Saatgut aus der Forschung

+
Hans Jürgen Arndt im Gewächshaus: Die Haselnuss-Stecklinge werden benebelt.

Hann. Münden/Oberweser. Das Gesetz ist da, an den Voraussetzungen, sich auch daran halten zu können, wird in Hann. Münden gearbeitet: Ab 2020 dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz nur noch gebietseigene Sträucher in die freie Natur gepflanzt werden.

Das heißt: Der Pflanzennachwuchs muss seinen genetischen Ursprung in derselben Region haben, in der er gesetzt wird.

Damit das auch umgesetzt werden kann, wird in Hann. Münden an der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) seit 2011 geforscht und gezüchtet. Denn: Längst nicht von allen Gehölzen gibt es noch genug einheimischen Nachwuchs. Da würde es 2020, wenn die Nachfrage gesetzesbedingt steigt, erhebliche Engpässe geben.

Zum Beispiel bei der Haselnuss. Die sei stark nachgefragt, aber schwer zu bekommen, sagt Hans Jürgen Arndt von der Abteilung Waldgenressourcen der NW-FVA in Hann. Münden. Auf dem deutschen Markt dominiere die türkische Haselnuss.

Nun gebe es aber natürlicherdings kaum Samen einheimischer Sträucher - Eichhörnchen und Eichelhäher, aber auch der Haselnussbohrer, ein Rüsselkäfer, machen sich darüber her. So haben sich die Waldforscher auf das Züchten über Stecklinge verlegt, um Samen zu produzieren.

Sie ermittelten zunächst aufwändig genetisch echte einheimische Haselnusssträucher an Standorten in Hessen und Niedersachsen, die für die Vermehrung überhaupt in Frage kamen.

Mit Hormonen behandelt, die die Wurzelbildung anregen, wurden die Pflänzchen zuerst im Gewächshaus vorgezogen. Die ersten wurden im Mai 2014 auf der Außenplantage bei Weißehütte (Oberweser) ausgepflanzt und haben die vergangenen trockenen Wochen gut überstanden. In drei bis vier Jahren rechnet man mit der ersten Ernte.

Das Gesetz diene dem Erhalt der natürlichen genetischen Vielfalt, informiert das Bundesumweltministerium.

Der Weg bis zur ersten genetisch reinen Haselnuss-Ernte ist lang: 2011 begann das Suchen, 2018 oder 2019 wird die erste Ernte erwartet. In der NW-FVA, die für die Bundesländer Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt arbeitet, ist man auf die Erhaltung genetischen Materials spezialisiert.

Das Haselnuss-Projekt begann 2011 mit der Erfassung der Vorkommen, berichtet Hans Jürgen Arndt. Ein externes Umweltbüro bewertete diese Erfassung 2012, bevor Grünstecklinge im Gewächshaus vorgezogen wurden. Voriges Jahr wurden die ersten Pflanzen ins Freiland versetzt. In großen Abständen stehen sie dort in Reih und Glied. Sie sollen mindestens 25 Jahre lang Samen liefern. Jeder Strauch hat ein Etikett, an dem genau zu erkennen ist, woher er kommt - und wohin sein Nachwuchs ausgeliefert werden darf.

Dieser werde mit dem Markenzeichen NWplus der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt über die staatlichen Baumschulen, die sogenannten Dörren, in Oerrel (Niedersachsen) und Hanau (Hessen) vermarktet.

Bis dahin müssen die Forscher kontrollieren, dass keine Pollen anderer Haselsträucher einfliegen und den Samen verunreinigen. Eventuell muss die Plantage auch gegen Wildschweine oder Eichelhäher geschützt werden.

Auch die Ernte selbst ist noch nicht erprobt. Man kann die Nüsse nicht pflücken, sondern muss abwarten, bis sie herunterfallen, erst dann sind sie reif. Ein möglichst kurzer Rasen unter den Sträuchern soll es ermöglichen, die Nüsse dann quasi auffegen zu können.

Ein Vorteil der Plantage sei, so Arndt, dass jetzt Pflanzen verschiedener Mutterpflanzen dicht beieinander stehen und hier ein genetischer Austausch stattfinden kann. Das mache die Sträucher vitaler.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.