Raubgut aus Nazi-Zeit in Museen der Region vermutet

Martina Krug, die Museumsleiterin.

Hann. Münden. Im Städtischen Museum Hann.Münden und drei weiteren Museen Südniedersachsens ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Raubgut aus der NS-Zeit entdeckt worden.

Das sagt jetzt der Ethnologe Dr. Christian Riemenschneider aus Göttingen im Welfenschloss. Dazu gehören Bücher, Fahnen und Fayencen.

Riemenschneider hat die Sammlungen der Museen in Hann.Münden, Alfeld, dem Heimatmuseum Duderstadt, dem Stadtmuseum Einbeck sowie dem Oberharzer Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld, wo kein Raubgut gefunden wurde, im sogenannten Erst-Check zur Herkunftsforschung in Südniedersachsen unter die Lupe genommen. Im kommenden Jahr sollen die Museen in Osterode, Northeim, Uslar und Seesen folgen. Riemenschneider fahndet gezielt nach Raubgut aus der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei geht es um das Eigentum von jüdischen Familien und Einrichtungen, aber auch von politisch Verfolgten und Institutionen, die im Zuge der Machtübernahme verboten wurden.

Ermöglicht werden die Forschungen durch Geld vom Bund, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste Magdeburg vergeben wird. Das Zentrum wurde unter anderem durch seine Recherchen zum Kunstfund von Cornelius Gurlitt aus München bekannt. Dr. Uwe Hartmann vom Magdeburger Zentrum sagte, die kleinen Museen hätten oft nicht die Möglichkeiten, ihre Bestände auf Raubgut zu untersuchen, weil sie über keine wissenschaftlich ausgebildeten Mitarbeiter dafür verfügten.

Zur Frage, warum die Untersuchungen erst jetzt, über 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges anliefen, sagte er, es habe oftmals kein Interesse daran gegeben, weil die Museen nach dem Krieg immer wieder in personeller Kontinuität geführt worden seien. In Alfeld hat inzwischen die dortige Freimaurerloge einen Antrag auf Rückgabe eines Freimaurerstabes gestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.