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Schlauchplatzer und Löschangriff: Freiwillige Feuerwehr Löwenhagen feiert 70-jähriges Bestehen

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Von: Thomas Schlenz, Jens Döll

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Die Feuerwehr Löwenhagen beim Löschangriff. Es wurde ein Schlauchplatzer simuliert, der behoben werden musste.
Die Feuerwehr Löwenhagen beim Löschangriff. Es wurde ein Schlauchplatzer simuliert, der behoben werden musste. © Matthias Freter

Nach zwei Jahren Coronapause fand wieder der Samtgemeindefeuerwehrtag mit Wettbewerb der Jugendfeuerwehren in Löwenhagen statt. Anlass war das 70-jährige Bestehen der Feuerwehr.

Dransfeld – Löschangriff, Schlauchplatzer, Fahrprüfung: Nach zwei Jahren Coronapause fand kürzlich wieder der Samtgemeindefeuerwehrtag zusammen mit dem Samtgemeindewettbewerb der Jugendfeuerwehren in Löwenhagen statt.

Anlass war das 70-jährige Bestehen der Ortsfeuerwehr Löwenhagen. Laut Gemeindebrandmeister Karsten Beuermann nahmen Jugendfeuerwehren und Einsatzabteilungen aller elf Ortsfeuerfeuerwehren der Samtgemeinde Dransfeld teil.

Der Wettbewerb der Jugendfeuerwehren besteht aus einem dreigeteilten Löschangriff: Hierbei ist der fehlerfreie Aufbau einer Wasserversorgung aus einem offenen Gewässer sowie die Vornahme von drei C-Rohren entscheidend.

Dabei müssen verschiedene Hindernisse wie Wassergraben, Leiterwand, Hürde und Kriechtunnel überwunden werden. Abschließend müssen noch vier verschiedene Feuerwehrknoten auf Zeit angelegt werden. Diese Übung wird ohne Wasser durchgeführt.

Im zweiten Teil geht es um Schnelligkeit: In möglichst kurzer Zeit müssen die Gruppen einen 400 Meter langen Hindernislauf möglichst fehlerfrei bewältigen und dabei verschiedene Aufgaben erfüllen.

Dazu zählen etwa einen Schlauch aufrollen, über ein Laufbrett laufen, Ausrüstung anlegen, einen Knoten ausführen und einen Leinenbeutel zielgenau werfen. Neben Zeit und Richtigkeit ist die Teamarbeit ein wesentlicher Inhalt.

Konkrete Ausführung, hoher Zielerreichungsgrad und Zeit waren entscheidend

Beim Leistungsvergleich der Einsatzabteilungen geht es laut Beuermann in erster Linie um korrekte Ausführung und das Erreichen eines möglichst hohen Zielerreichungsgrades, danach sei erst die Zeit entscheidend.

Insgesamt müssen drei Teilbereiche bewältigt werden: Bei einem angenommenen Container-Brand ist ein Löschangriff mit Wasser vorzuführen. Zwischendurch wird ein Schlauchplatzer simuliert, der dann schnellstmöglich zu beheben ist.

Der zweite Teil besteht aus einer Fahrprüfung: Der Maschinist muss das Fahrzeug durch einen Parcours mit Schlauchbrücken und Verkehrsleitkegeln steuern, ohne diese dabei umzufahren, anschließend punktgenau bremsen, den Parcours rückwärtsfahren und zielgenau einparken. Dem Fahrer steht dabei ein Einweiser zur Verfügung.

Leider habe dieser Teil nach den ersten Gruppen eingestellt werden müssen, da aufgrund eines Wasserrohrbruches der Parcours nicht mehr befahren werden konnte. Im dritten Teil geht es schließlich um das Kuppeln und Beleinen einer Saugleitung in möglichst kurzer Zeit unter Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften.

Beim Löschangriff wird ein Schlauchplatzer simuliert, der behoben werden muss. Hier die Feuerwehr Ellershausen.
Beim Löschangriff wird ein Schlauchplatzer simuliert, der behoben werden muss. Hier die Feuerwehr Ellershausen. © Feuerwehr Dransfeld/nh

Ehrungen standen auf dem Programm: Zahlreiche Auszeichnungen für langjährige Mitgliedschaft

Von der „Blauen Minna“ zum Bulli – Freiwillige Feuerwehr Löwenhagen wurde 1950 gegründet

Löwenhagen – „Über die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Löwenhagen ist urkundlich leider nichts festgehalten“, berichtet Feuerwehrsprecher Matthias Freter von der Feuerwehr der Samtgemeinde Dransfeld aus der Chronik der Wehr.

Nach mündlicher Überlieferung war es das erste Märzwochenende 1950, als die Idee in „Beuermann´s alter Gaststube“ in die Tat umgesetzt wurde und 20 Mitglieder die Feuerwehr Löwenhagen gründeten.

Die Ausrüstung bestand immer noch aus Ledereimern, Einreißhaken und der alten Feuerspritze. Allerdings wurde diese nicht mehr von Pferden, sondern von dem blau angestrichenen und liebevoll „blaue Minna“ genannten Gummiwagen gezogen.

1951 nahm die Gemeinde Löwenhagen ein Darlehen für die erste Motorspritze über 600 Mark auf. Mitte der 1950er-Jahre wurde Löwenhagen an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Wasser zur Brandbekämpfung stand nun auch aus Hydranten zur Verfügung.

„Die Motivation stieg stetig und beim ersten Wettbewerb wurde der 1. Platz erzielt. Dieses Erfolgserlebnis spornte an und schon bald trat die Feuerwehr mit zwei Gruppen und stets guten Erfolgen bei Wettbewerben an“, berichtet Freter.

Eine Saugleitung stellte hier die Einheit der Feuerwehr Dransfeld her. Dabei war Schnelligkeit gefragt.
Eine Saugleitung stellte hier die Einheit der Feuerwehr Dransfeld her. Dabei war Schnelligkeit gefragt. © Feuerwehr Dransfeld/nh

1963 wurde an die Stelle des alten Spritzenhauses das Gebäude der Spar- und Darlehenskasse gebaut, in dem auch die Feuerwehr eine Garage für das Feuerwehrauto bekam.

Erstes „richtiges“ Feuerwehrauto in 1974

Im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform wechselte die Zuständigkeit des Brandschutzes zum 1. Januar 1973 auf die neugegründete Samtgemeinde Dransfeld. Ein Jahr später folgte das erste „richtige“ Feuerwehrauto, ein VW Bulli.

Die Jugendfeuerwehr wurde 1975 gegründet und der Stellplatz des Milchwagens zu einem Aufenthaltsraum umgebaut.

1980 wurde ein großes Jugendfeuerwehrzeltlager auf der Buchenallee ausgerichtet und mit einem Jahr Verspätung traute man sich 1981 ein großes, mehrtägiges Feuerwehr-Zeltfest anlässlich des 30-jährigen Bestehens zu.

1990 reifte die Idee, einen Schulungsraum für die Feuerwehr und gleichzeitig einen Dorfgemeinschaftsraum im alten Lagerraum der Sparkasse zu schaffen. Ein Jahr später wurde er eingeweiht.

Neben den üblichen Sturmschäden auf der Straße nach Bursfelde, musste 1997 ein tödlicher Verkehrsunfall bewältigt und 1998 ein größerer Waldbrand bekämpft werden.

50 Jahre Freiwillige Feuerwehr und 25 Jahre Jugendfeuerwehr

50 Jahre Freiwillige Feuerwehr und 25 Jahre Jugendfeuerwehr wurden im Jahr 2000 groß und mehrtägig mit Disco, Kommers, Wettbewerb, Festumzug und einem Orientierungsmarsch der Jugendfeuerwehr gefeiert.

Als fünfte Kinderfeuerwehr der Samtgemeinde konnte 2008 die jüngste Nachwuchsabteilung in Löwenhagen gegründet werden. Aus Platzgründen befassten sich die Feuerwehrmitglieder noch im gleichen Jahr mit dem Gedanken einen Anbau am Feuerwehrhaus zu erstellen.

Trotz finanzieller Schwierigkeiten wurden 2011 Mittel bereitgestellt und die Baugenehmigung erteilt. Die Einweihung erfolgte 2014.

Den bislang wohl größten Einsatz erlebte die Wehr im Februar 2020 als zwei Wohnhäuser und eine Scheune gleichzeitig brannten. 107 Einsatzkräfte aus der Samtgemeinde Dransfeld waren im Einsatz.

Im Jahr 2021 besteht die Feuerwehr aus vier Mädchen und vier Jungen in der Kinderfeuerwehr, drei Jungen in Jugendfeuerwehr, neun Frauen und 19 Männern in der Einsatzabteilung, 15 Alterskameraden sowie 101 fördernden Mitgliedern in der Feuerwehrkameradschaft.

Einsatz ohne Brandmeister

1957 wurde die Feuerwehr Löwenhagen mit ihrem damaligen „Ochsenwagen“zur Löschhilfe zu einem Scheunenbrand nach Imbsen gerufen. Am Brandherd angekommen machte die Polizei den Fahrer darauf aufmerksam, dass er seinen Brandmeister unterwegs verloren hatte. Was war passiert? Bereits in der ersten Kurve hinter der Niemebrücke war dieser unbemerkt von der Ladefläche des Lkw gefallen. Und so kam die Wehr ohne Brandmeister am Brandort an. Ernsthaft verletzt hatte er sich bei dem Sturz zum Glück nicht.

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