„Rotmilan nur vorgeschoben“

„NWind“ protestiert mit Plakat für Baufortsetzung der Windräder bei Jühnde

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„Klimaschutz ist Artenschutz“ ist auf dem Plakat an einem Windrad bei Jühnde zu lesen. 

Ein großes Plakat hängt seit einiger Zeit an einem der beiden halb fertiggestellten Windkraftanlagentürme zwischen Jühnde und Bördel.

„Klimaschutz ist Artenschutz“ steht dort, dazu im typischen Stil des NABU-Schriftzuges das Wort „NAUND“ und ein Eisbär, der eine Träne vergießt. Aufgehängt wurde das Plakat im Auftrag des Unternehmens NWind aus Hannover, das den Jühnder Windpark geplant und zu bauen begonnen hat. 

Im Frühjahr 2018 hatte ein Urteil des Verwaltungsgerichts Göttingen die Baustelle still gelegt, weil der Landkreis Göttingen Artenschutzbelange - vor allem geht es um den Rotmilan - nicht ausreichend berücksichtigt und keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt habe. Den Widerspruch zum sofortigen Baubeginn hatte zuvor der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) eingelegt, der zudem in einem weiteren Verfahren auch gegen die Baugenehmigung an sich klagt.

Das Unternehmen NWind wolle mit dem jüngst aufgehängten Plakat dafür sorgen, dass das Jühnder Windprojekt nicht in Vergessenheit gerate. Außerdem wolle man gegen die Doppelmoral der Kritiker protestieren sowie, dass sich der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) vor den Karren der Kläger spannen lasse, macht Nils Niescken, Geschäftsführer von NWind GmbH, deutlich: „Meine persönliche Meinung ist, dass der Rotmilan nur vorgeschoben ist, um die Windräder zu verhindern.“

Unterlagen werden vom Landkreis geprüft

Auch wenn die halbfertigen Masten der zwei von vier geplanten Windrädern vom Typ E115 mit 149 Meter Naben- und 206 Meter Gesamthöhe seit nunmehr zwei Jahren in der Landschaft stehen, geht Niescken davon aus, dass weitergebaut werden könne und sich auch in Jühnde Windräder drehen: Der Standort sei geeignet. NWind habe mittlerweile alle geforderten Unterlagen eingereicht, damit der Landkreis Göttingen das öffentliche Beteiligungsverfahren beginnen könne, nach deren Abschluss nach sechs Monaten eine Entscheidung stehen müsse. 

Ungewohnter Blick: Einer der Türme aus der Vogelperspektive.

Einen Eingang bestätigt der Landkreis auf Anfrage der Mündener Allgemeinen: „Die überarbeiteten Antragsunterlagen mit der UVP für den Windpark Jühnde liegen digital im Entwurf vor.“ Die Übersendung der für die weiteren Verfahrensschritte benötigten Fassung sei für Mitte Mai angekündigt, dann erfolge zunächst die Vollständigkeitsprüfung durch die zu beteiligenden Fachbehörden. „Wenn die Vollständigkeitsprüfung abgeschlossen ist – und die Unterlagen vollständig vorliegen – kommt es zur Öffentlichkeitsbeteiligung mit einer öffentlichen Auslegung. Der Zeitpunkt ist derzeit noch nicht absehbar“, so die Mitteilung des Landkreises. Sollte am Ende dieses Verfahrens keine Genehmigung für den Weiterbau stehen, sei der Schaden „nicht unerheblich“, sagt Niescken und schätzt diesen „siebenstellig“. 

Urteil im Verfahren zur Baugenehmigung steht aus 

Gründe für eine Untersagung des Weiterbaus sieht Niescken indes nicht: Es gebe seit 2016 den sogenannten Windenergie-Erlass Niedersachsen. Er regelt unter anderem, wie bei Windenergieprojekten mit Rotmilanvorkommen umgegangen werden solle und welche Vermeidungskonzepte zum Schutz greifen können. Mit dem Konzept von beispielsweise Futterflächen außerhalb des Windparks als Ablenkungsfütterung trage man dem voll Rechnung, so Niescken.

Unterdessen steht allerdings noch das Urteil im Hauptsacheverfahren gegen die Baugenehmigung aus: Geklagt hatte hier die LBU bereits im August 2017. Ein Urteil ist noch nicht in Sicht, zumal es durch mehrere Instanzen gehen könnte.

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