Equines Herpesvirus

Pferdevirus besorgt Halter: Fachtierarzt empfiehlt Impfung für alle Pferde

Pferd mit Halfter flehmt
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Eine Herpeserkrankung bei Pferden ist nicht zu vergleichen mit den gleichnamigen Lippenbläschen bei Menschen. Sie kann tödlich verlaufen.

Die europaweite Verbreitung eines Pferdevirus beschäftigt derzeit die Reiterwelt, auch im Landkreis Göttingen. Nach dem Ausbruch des Equinen Herpesvirus bei einem internationalen Turnier in Valencia (Spanien), wurden auch Tiere in den Raum Göttingen zurücktransportiert, wie Dr. Steffen Gremmes, Fachtierarzt für Pferde mit eigener Klinik in Jühnde, berichtet.

„Wir haben regelmäßig Herpesfälle in Deutschland. Im Raum Göttingen sind wir in den letzten Jahren gut davon gekommen“, sagt Dr. Gremmes. Aktuell habe das Virus durch den Transport erkrankter Tiere eine europaweite Dimension bekommen. So bestehe berechtigte Sorge bei Pferdehaltern.

Die betroffenen Pferde müssten nun in Quarantäne gehen, so der Tierarzt. Persönlich habe er noch keine Kenntnis über eine weitere Verbreitung. Auch dem Veterinäramt des Landkreises liegen keine Herpesfälle vor, allerdings ist die Krankheit auch nicht meldepflichtig.

Die Präventionsmaßnahmen für das Pferdevirus seien vergleichbar mit denen in der Coronapandemie, erklärt Dr. Gremmes. Theoretisch könne eine Ansteckung durch den Menschen oder Gegenstände erfolgen, in der Regel passiere das jedoch von Pferd zu Pferd. Hier gelte es, Abstand zu halten.

Equines Herpesvirus kann tödlich sein

„Eine Impfung minimiert das Risiko“, sagt Dr. Gremmes. Im Einzelfall könne es auch bei geimpften Pferden zur Erkrankung kommen. Seine Klinik empfehle schon seit langer Zeit eine Impfung, wie auch die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet).

Der Tierarzt betont, dass eine Erkrankung „dramatische Folgen“ haben kann, wie Atemwegsinfektionen, neurologische Erscheinungen und Fehlgeburten. „Es gibt keine Therapie, nur begleitende Maßnahmen.“ Als Nebenwirkungen einer Impfung könnten lokale Schwellungen und erhöhte Temperatur auftreten. Obwohl es die Impfstoffe schon seit einigen Jahren gibt, bestehe nun aufgrund der erhöhten Nachfrage ein Engpass.

Dr. Gremmes empfiehlt die Impfung für alle Pferde, besonders Turnierpferden, da diese verpflichtend alle halbe Jahre gegen Influenza geimpft werden müssen. Da könne die halbjährige Herpes-Impfung gleich angeschlossen werden. „Es muss der ganze Bestand geimpft sein. Sonst macht es nicht so viel Sinn, weil die anderen Pferde dann Ausscheider bleiben.“ Wer eine akute Gefährdung vermutet, solle sein Pferd auf Krankheitssymptome beobachten, beispielsweise durch tägliches Fiebermessen. Einige Ställe würden neue Pferde präventiv per Nasenabstrich auf das Virus testen, bevor sie Kontakt zur bestehenden Herde haben.

West-Nil-Virus nähert sich Region Göttingen

Laut Informationen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sind Anfang März fünf Pferde aus Deutschland bereits nach einer Ansteckung in Spanien gestorben. Um einen großflächigen Ausbruch in Deutschland zu verhindern, wurden zunächst bis 28. März alle Turniere abgesagt.

Dr. Gremmes empfiehlt darüber hinaus auch eine Impfung gegen das West-Nil-Virus für alle Pferde. Krankheitsfälle seien in den vergangenen Jahren in zunehmender Nähe zur Region Göttingen aufgetaucht. Dem Veterinäramt des Landkreises sind aktuell keine Fälle bekannt.

Das Virus wird laut FN durch Mücken auf Vögel übertragen, auch Menschen und Pferde können durch einen Stich angesteckt werden. Die Krankheit verlaufe bei Pferden meist symptomfrei oder in Form einer fieberhaften Erkrankung. Bei acht Prozent der infizierten Pferde komme es zu neurologischen Ausfallerscheinungen. Bei bis zu 50 Prozent dieser Fälle könne auch diese Krankheit tödlich verlaufen.

Das Equine Herpesvirus (EHV-1) ist laut Deutscher Reiterlicher Vereinigung (FN) nicht anzeige- oder meldepflichtig. Es ist nicht auf Menschen übertragbar. Es wird davon ausgegangen, dass 80 Prozent der Pferde Virusträger sind. Bei Stress kann es ausgeschieden werden und zur Ansteckung führen. Das Virus kann Atemwegserkrankungen, Fehlgeburten, neurologische Verlaufsformen wie Lähmungen hervorrufen und zum Tod führen.

Eine Impfung wird empfohlen. Sie schützt nicht zu 100 Prozent vor Ansteckung, aber kann den Krankheitsverlauf abmildern. Ein effektiver Schutz ist die Impfung aller Pferde in einem Bestand. Nach der Grundimmunisierung in Form von drei Impfungen, muss die Impfung alle sechs Monate wiederholt werden.

Über Impfungen, Empfehlungen und Pflichten informiert die FN auf ihrer Webseite www.pferd-aktuell.de

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