Hilfe für Rückkehrer

Projekt berät Flüchtlinge in Hann. Münden, die in ihre Heimat zurückkehren wollen

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Unterstützen bei der Entscheidung: von links Ina Günther (Beraterin), Dana Gaef (Abteilungsleiter Migrationszentrum), Indira Khalikova (Beraterin).

Mit dem Projekt „Comeback“ unterstützt der Landkreis Göttingen die Beratung von Menschen, die überlegen, freiwillig in ihr Heimatland zurückzukehren. 

Die Beratung übernehmen Mitarbeiter des Migrationszentrums für Stadt und Landkreis Göttingen vom Diakonieverband. 

600 Personen sind aktuell im Landkreis Göttingen dauerhaft ausreisepflichtig, etwa weil ihr Asylantrag endgültig abgewiesen wurde. Sie müssen laut Ausländerbehörde die Bundesrepublik verlassen und in ihre Herkunftsländer zurückkehren. 

32 Menschen im Kreis seien 2018 freiwillig ausgereist, während es im gleichen Zeitraum 13 Abschiebungen gegeben habe, teilt der Landkreis Göttingen mit. 

Das Projekt wird mit 143 000 Euro vom Land Niedersachsen sowie 18 000 Euro vom Landkreis Göttingen und weiteren Mitteln der Stadt Göttingen unterstützt. „Ziel ist es, Anreize für eine freiwillige Ausreise von Ausreisepflichtigen zu schaffen und die Betroffenen möglichst gut in ihrer Heimat zu reintegrieren“, erklärt Kreisrätin Marlies Dornieden. 

Schließlich sei eine freiwillige Rückkehr für alle Beteiligten besser als die Abschiebung, meint auch Nicole Jung, Leiterin der Ausländerbehörde. 

Sowohl der Landkreis als auch das Migrationszentrum betonen, dass die Beratungen auf freiwilliger Basis erfolgten und ergebnisoffen geführt würden. 

Die Beratungen finden in Göttingen und Osterode, aber auch in Duderstadt und Hann. Münden statt. „Wir wollen in der Nähe der Menschen sein“, betont Dornieden. 

Das Projekt sei bereits angelaufen. Erste Gespräche mit Rückkehrwilligen hätten stattgefunden, am 31. Juli solle das Projekt evaluiert und dann möglicherweise über 2019 hinaus verlängert werden. 

Dana Gaef, Leiter des Migrationszentrums, betont, es würden nicht nur Ausreisepflichtige, sondern auch Menschen mit Bleibeperspektive beraten, die eine Rückkehr erwägen.

„Wir setzen uns seit 28 Jahren für Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund ein“, beschreibt Abteilungsleiter Dana Gaef die Arbeit des Migrationszentrums. Ein Schwerpunkt seien Gespräche mit Menschen, die überlegen, wieder in ihre Herkunftsländer zurückzukehren.

„Wir besprechen, welche Perspektiven es gibt, sowohl hier in Deutschland als auch in den Heimatländern“, sagt Gaef. Etwa 100 Interessierte habe man allein 2018 beraten. 

Das Angebot richte sich nicht nur an Ausreisepflichtige, die das Land verlassen müssen: Zum Teil lebten die an einer Rückkehr Interessierten seit Jahren in Deutschland, hätten eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.

Die Gründe der Rückkehrer seien vielfältig, oft sei es die familiäre Situation, wenn beispielsweise Familienangehörige noch im Herkunftsland leben. „Wir hatten den Fall, dass jemand beim Wiederaufbau seiner Heimatstadt Kobane nach dem Krieg in Syrien mithelfen wollte“, berichtet Gaef. Gespräche seien ergebnisoffen, schließlich müssten die Betroffenen selbst entscheiden, ob sie zurückkehren wollen.

Manchmal seien die Geschichten emotional aufwühlend, etwa wenn sich kranke Menschen dazu entschlössen, zum Sterben in die Heimat zurückzukehren. 

„Es geht um mehr als nur um Beratung, wenn Menschen zum Beispiel wegen einer Krankheit eingeschränkt reisefähig sind, gibt es viel Organisatorisches zu klären“, sagt Rückkehrberaterin Indira Khalikova. Auch, um die Schicksale zu verarbeiten, tauschen sich die Mitarbeiter regelmäßig über ihre Erfahrungen im Team aus.

Sei die Entscheidung zur Rückkehr gefallen, gebe es Starthilfen für den Neuanfang im Herkunftsland, beispielsweise über das von der EU geförderte Programm ERRIN. „Wir stellen Kontakte zu Organisationen her, die den Start erleichtern“, sagt Indira Khalikova.

Hindernisse vor einer Rückkehr gebe es viele, oftmals fehlten wichtige Dokumente, wie Pässe oder eine internationale Geburtsurkunde für in Deutschland geborene Kinder. „Die Rückkehr von Flüchtlingen ist ein sehr sensibles Thema“, unterstreicht Abteilungsleiter Dana Gaef.

Sollte es aber tatsächlich zunächst keine Bleibeperspektive in Deutschland geben, sei eine freiwillige Ausreise besser als eine Abschiebung, die mit einem Wiedereinreiseverbot verbunden sei. 

So bleibe die Option, irgendwann wieder nach Deutschland zurückzukommen bestehen.

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