Tasche für den Abend

Schedener Heimatmuseum zeigt Modetrends

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Hingucker: In Marianne Beuermanns Heimatmuseum ziert eine kleine Hunde figur den Verschluss der Tasche aus fließenden Silbergliedern (linkes Bild). Das gehäkelte Abendtäschchen gehört ebenfalls zur Sammlung.

Das Heimatmuseum von Marianne Beuermann in Oberscheden hat auch eine Vielzahl modischer Accessoires. Zu der Handtaschensammlung gehören ein Exemplar, das aus fließenden Silbergliedern besteht, und ein aus glitzerndem Effektgarn gehäkeltes Abend-Täschchen.

Taschen aus Stoff oder Leder wurden zunächst von Männern am Gürtel getragen, ab dem 15. Jahrhundert auch von Frauen. Unauffälliger war Stoff, der als flache Tasche auf den Unterrock genäht wurde. Diese war von außen nicht sichtbar, der Zugriff erfolgte durch einen Schlitz im Obergewand.

Im 18. Jahrhundert trugen Damen dann einen Beutel aus edlem Stoff, der mit Schnüren zusammengezogen wurde. Solche Handgelenksbeutel werden als Réticule (französisch für Netz) bezeichnet und dienten zuvor der Aufbewahrung von Handarbeitszubehör. Später wurden darin Taschentücher, Riechsalz und Puderdosen aufbewahrt. Ob die für den Stoffbeutel ebenfalls geläufige Bezeichnung „Pompadour“ auf die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV., Madame de Pompadour, zurückgeht, ist nicht sicher.

Ab 1805 etablierten sich Handtaschen mit Tragegriffen, ab 1846 gab es sie mit Metallrahmen und ab 1923 mit Reißverschlüssen. Modeschöpfer etablierten ab den 1970er-Jahren Handtaschen als Prestigeobjekte und präsentieren eigene Kollektionen. Die „Birkin Bag“ der Modemarke Hermès ist ein Beispiel hierfür, sie wurde nach Jane Birkin benannt.

Das gehäkelte Abendtäschchen gehört ebenfalls zur Sammlung.

Die französische Schauspielerin und Sängerin, die heute 73 Jahre alt ist, und der damalige Hermès-Chef Jean Luis Dumas-Hermès trafen sich Anfang der 1980er-Jahre auf einem Flug. Jane Birkin hatte keine geeignete Ledertasche für ihren Wochenendausflug gefunden und behalf sich daher mit einem Korb. Der Unternehmer entwarf noch während des Fluges auf einer Serviette eine entsprechend große Tasche. Doch zurück zum Schedener Heimatmuseum: Das elegante Silbertäschchen, das dort gezeigt wird, entstand nach 1908 mithilfe einer Maschine zur Herstellung von Metallnetzgeweben. Ähnliche Taschen gab es bereits seit dem frühen 18. Jahrhundert als aufwendig erstellte Handarbeiten.

Info: Mariannes Heimatmuseum in der Quantzstraße 41 in Scheden öffnet nur nach Absprache (Eintritt mit Führung: 2,50 Euro pro Person), Tel. 0 55 46/6 88.

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