Niedrigzinspolitik belastet Sparkasse Münden und VR-Bank

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Sparbuch: Noch immer gefragt als eiserne Reserve. 

Hann.Münden/Dransfeld. Die Sparkasse Münden und die VR-Bank in _Südniedersachsen als die beiden größten Kreditinsitute im Altkreis Münden sehen die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr kritisch.

Anlass ist die jüngste Entscheidung der EZB, den Leitzins im Euroraum auf Null zu senken. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, hatte erklärt, das Zinstief belaste die Sparkassen, die Zeit der kostenlosen Girokonten sei vorbei.

Wie sieht es für die Kunden der beiden Kreditinstitute aus?

Thomas Scheffler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Münden, erklärt, eine Anhebung der Kontogebühren sei aktuell nicht geplant. Die Sparkasse habe unterschiedliche Gebührenmodelle.

Jens Ripke, Vorstandsmitglied der VR-Bank in Südniedersachsen, sagt, die Genossenschaftsbank werde ihr kostenloses Girokonto beibehalten. Kostenlos sei das Girokonto unter zwei Voraussetzungen: Erstens müsse der Kunde ein Online-Konto führen, zweitens müsse regelmäßig ein bestimmter Geldbetrag auf das Konto eingehen.

Die Banker betonen, dass die Führung von Girokonten für die Kreditinstitute Kosten verursachen. So müssten etwa IT-Dienstleister, der die Konten verwalte, bezahlt werden. Früher konnten aus der Anlage der Girokontoguthaben Erträge erzielt werden. Heute ist diese Zeit vorbei, so der Sparkassenchef. Brächte die Sparkasse die Guthaben zur EZB, müsste sie dafür Strafzins zahlen. Scheffler und Ripke betonen jedoch, ihre Kunden nicht mit sogenanntem Negativzins zu belasten.

Die Banker werfen EZB-Präsident Draghi vor, mit der Niedrigzinspolitik Länder Südeuropas innerhalb der EU zu bevorteilen.

Kritik an EZB-Politik

Regionale Kreditinstitute, so Scheffler, sammeln hier das Geld ihrer Kunden ein und vergeben hier Kredite. „Wir können keine Filialen in Italien oder Spanien eröffnen.“ Internationale Banken, etwa aus Spanien, könnten hingegen in Deutschland höhere Zinsen auf Einlagen zahlen, um in Südeuropa Kredite teurer als bei uns ausleihen zu können. Sein Kollege Jens Ripke ergänzt, Draghi wolle mit seiner Niedrigzinspolitik die Kreditinstitute veranlassen, Firmen mehr Kredite zu geben, um die Wirtschaft in den Südländern anzukurbeln. Das sei in Deutschland aber angesichts der stabilen Wachstumsraten gar nicht erforderlich.

Draghi, so Scheffler, versuche mit der Niedrigzinspolitik die Inflation anzuheizen. Was aber passiert, wenn trotz der Geldschwemme „die Pferde nicht saufen?“, also nicht konsumiert oder investiert würde, weil das Vertrauen in die Geldpolitik fehlt.

Empfehlungen für Sparer

Die Niedrigzinsen betreffe auch die Sparer. Scheffler empfiehlt Kunden, die Geld anlegen wollen, das Risiko zu streuen: „Nicht alle Eier in ein Nest legen.“ Denkbar wäre zum Beispiel, ein Teil des Geldes in Immobilien und Immobilienfonds zu legen, einen weiteren Teil in Aktien und Aktienfonds. Geld aufzunehmen, um Immobilien zu erwerben, sei wegen der Niedrigzinsen günstig. Scheffler warnt allerdings davor, sich durch die Niedrigzinsen blenden zu lassen und sich durch den Kauf überteuerer Immobilien zu verschulden. Das gute alte Sparbuch habe nicht ausgedient, meint Scheffler. Es sei weiterhin, auch wenn es kaum Zinsen gebe, für viele eine „eiserne Reserve.“ Die schlechteste, weil unsicherste Variante sei, das Ersparte zuhause aufzuheben. (kri) Fotos: Archiv

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