Krötenwanderung

Naturpark Münden sammelt Kröten in Bursfelde

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Zeigen zwei Erdkröten, die in einem Eimer am Amphibienschutzzaun in Bursfelde gefalle sind: Naturparkmitarbeiter Gerd Kaufmann und Gerhard Kaminski.

Die Mitarbeiter des Naturparks Münden sind seit über zwei Wochen am Zaun in Bursfelde im Einsatz, um Kröten sicher zu ihrem Laichplatz im Klosterteich zu transportieren.

Erst 568 Kröten sind in Bursfelde aus dem Eimer am Amphibienschutzzaun geholt worden. Die Zahl der Kröten sei in diesem Jahr sehr gering, stellt Gerd Kaufmann fest.

„Im Schnitt sammelten wir die letzten 20 Jahre etwa 4000 bis 5000 Kröten ein. Jetzt sind es seit einiger Zeit um die 1200, 1300 im Jahr“, erklärt Kaufmann. Auch in diesem Jahr erwarte man etwa knapp 1000 Tiere insgesamt am Standort Bursfelde. 

Ein Grund, so vermutet Kaufmann, könnte das milde Frühjahr sein. Warme Temperaturen im Februar hatten die Amphibien zur frühen Wanderung angeregt.

Normalerweise laufen die Amphibien ab Mitte März bis Mitte/Ende April in den Dämmerungs- und Nachtstunden zu ihren Laich- und Geburtsplätzen. „Sie sind dann scharenweise unterwegs“, beschreibt es Kaufmann. 

Perfekte Wanderbedingungen herrschen zwischen fünf und acht Grad Celsius und nach Regen – denn die Tiere achten darauf, sich ausreichend feucht zu halten. Ist es zu kalt oder zu trocken, kommen sie nicht aus dem Unterholz hervor oder graben sich etwas ins Erdreich ein.

Erdkröten in einem Eimer: 68 Kröten sammelten die Mitarbeiter des Naturparks Münden an einem Tag.

Naturschützer, Ehrenamtliche und die Mitarbeiter des Naturparks helfen den Kröten erst seit März über die Straßen – die Aktivitäten der Froschlurche vor dieser Zeit seien nicht bekannt.

Umso wichtiger sei daher die Dokumentation der nun gefundenen Tiere: Kaufmann und seine Kollegen laufen den knapp 700 Meter langen Schutzzaun, der aus einem grünen Kunststoffdraht besteht, ab. Alle 20 bis 25 Meter wurden vor den Zäunen Eimer in den Boden eingelassen. 

Die Kröten, die auf dem Weg zu ihrem Laichplatz oft Straßen überqueren müssen, fallen in die Eimer. Im Eimer seien stets ein wenig Laub und ein Ast: „Damit Mäuse oder Insekten herausklettern können.“ In den Morgenstunden werden die Kröten eingesammelt und gezählt. 

Die Daten werden an den Landkreis geschickt. Einzelne Männchen und Weibchen werden erfasst, aber auch sogenannte Doppeldecker: So werde ein Krötenpärchen genannt, wenn sich das Männchen an einem Weibchen festkrallt, erklärt Kaufmann. „Das Männchen reserviert sich so das Weibchen“, sagt Kaufmann. 

Das Weibchen trägt das Männchen mit bis zum Laichort. Erst dort angekommen erfolgt die Befruchtung des Laiches. Die Kröten spannen schwärzliche Laichschnüre an Wasserpflanzen und Gehölz. Aus diesen entwickeln sich nach einigen Tagen Kaulquappen, einige Monate später sind es Erdkröten. 

Zwischen Juli und August kann es, bei einer hohen Belaichung, dann zum „Krötenregen“ kommen: Massen an Amphibien wandern dann erneut, dieses mal zurück in die Wälder. 

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