auflagen bei der Großviehhaltung steigen, der Milchpreis aber fällt, will der Günterser nun einen mobilen Stall für weitere 300 Tiere beschaffen. „Gleichzeitig verringere ich die Zahl der Kühe um 40 Stück“, kündigt der Bauer an. Mit den Hennen erziele er den gleichen Erlös wie mit den 40 Kühen – bei deutlich geringerem Kapitaleinsatz. Ein „weitreichender Schritt“ sei das für ihn, der auch Risiken berge. Bisher sei bei ihm die Nachfrage immer größer als das Angebot gewesen. Künftig müsse er sich überlegen, was er – etwa während der Sommerferien – mit überzähligen Eiern mache. Er habe bereits Kontakte in den Raum Dassel geknüpft. Dort entstehe derzeit eine Nudelfabrik, die Eier aus Freilandhaltung verwerten wolle.

Eine Herausforderung für Bauern, die ihre Hühner draußen halten, sind Fressfeinde. Mit Waschbären, die anderenorts Hühner töten, hat Timmermann keine Probleme, dafür aber mit dem Habicht. „Ich habe deshalb immer Ziegen im Hühnergehege“, erklärt der Bauer. Sie halten Greifvögel fern.

Weil die Legeleistung von Hennen nach einem Jahr abnimmt und zudem die Eierschalen dünner werden, tauschen Bauern die Tiere spätestens nach anderthalb Jahren aus.

Birgit Beuermann vom Museumshof Scheden rettet solche Hühner vor dem Schlachthof. 70 alte Hennen, die 30 bis 40 Eier am Tag legen, hält sie. Eier mit Knick sortiert sie aus. Der Rest wird über den Museumshof vermarktet. „Meine Tochter kümmert sich um die Tiere und das Abpacken der Eier“, erzählt Beuermann.

„Vom Bau von Ställen für 10 000 Legehennen schrecken meine Kollegen im Raum Göttingen zurück“, berichtet Kreislandwirt Kellner. Sie fürchteten Demonstrationen. Die Freilandhaltung komme in der Gesellschaft besser an. Sie mache allerdings deutlich mehr Arbeit als der Großstallbetrieb. Freilandställe müssten regelmäßig versetzt werden, weil die Tiere innerhalb von zwei bis vier Wochen das Gras komplett wegpickten.

„Wir haben die mobilen Hühnerställe 2002 erfunden“, berichtet Matthias Wollers von der Bad Sooden-Allendorfer Firma Stallbau Weiland. 2000 Ställe habe das Unternehmen mit seinen mehr als 80 Beschäftigten mittlerweile in 14 Staaten verkauft.

VON MICHAEL CASPAR

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