Die Mutmacher

Puppentheater im Wartestand: Wie Familie Nolting aus Staufenberg der Coronakrise trotzt

Die Staufenberger Puppentheater: Unser Bild zeigt (von links) Andreas, Nicole, André und Selina Nolting. Über 20 Figuren gehören zu ihrem Ensembles.
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Die Staufenberger Puppentheater: Unser Bild zeigt (von links) Andreas, Nicole, André und Selina Nolting. Über 20 Figuren gehören zu ihrem Ensemble. (Archivfoto)

Sie kümmern sich um die Versorgung, setzen sich in der Krise für Menschen ein, halten den Laden am Laufen. Wir stellen diese Mutmacher in loser Folge vor. Heute: die Puppenspielerfamilie Nolting.

Landwehrhagen – Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Das Puppentheater ist ihr Leben. „Wir lieben das ja“, sagt Nicole Nolting. Aber die finanzielle Situation ist für das kleine Familienunternehmen bedrohlich.

Puppentheater in Staufenberg musst wegen Corona pausieren

Wegen Corona mussten die Noltings im März des vergangenen Jahres den Spielbetrieb einstellen und über 100 Gastspiele und Engagements absagen. „Das war ein richtig herber Schlag“, sagt Andreas Nolting. Seit etwa fünf Jahren ist der 52-Jährige zusammen mit seiner Frau Nicole (46) , seiner Tochter Selina (22) und Sohn André (29) mit dem Staufenberger Puppentheater in Südniedersachsen und Nordhessen unterwegs.

Arbeit an den Puppen: Andreas Nolting bemalt eine neue Hexe und Mutter Nicole und Tochter Selina nähen neue Kostüme.

Die Bühne hat sich mit eigenen Stücken und Klassikern wie „Die kleine Hexe“ und „Der Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler etabliert. Jetzt leben sie vom Teilzeitjob von Mutter Nicole. Ihre Ersparnisse, darunter das Geld, das sie für eine neue Heizung zurückgelegt hatten, sind inzwischen aufgebraucht. „Es ist ein Glück, dass wir keine Miete zahlen müssen, sagt Andreas Nolting. „Das wäre ein Fiasko“. Die Familie besitzt ein Fachwerkhaus im Staufenberger Ortsteil Landwehrhagen. Vom Land Niedersachsen hätten sie keine finanzielle Unterstützung bekommen und Kredite auch günstige seien für sie nicht in Frage gekommen. Das müsse ja später alles zurückgezahlt werden, sagt Andreas Nolting. „Wir leben im falschen Bundesland.“

Puppentheater im Wartestand

Statt mit ihrer mobilen Bühne auf Tour zu gehen, sitzen sie nun Zuhause. Ein Theater im Wartestand, aber mit Blick auf die Zukunft. So arbeiten sie an neuen Inszenierungen, malen die Kulissen, schneidern an den Kostümen und geben den Puppen den letzten Schliff.

Derzeit bereiten sie ein neues eigenes Stück für ihre Bühne vor und planen zudem eine Geschichte von Pettersson und Findus in ihr Repertoire aufzunehmen. Sie sind wie immer kreativ unterwegs. Aber auf das für sie Wichtigste müssen sie wie viele Künstler seit Monaten verzichten. Ihr Publikum. „Hallo liebe Kinder! Pooooaahhh! Es ist ganz schön langweilig ohne euch.... Liebe Grüße aus dem Puppenkoffer!“, lassen die Noltings ihre Puppen auf Facebook grüßen. Ihr Anspruch ist es, den Kindern nicht nur etwas vorzuspielen, sondern sie mitmachen zu lassen. Das sei das Besondere an ihrer Bühne. Jetzt gilt es erst mal durchzuhalten.

„Wir versuchen, trotz Krise in allem noch etwas Positives zu sehen“

Ihren Optimismus haben sie noch nicht verloren. „Wir versuchen, trotz Krise in allem noch etwas Positives zu sehen“, sagt Nicole Nolting. Und das sei in ihrem Fall, dass es der Familie gut gehe. Das war vor einigen Wochen noch nicht der Fall. Bis auf André Nolting, der im Haus eine eigene Wohnung hat, hatte die ganze Familie Corona. „ Wir waren drei Wochen außer Gefecht, hatten zeitweise hohes Fieber“, sagt Andreas Nolting. Tochter Selina habe kurz davor gestanden, ins Krankenhaus eingeliefert werden zu müssen. Jetzt ist alles überstanden. Mitte November waren die Tests negativ.

André Nolting arbeitet an einer der Puppen. Es ist immer was zu tun.

Um ihre neuen Inszenierungen finanzieren zu können, hat André Nolting jetzt über die Internetplattform „Gofundme“ unter dem Titel „Hilfe für das Staufenberger Puppentheater“ eine Spendkampagne gestartet. Zwischen 12 000 und 15 000 Euro koste eine Inszenierung. Über die Internetseite des Staufenberger Puppentheaters gelangt man zu Kampagne. (Ekkehard Maaß)

Weitere Geschichten der Mutmacher im Altkreis Münden

In unserer unregelmäßigen Serie „Die Mutmacher“ stellen wir Personen vor, die den Laden in der Krise am Laufen halten. So zum Beispiel die Mitarbeiter des Geschwister-Scholl-Hauses in Hann. Münden und die der Stadtbücherei, ebenfalls in Münden. Zudem ein Malermeister aus Staufenberg, die Müllabfuhr, eine Stadtsängerin in Münden, die Mitarbeiter des ASB, eine Vorleserin und ein Bringdienst in Corona-Zeiten.

Spenden

Wer das Puppentheater unterstützen möchte, kann aber auch direkt spenden. Jede noch so kleine Spende sei willkommen. Die Kontaktdaten lauten: Spendenkonto: Andreas Nolting IBAN: DE42 1001 0010 0080 0011 28; Verwendungszweck: Staufenberger Puppentheater - Spende.

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