Neuer Radroutenplan: Mängel und Lücken im Wegenetz aufgedeckt

Radweg fehlt: So wie Mia Lepper und ihr Vater Ulrich Lepper aus Oberode müssen auch andere Radfahrer mangels Radweg auf der Straße fahren. Das soll sich in einigen Jahren ändern. Das Mehrjahresprogramm des Landkreises Göttingen sieht für 2017 den Bau des Werra-Radwegs zwischen Hedemünden und Oberode vor. Foto: Krischmann

Landkreis Göttingen. Rund 1000 Kilometer - eine Strecke von Oberstdorf bis Sylt - legte ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung mit dem Rad zurück.

Er war dienstlich unterwegs. Gemeinsam mit einem Experten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) fuhr er Radwege im Landkreis Göttingen ab.

Die Ergebnisse flossen in den Radroutenplan des Landkreises ein. Der Plan, im Fachausschuss vorgestellt und vom Kreisausschuss beschlossen, sei eine wichtige Grundlage, um den Radverkehr weiter zu fördern, sagt Erste Kreisrätin Christel Wemheuer (Bündnis 90/Die Grünen).

Mit dem Routenplan sei erstmals systematisch erfasst worden, in welchem Zustand Radwege sind, wo es noch Lücken gibt und wie die Anbindung an Bus und Zug aussieht. Dabei sei nicht nur überprüft worden, wie touristische Angebote per Rad erreicht werden können, sondern auch wie Arbeitnehmer mit dem Drahtesel zum Arbeitsplatz kommen können.

Das Rad als Verkehrsmittel gewinne im städtischen Raum zunehmend an Bedeutung, so Wemheuer, und sei auch für Pendler Richtung Göttingen und Richtung Kassel wichtig. So liege der Anteil der Radfahrer am Verkehr in der Stadt Göttingen bei über 27 Prozent. Der im Bau befindlich Radschnellweg in Göttingen sei der richtige Schritt, um auch die Elektrofahrräder, die E-Bikes, noch bekannter zu machen.

Bei dem Abfahren der Strecken bewerteten die Experten die Radrouten nach bestimmten Kriterien - beispielsweise Breite, Barrierefreiheit, Beschaffenheit des Belags - und gaben wie in der Schule den Radwegen Noten. Daraus ergibt sich das Gesamtbild.

Ergebnis der Planung: 75 Vorhaben sollen in den nächsten Jahren angepackt werden - in 57 Fällen schlagen die Radexperten Neubau und Ausbau von Radwegen für vor, in 18 Fällen geht es um Sanierung und Verbesserung der Infrastruktur. Gemeint sind damit Unterhaltungs- und Ausbesserungsarbeiten, Beseitigung von Gefahrenstellen oder das Errichten von Verkehrsschildern und Wegweiser.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen stuften die Planer in vordringlichen und weiteren Bedarf ein, wobei die Bedeutung der Route ausschlaggebend war für die Einordnung.

Christel Wemheuer

Für Dezernentin Wemheuer ist entscheidend, dass die Kreisverwaltung bei Zuschussanträgen an das Land oder bei Beratung der Gemeinden - sie erhalten beim Bau von Radwegen 30 Prozent Zuschuss vom Kreis - auf eine exakte Planung zurückgreifen kann. Bedauerlicherweise machten die Kommunen davon wenig Gebrauch, so Wemheuer.

Die Erkenntnisse des Radroutenplans seien bereits in das Mehrjahresprogramm für Bau von Straßen und Radwegen eingeflossen. So stehe dieses Jahr der Radweg von Varmissen zur B 3 im Programm, 2017 sei parallel zum Ausbau der Straße von Hedemünden nach Oberode der Bau des Werra-Radwegs geplant. Ebenso sei für das 2017 der Bau von 300 Meter Radweg entlang der Kreisstraße nach Sichelnstein zwischen Lutterberg und Ameisenpfad geplant.

Um einen noch so schönen Plan umzusetzen, brauchen der Landkreis und die Städte und Gemeinden Geld. Und das sei begrenzt, so Wemheuer. Deshalb komme es darauf an, schrittweise voranzukommen, um das Radroutennetz enger zu knüpfen.

Dabei werde - im Vorgriff auf die Fusion zum 1. November 2016 - auch der Landkreis Osterode in die Planung einbezogen, sagte die Erste Kreisrätin. Der Mitarbeiter der Kreisverwaltung habe nach der gleichen Methodik wie bei der Planung im Landkreis Göttingen die Radrouten im Nachbarkreis erfasst.

Beide Werke werden, wenn der Osteröder Radroutenplan fertig ist, die Grundlage bilden für einen Masterplan „Zukunftsfähiger Radverkehr“ im fusionierte Landkreis Göttingen.

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