Bühne frei für neue Geschichten 

Die Puppen sind ihr Leben: Eine Familie macht Theater

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Das Staufenberger Puppentheater: Unser Bild zeigt (von links) Andreas, Nicole, André und Selina Nolting. Über 20 Figuren gehören zu ihrem Ensembles. 

Landwehrhagen. Familie Nolting macht Theater - Puppentheater, um genau zu sein. 

Wenn die Hexe Palina-Amalia hinter dem Vorhang hervorlugt, wird es mucksmäuschenstill im Saal. Unheil liegt in der Luft – dann die Erleichterung, als die Fee Amaryllis dem Spuk ein Ende bereitet. Wenn sie kommt, wird alles gut. Das wissen auch die Kinder vor der Bühne.

Dahinter stehen Nicole (42) und Selina Nolting (18), die den Figuren ihre Stimme geben und mit den Händen bewegen. Zusammen mit Andreas (49) und André Nolting (25) sind sie das Staufenberger Puppentheater. Eine Familie, die damit ihr Glück gefunden hat.

Seit etwa anderthalb Jahren sind sie in der Region auf Tour. Ihre Stücke schreiben sie in der Regel selbst, das Bühnenbild malen sie zu Hause in der Küche, und auch die Lieder stammen aus ihrer Feder. Kein Wunder, Andreas Nolting und sein Sohn André, der an der Universität Kassel Informatik studiert, haben noch eine andere Leidenschaft: Sie spielen Akkordeon und treten seit Jahren als Duo Nolting auf, spielen in Restaurants ebenso wie im Konzertsaal und eben auch bei Auftritten des Puppentheaters.

Die Familienbühne will mehr sein als nur ein Kasperle-Theater, das die bekannten Stücke spielt und nach der Vorstellung rasch abbaut. Deshalb setzt sie auf eigene Stücke. Und: „Wir spielen mit den Kindern, lassen sie mitmachen“, sagt André Nolting. Und natürlich dürfen die Mädchen und Jungen die Figuren auch berühren und nach den Auftritten kennenlernen.

Wenn sie dann mit der Hexe Faxen machen können, erscheint sie nicht mehr mehr ganz so gruselig. „Wir nehmen uns viel Zeit für die Kinder“, sagt Nicole Nolting. Nach dem 60-minütigen Spiel sind 20 weitere Minuten nur für die kleinen Zuschauer eingeplant. „Es macht uns einfach Freude, wenn wir anderen Freude machen können.“

Die Entscheidung für das Puppentheater fiel eines Tages in der Küche, als die Familie dort zum Abendessen zusammensaß. „Mir spukte der Gedanke immer im Kopf herum“, sagt Andreas Nolting. „Theater und Musik liegen in unserer Familie.“ Seine Eltern und davor schon seine Großeltern zogen über Land, um die Menschen zu unterhalten. Sie standen selbst auf der Bühne oder spielten mit Marionetten und Handpuppen. „Theaterleute halt.“

Das Ja zum Puppenspiel, bedeutete das Aus für das An- und Verkauf-Geschäft, das Nicole Nolting, gelernte Einzelhandelskauffrau, in Kassel geführt hat. Eine Entscheidung, die ihnen aber leicht viel. „Ich war, froh, weil ein Familienleben nicht mehr stattfand“, sagt Tochter Selina, die in Kassel an der Elisabeth-Knipping-Schule die Berufsschule Hauswirtschaft besucht. Alle waren eingespannt, sechs Tage in der Woche. „Zum Schuss hatten wir einen Ladenkoller“, sagt Mutter Nicole.

Heute, anderthalb Jahre später, sagt sie: „Es gibt nichts Schöneres, wenn man Beruf und Familie verbinden kann.“

Hintergrund

Die Puppen der Familie Nolting sind alle Unikate. Der Kieler Puppenschnitzer Rudolf Wurst hat sie nach ihren Wünschen gefertigt. In Hann. Münden treten Kasper und Co. am 18. Oktober wieder auf. Dann ist das Puppentheater im Geschwister-Scholl-Haus zu Gast. Beginn: 16.30 Uhr. Weitere Infos im Internet. Telefonisch ist die Bühne unter 0177/463 68 44 zu erreichen, per E-Mail unter a-nolting@hotmail.de; Infos über die Akkordeonspieler Andreas und André Nolting unter www.duonolting.de.

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