Unmut über Landkreis Göttingen

Sauerei im Visier: Wildschweinplage in Speele

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Rundgang durch Speele: Ortsbürgermeister Fred Kaduhr erläuterte Wildschweinexperten und Mitarbeitern des Landkreises, wo im Dorf die Probleme liegen.  

Bei einer Versammlung zur Wildschweinplage in Speele kam noch einmal alles auf den Tisch.

Das Gefühl der Speeler, seit Jahren mit dem Problem allein gelassen zu werden, ihre Sorgen, dass sie unvermittelt im Dorf auf Wildschweine treffen, Kinder den Schulweg nicht mehr alleine gehen können, weil Schwarzwild ihren Weg kreuzen kann, Ärger über zerwühlte Gärten und Böschungen sowie der Vorwurf, dass das Schwarzwild im Raum Speele nicht ausreichend bejagt werde. Adressat: der Landkreis Göttingen als Untere Jagdbehörde.

„Ich erwarte jetzt, dass Maßnahmen ergriffen werden. Und dass es nicht mehr so lange dauert“, sagte eine Speelerin. Und das betonten auch Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein und Ortsbürgermeister Fred Kaduhr. Die Sicherheit und Ordnung im Dorf sei nicht mehr gegeben.

Nach Schätzung des Ortsbürgermeisters waren über 100 der rund 700 Speeler der Einladung des Landkreises Göttingen gefolgt, um sich am Dienstagabend im Dorfgemeinschaftshaus über das weitere Vorgehen zu informieren. Referenten waren zwei Schwarzwildexperten: der Biologe Oliver Keulen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der den Speelern das Verhalten der Tiere im Allgemeinen erläuterte, und Ralph Schräder, Vorsitzender der Jägerschaft Wolfsburg. Er berichtete, wie in Wolfsburg ein ähnliches Problem gelöst worden sei. Vor allem, so stellte er klar, müssten alle Beteiligten an einem Strang ziehen und die Bürger müssten aufgeklärt sein, was zu tun ist.

Für Speele bedeuteten die Wolfsburger Erfahrungen, dass das Dorf künftig für Wildschweine nicht mehr so attraktiv sein dürfe. So fänden die Tiere zu viel Nahrung. Die Menschen müssten darauf achten, dass in ihren Gärten kein Obst oder Lebensmittelabfälle zu finden seien. Zudem müssten Hecken und Böschungen zwar nicht gerodet, aber so gelichtet werden, dass die Schweine ihre Deckung verlören und sich nicht mehr sicher fühlten. Es könnten auch Duftstoffe eingesetzt werden, die die Tiere vertreiben. Aber eins machte Schräder auch klar. „Es muss in den Revieren um Speele mehr gejagt werden.“ Vor allem Bewegungsjagden müsse es geben mit guten Schützen und guten Hunden.

Der Biologe Oliver Keuling sah auch noch die Möglichkeit, Tiere zu fangen. Grundsätzlich seien Wildschweine kluge Tiere, die lernen. Wenn sie keine guten Bedingungen mehr vorfänden oder ein Dorf für sie zu gefährlich werde, zögen sie weiter. Auch er sprach sich für intensivere Bejagung aus. Aber das reiche nicht aus. Moderiert hatte die Veranstaltung Patrick Moritz, Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landkreises. Er appellierte an alle, weniger zurückzublicken, was nicht getan worden sei, sondern in die Zukunft zu schauen, um gemeinsam das Problem zu lösen. „Was Wolfsburg kann, können wir hier auch“, sagte er und stellte gleich einen Arbeitsplan auf. Noch vor den Sommerferien soll es eine erste Arbeitssitzung mit allen Verantwortlichen geben und für den Herbst kündigte er einen Maßnahmenkatalog an, der den Bürgern in einer Veranstaltung vorgestellt werde. Fotos: Ekkehard Maass

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