Reisewillige verunsichert

Reisebüros in der Krise: Inhaber oft mit Stornierungen statt Buchungen beschäftigt

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Matthias Dalfuss, Besitzer der gleichnamigen Lotto- und Reiseagentur in Hann. Münden, berichtet über die Lage seines Reisebüros in Zeiten der Corona-Pandemie.

Der Sommer nähert sich. Gleichzeitig sind Gastronomie und Hotellerie weltweit von Einschränkungen betroffen. Grenzen sollen, selbst innerhalb Europas, erst langsam wieder geöffnet werden. Reisewillige sind verunsichert. Das bestätigen auch die Reisebüros in der Region.

Simone Burmeister von Simones Reisewelt in Hann. Münden hofft sehr darauf, dass ab September auch Flugreisen ins Ausland wieder möglich sind. Bis zum 14. Juni gelte für Deutschland noch die weltweite Reisewarnung. Dass es tatsächlich bei diesem Datum bleibt, sieht die Fachfrau allerdings noch nicht. „Natürlich kann ich nicht in die Zukunft sehen und nur mutmaßen, aber ich denke, dass für das gesamte Jahr eher Deutschland oder die angrenzenden europäischen Länder als Reiseziele in Frage kommen.“ Die großen Fernreisen, beispielsweise nach Asien oder in die USA, sieht sie für dieses Jahr nicht mehr. 

„Es gibt auch in der näheren Umgebung wundervolle Reiseziele, die unter den gegeben Umständen sicher die bessere Wahl sind“, so Burmeister. Schließlich habe Bundesaußenminister Heiko Maas angekündigt, dass es keine weitere große Rückholaktion gestrandeter Urlauber geben werde. In den vergangenen Wochen habe sie, wie viele Kollegen, große finanzielle Einbußen gehabt. 

Simone Burmeister, Reisebüro-Inhaberin

Genug Arbeit gab es trotzdem: Die Reisefachfrau musste sich um zahlreiche Stornierungen und Kundenanfragen kümmern. Denn viele ihrer Kunden warten noch auf ihr Geld, das der Reiseveranstalter ihnen für ihre ausgefallene Reise erstatten muss. Die Reiseveranstalter gehen unterschiedlich mit der Rückzahlung von stornierten Reisen um, weiß Burmeister. Während einige einen Großteil der Rückzahlungen an die Kunden geleistet hätten, hätten andere erst für Ende des Monats erste Zahlungen angekündigt. 

Die meisten Kunden aber seien geduldig, auch wenn viele schon seit über sechs Wochen warten müssen. Ähnliches berichtet Matthias Dalfuss von der gleichnamigen Lotto- und Reiseagentur in Hann. Münden. Er arbeite derzeit nur „mit halber Besatzung“ und sei in seiner Reiseagentur hauptsächlich mit Servicefällen beschäftigt. 

Urlaubszeit in der Coronakrise

Die Coronakrise erschwert derzeit die Reiseplanungen vieler Menschen. Die EU-Kommission spricht sich dafür aus, dass Reisen innerhalb der Europäischen Union bald wieder möglich sein sollen. Einreisen aus Nicht-EU-Ländern will die Kommission aber mindestens bis zum 15. Juni aussetzen. Eine Gutscheinregelung für gebuchte Reisen, wie sie von der Bundesregierung angedacht war, wurde dagegen zurückgewiesen, da sie gegen EU-Recht verstoße.

Coronakrise trifft Reisebüros in der Region hart

Bei seinen Kundengesprächen gehe es in der Regel um Stornierungsfälle, berichtet Matthias Dalfuss vom gleichnamigen Reisebüro in Hann. Münden. Die meisten Kunden forderten eine finanzielle Rückerstattung der Reisekosten, die Minderheit buche ihre Reisen um oder nehme Gutscheine als Erstattungsform entgegen. 

Um neue Buchungen gehe es jedoch nie: „Wenn überhaupt erhalte ich mal ein paar Nachfragen, aber mache keine Buchungen fest. Es ist einfach nichts los“, sagt er. Dalfuss habe jedoch immerhin Glück, dass er neben seiner Reiseagentur auch den Lotto- und Zeitschriftenhandel betreibe, durch die er weitere Einnahmen habe. Würde er nur in der Reisebranche tätig sein, sähe die Lage seiner Agentur jetzt sehr viel ernster aus. Unter den derzeitigen Umständen rechne er mit einem Umsatzverlust am Ende des Jahres, der, gemessen an reinen Reisebüros, unter dem Durchschnitt liegen dürfte, so Dalfuss. 

Birgit Schäfer ist Inhaberin von Sallweys Reisen. Sie betreibt unter anderem eine Filiale in Dransfeld. Schäfer spricht ebenfalls von einer sehr schwierigen Situation für die gesamte Branche: „Die unklare Situation schreckt viele davon ab, jetzt Urlaub zu buchen“, berichtet sie. Gründe seien noch geschlossene Grenzen, geringere finanzielle Möglichkeiten durch Kurzarbeit oder schlicht das Gefühl, wegen der Situation nicht entspannt Urlaub machen zu können. 

Ein großes Problem für die Reisebüros sei, dass einst bezahlte Provisionen, für Reisen, die nun nicht stattfinden könnten, von den Veranstaltern zurückgebucht würden. „Selbst das, was man bereits verdient hat, fällt damit weg“, sagt Schäfer. Dabei liefen Kosten wie beispielsweise Umsatz- und Einkommenssteuervorauszahlungen unverändert weiter. Ihre Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, sie selbst arbeite vom Homeoffice aus und sei telefonisch oder per Mail weiter für Ihre Kunden erreichbar. „Wir haben viele wirklich tolle Kunden, die teilweise freiwillig auf die Rückzahlung von Anzahlungen verzichten“, so Schäfer. 

Dennoch gehe sie davon aus, dass ihr am Ende ein ganzes Jahr fehlen werde. „Unsere Branche trifft es sicher mit am härtesten“, betont sie. Viele Reisebüros hofften daher auf Hilfsprogramme. Kredite allein würden aber nicht weiterhelfen, denn die müssten irgendwann wieder zurückgezahlt werden, so Schäfer.

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