Mini-Wildschwein hat vermutlich seine Mutter verloren

Rinderherde nimmt Frischling auf

Johann bei den Kühen: Der Frischling wurde von der Rinderherde adoptiert. Foto: Mühlhausen

Meensen. Ein Wildschwein hat in Meensen (Landkreis Göttingen) Unterschlupf bei einer Rinderherde gefunden. Vermutlich hat der Frischling seine Mutter verloren.

Entdeckt hat den quietschfidelen Frischling Jakob Kraft aus Meensen. Seine Familie bewirtschaftet in Meensen einen Bauernhof mit 30 Milchkühen.

Der 16-Jährige, der sich zum Elektroniker ausbilden lässt, schaut fast täglich nach der Herde, die am Dorfrand des Ortes grast. Vorletzten Freitag, am 18. September, kontrollierte er die Weidezäune, die Rinder dösten wiederkäuend im Liegen. Dann sah Jakob erstmals den Frischling: „Ich dachte erst, dass eines der Rinder auf der Wiese gekalbt hätte. Aber dann war mir klar: Das ist kein Kalb.“

Etwas unsicher war Jakob Kraft doch zunächst, denn die Wildschweinmutter hätte ja in der Nähe sein können - und mit denen ist nicht zu spaßen, wenn ihre Kinder in Gefahr sind. Doch als die Rinder schließlich aufstanden und zu Jakob liefen, kam der Frischling sogar hinterher und ist inzwischen Jakob Kraft gegenüber sehr zutraulich.

Wenn allerdings andere Menschen dabei sind - die Geschichte hat mittlerweile im Dorf ihre Runde gemacht - wird es Frischling Johann manchmal zu bunt und er flüchtet mit kreisendem Pürzel in den nahen Wald.

Neben allerlei Getier, das das Wildschwein im Boden findet, ernährt sich Johann auch von Mais, den ihm sein Kumpel Jakob täglich mitbringt. Immer den Kontakt zu einer Kuh mit auffällig weißem Kopf suchend, kuschelt sich Johann in den Schlafphasen schutzsuchend an die großen Tiere.

Bereits im Mai hatte ein örtlicher Jagdpächter in der Nähe einen einzelnen Frischling entdeckt, ging jedoch davon aus, dass die Wildschweinmutter in der Nähe sei. Dass Johann sein Leben bei der Jagd aushauchen wird, ist unwahrscheinlich, solange er in der Nähe bleibt. Denn die örtlichen Jäger Andreas Borchert und Detlef Siegmann haben den Frischlingsjungen Johann bereits kennenlernen können und Jakob versprochen: Auf den munteren Frischling wird natürlich nicht angelegt.

Im Winter in den Stall? 

Welches Ende die Geschichten nehmen wird, ist ungewiss. Denn in sechs Wochen kommen die Rinder über den Winter zurück in den Stall. Ob Johann dann mitkommt oder in der Wildnis bleibt, ist noch unklar.

Vor fünf Jahren hatte ein ähnlicher Fall aus dem Landkreis Göttingen bundesweit Schlagzeilen gemacht. Damals wurde Frischlingsmädchen Frederike von einer Gallowayherde bei Roringen adoptiert. Nach einigen Wochen wurde das Tier schließlich äußerlich unverletzt tot aufgefunden, offensichtlich litt es unter einer Durchfallerkrankung. (phl)

Rinderherde adoptiert Frischling

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