Auch die Städte Hannover und Rinteln überlegen, Straßennamen zu ändern

NS-Vergangenheit: Sohnrey auf Prüfstand

Heinrich Sohnrey. Foto: Archiv

Göttingen/Hann. Münden. Die Diskussion um die Verstrickung des Sollingdichters Heinrich Sohnrey (1859-1948) in den Nationalsozialismus zieht weitere Kreise.

So beschäftigt sich jetzt auch die Landeshauptstadt Hannover mit dem Fall. Die Verwaltung wolle sich um die neue Studie des Göttinger Literaturwissenschaftlers Professor Frank Möbus bemühen und dann prüfen, ob eine Umbenennung der Sohnreystraße in Erwägung zu ziehen sei, sagte auf Anfrage ein Verwaltungssprecher.

Auch in Rinteln will sich demnächst der Ortsrat mit der Frage beschäftigen, ob der dortige Heinrich-Sohnrey-Weg umbenannt werden soll.

Bereits am kommenden Donnerstag, 24. November, wird der Schulausschuss des Landkreises Göttingen über eine Umbenennung der Heinrich-Sohnrey-Realschule in Hann.Münden beraten. Dem Ausschuss liegt eine Empfehlung der Kreisverwaltung vor, den Namen zu ändern. Mitte Dezember wird außerdem der Rat der Stadt Hann. Münden Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und der Linken zur Umbenennung der Sohnreystraße beraten.

Auch die Universität Göttingen befasst sich mit dem Publizisten, der 1933 neben 87 weiteren Schriftstellern das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler“ unterzeichnet hatte. Sohnrey ist seit 1934 Ehrenbürger der Hochschule. Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel habe am Mittwoch den Senat darüber informiert, dass die Rechtsabteilung den Fall prüfe, teilte ein Sprecher mit. Ein Ergebnis liege noch nicht vor. Über eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft müsste der Senat befinden.

Anlass für die Diskussion ist eine neue Studie des Göttinger Literaturwissenschaftlers Professor Frank Möbus. Dieser war bei der Lektüre von Sohnreys Werken auf zahlreiche Texte gestoßen, die dem Führergedanken huldigen und offen zum Rassenhass aufstacheln. Möbus kommt zu dem Schluss, dass Sohnrey ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus gewesen sei, der unverhohlen für die Vernichtung „minderwertiger Rassen“ eingetreten sei.

Keine Reaktion kommt indes bislang von der in Jühnde (Kreis Göttingen) angesiedelten Sohnrey-Gesellschaft, die im Turm des Jühnder Schlosses ein Archiv und eine Erinnerungsstätte für den Heimatdichter eingerichtet hat. Auch in ihrem Internet-Auftritt gibt es keinen Hinweis auf die aktuelle Debatte. (pid/kri)

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