Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote beendet für dieses Jahr die Grabungen im Römerlager von Hedemünden

Die Raubgräber sind besiegt

Spektakulär: Timo Conrady, Mitarbeiter im Team des Göttinger Kreisarchäologen Dr. Klaus Grote, präsentiert eine römische Pionieraxt (wir berichteten). Foto: Maaß

Hedemünden. Eine Silber- und eine Bronzemünze aus der Zeit des römischen Kaisers Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.), der Kopf eines kleinen Tonpferdchens, Keramik von Römern und Germanen, Nägel von römischen Legionärssandalen und eine Pionieraxt, die die Soldaten bei Schanzarbeiten verwendet haben: Der Göttinger Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote ist sehr zufrieden mit den Funden, die sein Team bei der jüngsten Grabung im Römerlager von Hedemünden gemacht hat.

Seit Anfang August haben sie im Wald oberhalb der Werra dem Leben der Römer von vor 2000 Jahren nachgespürt. Jetzt sind die wissenschaftlichen Arbeiten vor Ort für dieses Jahr abgeschlossen.

Für Aufsehen sorgte besonders die Pionieraxt, die etwa 50 Zentimeter tief im Boden steckte. Sie könnte zusammen mit anderen gefundenen Werkzeugen Teil eines Opferritus gewesen sein, mit dem die Römer ihr Lager vor bösen Mächten schützen wollten (wir berichteten).

Für Grote zählt vor allem nach dieser Grabung auch, dass sie den Wettlauf mit den Raubgräbern gewonnen haben, die dort oben immer wieder ihr Unwesen getrieben haben. „Sie können nichts mehr finden“, sagt der Archäologe. „Die Metallfunde aus einer Schicht von einer Tiefe von etwa vierzig bis fünfzig Zentimetern sind komplett ausgeräumt.“

Seit 2003 wird das Römerlager von Hedemünden, das der römische Feldherr Drusus 11 v. Chr. für seine Feldzüge in den Norden Germaniens angelegt haben dürfte, in großem Rahmen wissenschaftlich untersucht.

Dabei wurde auch der gesamte Untergrund des Hauptlagers – es entspricht etwa der Größe von vier bis fünf Fußballfeldern – sowie seiner drei Nebenlager mit speziellen Messmethoden daraufhin unter die Lupe genommen, wo Menschen in die natürliche Beschaffenheit des Bodens eingegriffen haben – etwa um Gräben, einen Wall oder Gebäude zu errichten.

Alle Veränderungen lassen sich im Boden nachweisen. Und dort, wo diese Untersuchungen einen besonderen Fund oder eine spektakuläre Entdeckung erwarten ließen, entschloss sich Grote, der Sache mit seinem Team auf den Grund zu gehen.

Bei der jüngsten Grabung taten sie dies an fünf Stellen. Dabei legten sie einen kleinen Vorratsraum im Boden frei, der den Römern vermutlich als eine Art Kühlschrank gedient haben dürfte. Eine rechteckige Anordnung von Steinen im Boden wies darauf hin. Dort fanden sie auch den gut erhaltenen Kopf eines Tonpferdchens. Was es damit auf sich hat, ist noch unklar.

„Raubgräber können nichts mehr finden.“

Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote

Den Bereich hat das Team zum Schluss genau vermessen und eine Zeichnung angelegt – neben der Sicherung von Fundstücken eine weitere elementare Arbeit der Forscher, um das große Puzzle Römerlager zusammenzusetzen.

Ganz frisch war bei unserem Besuch die Grabung an einer Stelle, wo vermutlich eine Mannschaftsbaracke gestanden hat. Mehrere Keramikscherben holten die Forscher ans Tageslicht. Diese Stelle suchte Grote dann auch noch mit einem Metalldetektor ab und stieß auf einen römischen Sandalennagel. Kein spektakulärer Fund an diesem Tag.

Der kam erst später zutage, in Form eines Nemausus-Asses, einer Bronzemünze aus dem französischen Nimes aus der Zeit zwischen 16 bis 8 v. Chr., verziert mit dem typischen Krokodil.

Von Ekkehard Maaß

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