Zigarren in Heimarbeit

Schätze im Museum: Erinnerungen an Schedener Betriebe

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Aus Holz: Marianne Beuermann in ihrem Heimatmuseum mit einer Zigarrenpressform aus der Oberschedener Fabrik von Gustav Wahmke.  

In ihrem Heimatmuseum, das nur nach Absprache öffnet, bewahrt Marianne Beuermann unter anderem die Erinnerung an Betriebe, die in Scheden ansässig waren.

„Um 1875 begann der Werkmeister Carl Beute mit der Herstellung von Zigarren in der Mündener Straße in Oberscheden, etwas später startete Heinrich Siebrecht die Produktion in Niederscheden.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) stellte Carl Beute die Fabrikation wieder ein“, erfährt man hierzu in der Chronik über Scheden von Gottfried Mehr, die der Heimatkunde- und Geschichtsverein zum 950-jährigen Bestehen von Scheden im Jahr 1997 herausgebracht hat.

Der Zigarrenhersteller Halle und Unkenbold verlegte 1887 den Betrieb von Hann. Münden nach Niederscheden ins Nebengebäude der Gastwirtschaft August Wienecke in der Gaußstraße. Zum Stammpersonal gehörten vier Männer. Mehrere Frauen aus Oberscheden, Niederscheden und aus Mielenhausen waren als Heimarbeiterinnen tätig. Um 1920 ging der Betrieb an den Mündener Unternehmer Brill, 1932 wurde die Produktion eingestellt.

Ein Hingucker: Die hölzerne Schatulle für Zigarren wird in „Mariannes Heimatmuseum“ gezeigt.

In Oberscheden gründete Hermann Kerl 1897 eine Fabrik, er beschäftigte sieben Arbeiter und vier Heimarbeiter. Er fuhr seine Zigarren mit dem Fahrrad in die umliegenden Dörfer und belieferte Hotels und Gaststätten in Hann. Münden. Als der Umsatz wuchs, schaffte er sich ein Fahrrad mit Hilfsmotor an. 1933 übergab der Gründer den Betrieb an seinen Schwiegersohn Gustav Wahmke, der aus Varlosen (Niemetal) nach Scheden gekommen war und ihn erfolgreich bis 1951 führte. „Weil die Großfirmen jedoch zunehmend billiger produzieren konnten, war die Oberschedener Fabrik nicht mehr konkurrenzfähig und musste ihren Betrieb einstellen“, heißt es in der Chronik.

Marianne Beuermann zeigt in ihrem Heimatmuseum neben alten Rechnungen auch die Geräte für die Fertigung von Zigarren. Nachdem der gelieferte Tabak angefeuchtet wurde, konnten die Rippen der Blätter entfernt und Deckblätter geglättet und geschichtet (aufgesetzt) werden.

Der beim Abrippen zerkleinerte Tabak wurde von Wickelmachern zu dem Inneren der Zigarren, den Wickeln (Einlagen aus getrockneten und fermentierten Tabakblättern) verarbeitet. Nach der Fertigstellung kam eine Holzpresse zum Einsatz.

„Mariannes Heimatmuseum“ in der Quantzstraße 41 in Scheden öffnet nur nach Absprache (Eintritt mit Führung: 2,50 Euro pro Person). Kontakt: Marianne Beuermann, Tel. 05546/688.

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