Seit 50 Jahren befreundet mit Ex-Soldat Onkel Teddy aus Amerika

Sie haben allen Grund zu feiern: Manfred Bolse (links) und seine Ehefrau Gerlind verbindet seit vielen Jahren eine enge Freundschaft mit Ronald V. Parsons, genannt Teddy aus Texas. Für Enkelin Jaqueline ist der Amerikaner Onkel Teddy und gehört zur Familie. Foto: Huck

Imbsen/Hann.Münden. Ronald V. Parsons aus den USA und Familie Bolse aus Imbsen feiern 50 Jahre deutsch-amerikanische Familienfreundschaft.

Fast 9000 Kilometer trennen die Stadt El Paso im amerikanischen Texas, nahe der mexikanischen Grenze, von Imbsen in der Samtgemeinde Dransfeld. Alle zwei Jahre setzt sich Ronald V. Parsons, genannt Teddy, in ein Flugzeug und fliegt rund 16 Stunden bis nach Deutschland, um in Imbsen Familie Bolse zu besuchen, mit der er seit 50 Jahren befreundet ist.

Teddy war von 1965 bis 1967 als Soldat im damaligen Stützpunkt der US-Armee in Rothwesten (Landkreis Kassel) stationiert und hat in dieser Zeit auch ein Jahr lang in Hann. Münden gewohnt. Im April 1965 lernte der Soldat bei einem Fest in der Gastwirtschaft „Am Lohberg“ in Hemeln Gerlind Weck-Bolse, die damals noch ihren Mädchennamen Müller trug, und ihre Geschwister kennen.

Es gab nette Gespräche und für Teddy eine Einladung zum Essen bei der Familie für den folgenden Tag. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft mit der ganzen Familie, die in diesem Jahr seit einem halben Jahrhundert besteht. Zusammen mit anderen Soldaten half er der Familie in seiner Freizeit bei der Ernte, holte Kartoffeln aus der Erde und pflückte Äpfel. Als Ronald Parsons 1967 zurück nach Texas flog, weil seine Dienstzeit in Deutschland beendet war, flossen auf beiden Seiten Tränen. Er würde bald wieder kommen, versprach Teddy aus Amerika - und dieses Versprechen hielt er.

Dutzende Briefe

Es folgten Dutzende von Briefen, Postkarten und Telefonaten. Alle Briefmarken wurden aufgehoben und gesammelt. Auch 9000 Kilometer Distanz konnten der Freundschaft nichts anhaben. Mittlerweile spricht Teddy gut Deutsch und bezeichnet das Land immer noch als seine zweite Heimat. Er heiratete eine Frau aus Nürnberg und hat dadurch und durch seine deutschen Freunde den Kontakt nie verloren.

Vor 35 Jahren kam Ronald Parsons zum wiederholten Mal nach Deutschland und lernte endlich den Ehemann von Gerlind Wenk-Bolse kennen. „Vom ersten Moment an war klar, dass wir gute Freunde werden, wir haben uns sofort verstanden“, erinnert sich Manfred Bolse. Auch zum Rest der Familie hat Teddy noch engen Kontakt. Die Enkeltochter Jaqueline nennt ihn nur „ihren Onkel aus Amerika“.

„Vom ersten Moment an war klar, dass wir gute Freunde werden, wir haben uns sofort verstanden.“

Im vergangenen Jahr war es dann endlich soweit. Nach fast 50 Jahren besuchten Manfred Bolse und seine Ehefrau ihren langjährigen Freund zum ersten Mal in den USA. Vorher hatte es nie geklappt. Vor einigen Jahren machte ein Sturm in Amerika eine bereits gebuchte Rundreise mit geplantem Besuch unmöglich.

Ronald V. Parsons zeigte ihnen bei ihrem Besuch seine Ranch, Texas und Arizona, und sie reisten zusammen nach Las Vegas im Staat Nevada. „Eine schöne und aufregende Reise“, ist sich das Ehepaar einig. An Deutschland schätzt Ronald Parsons vor allem den guten Kaffee. Aber auch die Menschen, die schönen Landschaften, und gerade historische Städte wie Hann. Münden gefallen dem 73-Jährigen gut.

Auswanderungsgedanken 

Weil er Deutschland so schätzt, hat der Amerikaner nicht nur einmal darüber nachgedacht seinen Wohnsitz zu wechseln, letztendlich kam es aber dazu nicht und so bleibt für ihn Deutschland ein beliebtes Reiseziel und die Heimat seiner guten Freunde.

Und weil 50 Jahre Freundschaft ordentlich gefeiert werden müssen, gab es am Wochenende ein großes Fest mit Elvis-Imitator und vielen Überraschungen für den weitgereisten Freund. (zwh)

Von Wiebke Huck

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