Tierarzt Dr. Gremmes hat jetzt Platz für bis zu 26 Tiere und eine Bewegungshalle – 1200 Patienten im Jahr

Pferdeklinik deutlich gewachsen

Bewegung bei jedem Wetter: Dr. Christina Gremmes mit Stute Loa und deren drei Wochen altem Fohlen in der neuen Halle. Hier können die tierischen Patienten auch im Winter oder bei Regen von der Ärzten in ihrer Bewegung begutachtet werden. Das ist etwa wichtig, wenn orthopädische Störungen vorliegen. Die Stute ist allerdings in der Pferdeklinik, um besamt zu werden. Fotos: Rudolph

Jühnde. Die Pferdeklinik in Jühnde hat die Zahl der Plätze für ihre Patienten fast verdoppelt: Bis zu 26 Tiere können jetzt stationär aufgenommen werden. Gab es im Altbau der Klinik bislang 14 Pferdeboxen, sind jetzt in einem Neubau 12 weitere Boxen hinzugekommen.

Wir waren an der Kapazitätsgrenze“, erklärt Tierarzt Dr. Steffen Gremmes. „Und auch jetzt sind wir schon wieder gut ausgelastet.“ Angeschlossen an das neue, 300 Quadratmeter große Stallgebäude ist eine ebenfalls neu gebaute Bewegungshalle. Auf 20 mal 20 Metern können dort die Pferde an der Longe geführt werden. Um bei orthopädischen Patienten die richtige Diagnose treffen zu können, ist es wichtig für die Ärzte, die Tiere in Bewegung zu sehen.

In der Halle können die Tierärzte Orthopädiepatienten jetzt bei jedem Wetter in ihrer Bewegung begutachten und so eine Diagnose treffen.

Mit der Halle geht das jetzt bei jedem Wetter. Bei winterlicher Witterung oder bei Regen mussten die Tiermediziner der Klinik bisher auf Reithallen in Nachbarorten ausweichen oder den Untersuchungstermin verlegen.

Seit Herbst ist der Neubau fertig, zur Zeit werden die letzten Feinarbeiten abgeschlossen. „In diesem langen Winter war die Halle für uns schon ein Segen“, sagt Klinikchef Dr. Steffen Gremmes, der die tiermedizinische Einrichtung in Jühnde vor zehn Jahren gründete. In die Neubauten habe er insgesamt eine höhere sechsstellige Summe investiert.

Mehr als 1200 Pferde werden pro Jahr in der Klinik behandelt, die nur einen Steinwurf von der Bioenergieanlage entfernt liegt. Die Verweildauer der Patienten geht von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. „Schwerverletzte oder Langzeiterkrankte hatten wir auch schon bis zu einem Jahr hier“, sagt der 45-jährige gebürtige Jühnder.

Im eigentlichen Klinikgebäude gibt es einen großen Untersuchungssaal mit angeschlossenem OP-Bereich. Weil sich ein Pferd natürlich nicht selbst auf den Operationstisch legt, müssen die bis zu 900 Kilo schweren Tiere in Narkose mit einem Spezialkran auf die gepolsterte Bank gehievt werden. Nach der OP werden sie in einer gepolsterten Box wieder abgelegt. Denn Pferde müssen nach dem Eingriff schnell wieder aufstehen, sonst kann ihr Kreislauf zusammenbrechen, erläutert Gremmes. Sollten sie noch etwas wackelig auf den Beinen sein, kann in der weichen Box nichts passieren.

Dr. Gremmes Pferdekrankenhaus ist gewissermaßen eine Polikklinik, in der alle möglichen Erkrankungen und Verletzungen behandelt werden. Für ansteckende Patienten mit Infektionskrankheiten stehen in dem Neubau jetzt auch zwei Boxen im Isolierbereich bereit. Krebserkrankungen werden in der Tierklinik behandelt.

Weil Pferde allgemein sehr empfindlich auf Medikamente reagierten und daher eine Chemotherapie – wenn überhaupt – nur lokal möglich sei, so der Tiermediziner, setze er vor allem auf alternative Behandlungsmethoden. Er bekämpft Tumore mit so genannten dendritischen Zellen – das sind körpereigene Zellen des Immunsystems.

Krankenversichert sind übrigens die wenigsten der Patienten von Dr. Gremmes und seinem Team. Selbst bei erfolgreichen Pferden im Reitsport sei das unüblich, weiß der Tierarzt aus Erfahrung. Neben Einzeltieren von Pferdenarren sind in Jühnde nämlich auch schon echte Bundeschampions wieder fit gemacht worden.

Von Katja Rudolph

Hintergrund: Sprechstunde und mobile Praxis

Die Tierärtzliche Klinik für Pferde bietet neben dem stationären Bereich ambulante Behandlung in der Sprechstunde an und stattet mit der Fahrpraxis auch Haus- bzw. Stallbesuche ab. In der Klinik sind neben Chef Dr. Steffen Gremmes und seiner Frau Dr. Christina Gremmes sechs Tierärztinnen und neun weitere Mitarbeiter (Tierarzthelfer, Stallpersonal) beschäftigt. Pro Jahr werden rund 400 Pferde stationär aufgenommen. Hinzu kommen über 800 Tiere, die ambulant behandelt werden. In der Sprechstunde werden z.B. orthopädische Behandlungen vorgenommen, Röntgen- sowie Ankaufsuntersuchungen, mit denen der Gesundheitszustand eines Pferdes vor einem Verkauf festgestellt wird. Rund 30 Pferde täglich versorgt außerdem der mobile Tierarztdienst. Hier geht es meist um Impfungen, Zahnbehandlungen oder Infektionskrankheiten. Die Pferdeklinik hat an 365 Tage im Jahr rund um die Uhr einen Notdienst. Zwei Tierärzte sind immer in Rufbereitschaft. (rud)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.