Gastschüler in Göttingen

Schüleraustausch während Corona: Brasilianer freut sich über Lockerungen in Deutschland

Familie beim Fußballspielen im Garten
+
Gastschüler Pietro Roesler (rechts) genießt die Lockerungen mit Emil Stoye (hinten links) und Edgar (links) und den Gasteltern Britta und Arvid Stoye.

Ein Jahr als Austauschschüler in einem fremden Land ist für Jugendliche immer etwas sehr Aufregendes. Als der 17-jährige Brasilianer Pietro Roesler sich vor zwei Jahren für einen Austausch in Deutschland bewarb, hatte er sich seine Zeit dort jedoch sicher etwas anders vorgestellt.

Seit einem halben Jahr lebt Pietro Roesler jetzt schon bei seiner Dransfelder Gastfamilie Arvid und Britta Stoye. Eine von Corona geprägte Zeit, die nicht immer ganz einfach war. „Die ersten Wochen waren wirklich hart“, sagt Pietro. „Als ich Ende Januar mit einem der letzten Flieger vor dem Lockdown ankam, war es hier bitterkalt“, erzählt er. Das sei aber nicht das Schlimmste gewesen. Denn schließlich war da ja auch diese „verdammte Corona-Pandemie“, die allen seinen Plänen für lange Zeit einen Strich durch die Rechnung machte.

Pietro Roesler ist in der Nähe der Millionenmetropole Sao Pãolo geboren und aufgewachsen, seine Urgroßeltern mütterlicherseits stammen aus Deutschland. Und das ist auch einer der Gründe, warum er sich schon immer sehr für Deutschland interessiert hat und vor zwei Jahren anfing, in einer Sprachschule Deutsch zu lernen. „Immer, wenn sich unsere sehr große Familie trifft, wird ein Mix aus Portugiesisch und Deutsch gesprochen“, erzählt der 17-Jährige, dessen ältere Schwester schon vor fünf Jahren als Austauschschülerin in Deutschland war. Neben einer Vertiefung seiner Sprachkenntnisse wollte Pietro in Deutschland vor allem Land und Leute kennenlernen. Doch daraus wurde lange nichts.

„Ich habe die ersten Monate mit Homeschooling, Wandern und Fahrradfahren verbracht“, erzählt Pietro Roesler, der in diesem Jahr die zehnte Klasse des Otto Hahn-Gymnasiums (OHG) in Göttingen besucht. „Das war wirklich nicht das, was ich mir vorgestellt hatte“, sagt er. Erst eine Woche vor den Osterferien habe er erstmals seine neuen Klassenkameraden am OHG getroffen. „Seit einem Monat kann ich auch endlich im Verein Fußball spielen“, sagt Pietro, der sich der JSG Hoher Hagen angeschlossen hat, für deren A-Jugendmannschaft er in der kommenden Saison sogar Punktspiele bestreiten will.

Schüleraustausch in Dransfeld bei Göttingen

„Es hat uns schon sehr leidgetan, dass Pietro am Anfang nichts unternehmen konnte“, sagen Britta und Arvid Stoye. Vor allem die Tatsache, dass er keine sozialen Kontakte knüpfen konnte, sei „richtig bitter“ gewesen. „Wir waren mit ihm in Bremen und Berlin und haben auch kleinere Ausflüge gemacht, aber wegen der Corona-Beschränkungen war ja fast nichts möglich“, bedauert die Gastmutter.

Das führte beinahe zwangsläufig dazu, dass sich Pietro viel in seinem „eigenen Reich“ im Keller des schönen Einfamilienhauses der Stoyes aufhielt. „Natürlich haben wir immer zusammen gegessen und dabei hatten wir uns auch immer viel zu erzählen“, sagt Arvid Stoye. Ansonsten sei von Pietro aber nicht so viel zu sehen gewesen – wohl auch, weil der Altersunterschied zu ihrem elfjährigen Sohn Emil einfach zu groß sei. „Die beiden mögen sich und spielen hin und wieder auch Fußball miteinander, aber ansonsten sind die Interessen einfach zu verschieden“, so der Gastvater.

„Mir gefällt an Deutschland, dass hier alles so anders ist als bei uns zuhause“, sagt Pietro Roesler. An Dransfeld finde er „sehr schön, dass man hier alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen kann“. Seine Heimat Brasilien jedoch liebt er. „Dort ist das Wetter insgesamt einfach besser und die Menschen sind weniger gestresst“, so der 17-Jährige. Für das nächste halbe Jahr hofft Pietro, dass er endlich alles das machen kann, was er sich für seine Zeit als Austauschschüler gewünscht hat. „Ich möchte gerne viel Sport machen, viel sehen, Leute treffen und auch Party machen“, sagt er. Und wenn es mit den Coronazahlen so weitergeht, könnten diese Wünsche ja tatsächlich in Erfüllung gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.