Ein Jahrhundert Lebenserfahrung

Rudolf Stadler aus Hann. Münden blickt zurück auf 100 Jahre

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Rudolf Stadler war zu Berufszeiten ein Tüftler. Gerne blättert er in alten Ordnern in denen er Unterlagen und Schaltpläne gesammelt hat. 

Wenn Rudolf Stadler aus seinem Leben erzählt und eine Jahreszahl nach der anderen nennt mag man kaum glauben, dass er seinen 100. Geburtstag feiert.

Und das nicht etwa im kleinen Kreis, geplant waren 30 Gäste.

Nein, er hat 70 Gäste eingeladen, mit denen er einen schönen Tag verleben möchte. Es ist die Familie mit zwei Jungen und den Ehefrauen, drei Enkeln mit Ehepartnern und fünf Urenkeln. Am weitesten reist eine Enkeltochter aus Rio de Janeiro mit zwei Urenkeln an. Dann kommen Nachbarn, ehemalige Nachbarn, ehemalige Schüler und Mitglieder der Marine-Kameradschaft, bei der er Gründungsmitglied ist. „Wir sind eine Seefahrt- und Wassersport verbundene Familie“, erzählt Rudolf Stadler. Sein Vater ist zur See gefahren. Er selber ist während des Krieges bei der Marine gewesen, seine Schwiegertochter war sechs Mal Deutsche Meisterin beim Wasserski, einer der Söhne segelt und einer seiner Enkel hat viele erste Plätze beim Rudern errungen.

Auf die Frage was man tun muss, um so alt zu werden, antwortet der 100-Jährige: „Kein Nikotin, kein Alkohol, wenig Schlaf, viel Arbeit, auch geistig, und Sport treiben“. Mit 75 Jahren ist er in den Ruhestand getreten, bis zu seinem 85. Lebensjahr hat er Gymnastik gemacht, Prellball gespielt und ist gewandert. Vor sieben Jahren ist Stadlers Frau gestorben, er hat sie lange Zeit gepflegt.

Geistig hält er sich fit, indem er im Radio Musik und Nachrichten hört. Anschließend diskutiert er mit Sohn und Schwiegertochter, bei denen er im Haushalt lebt, über das Gehörte. „Fernsehen kann ich nicht mehr, die Sehkraft hat nachgelassen, lesen ist nur mit Lupe möglich“, erklärt der Senior.

Sein Berufsleben war sehr turbulent und vielseitig.

Nach der Volksschule absolvierte der damals junge Mann eine dreijährige Lehre als Elektroinstallateur. Danach verdiente er seinen Lebensunterhalt in einer Autoschlosserei als Monteur. Im Krieg war er bei der Marine. Nach dreiwöchiger amerikanischer Kriegsgefangenschaft ging es im Mai 1945 zurück nach Hann. Münden, wo er bei den damaligen Stadtwerken als Elektromonteur arbeitete.

Zwei Jahre später wechselte Stadler zur Hochspannungsgesellschaft Fischer (später Kentler und heute HTT Hochspannungstechnik und Transformatorbau), nach bestandener Meisterprüfung 1948 wurde er ins Angestelltenverhältnis übernommen. Nach fünf Jahren wechselte Rudolf Stadler in die Abteilung technische Berechnungen, später wurde ihm die Prokura erteilt. Nebenberuflich unterrichtete er als Fachlehrer an der gewerblichen Berufsschule, war zeitweise Kursleiter an der Volkshochschule und wirkte in der Prüfungskommission der Industrie- und Handelskammer.

1969 gründete der Elektromeister nebenberuflich einen Handwerksbetrieb für Elektroinstallationen Regel- und Messtechnik.

Als er 1984 in Ruhestand trat, wurde er vom Unternehmen mit Beratervertrag als freier Mitarbeiter beschäftigt bis er 1994 endgültig den Ruhestand anging.

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