1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hann. Münden

Scheden: Landschaftspfleger auf vier Beinen

Erstellt:

Von: Michael Caspar

Kommentare

Fessen auch dornige Schlehenzweige: Ziegenherde am Hohen Hagen oberhalb von Scheden.
Fessen auch dornige Schlehenzweige: Ziegenherde am Hohen Hagen oberhalb von Scheden. © Michael Caspar

Eine Ziegenherde schützt eine Orchideenwiese bei Scheden. Die Tiere sind genügsam und zerbeißen selbst spitze Dornen. Hans-Joachim Haberstock schwört auf die Ziegen.

Scheden – Mit einer Ziegenherde schützt Walter Peters, der Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) Dransfeld, eine anderthalb Hektar große Orchideenwiese oberhalb von Scheden gegen Verbuschung.

Scheden: Ziegen halten Wiese in Schuss

„Ohne Beweidung würde die artenreiche Fläche von Schlehen überwuchert“, erklärt Hans-Joachim Haberstock. Der Naturschützer aus Varlosen hat die am Hang gelegene Wiese, die von Hecken, alten Eichen und Hainbuchen gesäumt wird, vor ein paar Jahren für die Berliner Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe erworben. Die zum Teil starke Steigung erschwert den Einsatz von Maschinen. „Bei der Heuernte droht der Traktor zu überschlagen“, warnt Ziegenhalter Peters.

Auf der Wiese, die bereits vor Jahrzehnten mit Schafen und Ziegen beweidet wurde, standen zuletzt Rinder, aber auch Pferde. „Ziegen kommen mit der Steigung und dem an einigen Stellen steinigen Boden jedoch wesentlich besser zurecht“, betont Peters. Die Vorfahren der Tiere stammen schließlich aus den Gebirgsregionen Anatoliens, des Kaukasus und Afghanistans. Menschen in der Levante domestizierten die Ziege im 11. Jahrhundert vor Christus. „Die Geißen verbeißen außerdem die aus dem Boden sprießenden Schlehenzweige“, erläutert Peters. Deren Dornen sind derart spitz, dass sie Autoreifen durchbohren. Das hält Rinder und Pferde fern. Im Unterschied zu Schafen, von deren dichtem, fettigen Fell Wasser abperlt, reagieren Ziegen empfindlich auf Regen. Peters hat seinen Tieren daher einen Unterstand gebaut. Weil sich mit den Geißen heute kaum noch Geld erwirtschaften lässt, ist Peters auf finanzielle Hilfen angewiesen. Die Europäische Union fördert die Landschaftspflege mit Tieren. Da das Aufstellen des mobilen Zaunes auf der steilen Fläche besonders zeitaufwenig ist, bekommt der Ziegenhalter zudem noch Geld von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Göttingen.

Studie der Uni Göttingen

Der Elektrozaun steht ordentlich unter Strom. Das hält die kletterfreudigen Ziegen auf Distanz, aber auch den Wolf von der Herde fern. Der Lohn der Mühen: Auf der Fläche gedeihen viele Pflanzenarten. Es wimmelt nur so an Insekten. Über den Boden sieht man mit etwas Glück Schlangen wie die Blindschleiche huschen. In den Hecken und auf den Bäumen zwitschern Vögel. Rehe äsen auf der Weide.

„Die positiven Effekte der Weidewirtschaft versucht die Universität Göttingen derzeit in einem auf zwei Jahre angelegten Projekt in Lödingsen zu erfassen, wo ich ebenfalls Ziegen stehen habe“, sagt Peters. Er betreibt mit seinen Tieren seit zehn Jahren Landschaftsschutz – auf mittlerweile zehn Hektar Fläche. Sein zotteliger Schafpudel Ben hält die Tiere zusammen. Außerdem bewirtschaftet Peters 15 Hektar Mähwiesen. Das Heu verfüttert er im Winter an seine Tiere. Die Ziegen stehen dann trocken in einem Stall in Scheden. Sie haben Zugang zu einer Weide, wo sie aus dem Schedebach trinken können. (Michael Caspar)

Ein anderer Vierbeiner ist Haustier des Jahres: Der Esel.

Auch interessant

Kommentare