Mobil mit Bus und Bahn

Test des Nahverkehrs im Landkreis Göttingen

Das Smartphone hilft bei der Planung: Im Hintergrund steht bereits der Landesbus nach Göttingen.
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Das Smartphone hilft bei der Planung: Im Hintergrund steht bereits der Landesbus nach Göttingen.

Wie steht es um den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Göttingen? Wir haben den Selbsttest gemacht.

Zunächst haben wir den Landesbus zwischen Duderstadt und Göttingen unter die Lupe genommen.

Die Landesbuslinie L160 fährt stündlich zwischen fünf und 24 Uhr auf der Strecke Duderstadt-Göttingen. Drei fabrikneue Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr angeschafft. Sie sind an ihrer grünen Außenfarbe schon von Weitem sehr gut zu erkennen. Das Projekt wird vom Land Niedersachsen jährlich mit 400 000 Euro unterstützt. Zusätzliche 140 000 Euro kommen vom Landkreis Göttingen.

Die Fahrt mit dem Bus ist angenehm, der Innenraum wirkt sehr sauber und hell. Zwischen dem Busbahnhof in Duderstadt und dem Göttinger Bahnhof benötigt der Bus nur etwa 45 Minuten. Im Bus fährt die digitale Zukunft schon heute mit: Alle Sitzplätze verfügen über eine USB-Ladebuchse, mit der sich beispielsweise das Smartphone aufladen lässt. Außerdem bietet der Bus eine kostenfreie W-Lan Verbindung. Die Geschwindigkeit des Netzes variiert allerdings je nach Netzabdeckung.

Ein Einzelfahrschein nach Göttingen kostet aktuell noch 8,70 Euro. Das ist nicht unbedingt günstig, wenn man bedenkt, dass die Strecke nur dreißig Kilometer lang ist. Das wird sich aber bald ändern: Der Landkreis plant die Einführung eines 5-Euro-Tickets für das gesamte Tarifgebiet.

Die Fahrt verlief völlig reibungslos, auffällig war lediglich die sehr niedrige Zahl an Fahrgästen. So saßen zwischen Duderstadt und Eber-götzen nur zwei Personen in dem Bus mit 43 Sitzplätzen. Möglicherweise hatte dies mit der Corona-Pandemie oder dem doch noch recht hohen Preis zu tun.

Der Landesbus zwischen Duderstadt und Göttingen macht auf Anhieb Spaß. Das W-Lan und die USB-Ladebuchsen ermöglichen zudem das mobile Arbeiten während der Fahrt. Im Gegensatz zur Fahrt mit dem Auto kann so die Zeit produktiv genutzt werden. Für Pendler zwischen Duderstadt und Göttingen ist der Landesbus damit eine echte Alternative, erst recht, wenn der Fahrpreis sinkt.

Weiter geht die Fahrt von Göttingen nach Hann. Münden.

Die Linie 120 startet am Göttinger Bahnhof. Der Bus fährt über die B3 und die Orte Dransfeld und Scheden in die Dreiflüssestadt. Zwischen dem Göttinger Kaufpark und Dransfeld fuhr zudem bis vor einiger Zeit auch ein Bürgerbus, der aber wegen des Mangels an ehrenamtlichen Fahrern eingestellt wurde.

Das Fahrgefühl entspricht dem eines typischen Überlandbusses. W-Lan und Ladebuchsen sucht man hier vergeblich. Zudem hält der Bus an deutlich mehr Stationen. Die Fahrt nach Hann. Münden dauert eine knappe Stunde. Mit dem Auto wäre man hier etwas mehr als eine halbe Stunde unterwegs. Auch auf dieser Strecke beträgt der Preis für einen Einzelfahrschein 8,70 Euro. Im Gegensatz zur Fahrt mit dem Landesbus zwischen Göttingen und Duderstadt ist man dafür auf einer Strecke mit fast identischer Länge deutlich länger unterwegs.

Die Anzeige am Göttinger Bahnhof kündigt die Abfahrt des Busses am Testtag um 12.34 Uhr an. Doch es kommt kein Bus. Nach einiger Zeit wird auf der Anzeige der nächste Bus mit Abfahrtszeit 13.34 Uhr angekündigt. Warum der vorherige Bus nicht fährt, wird dagegen nicht eingeblendet. Erst eine Nachfrage beim nahegelegenen VSN-Service-Center ergibt: Der Bus kommt nicht, da er in einen Verkehrsunfall verwickelt war. Somit heißt es warten. Der nächste Bus kommt dann tatsächlich um 13.34 Uhr.

Es ist nicht zu erwarten, dass ein Bus Annehmlichkeiten wie W-Lan oder Ladebuchsen bietet. Ausfälle und Verspätungen können ebenfalls vorkommen. Was in diesem Fall allerdings wirklich stört, ist, dass weder auf der Dialoganzeige am Göttinger Bahnhof noch in der App des Verkehrsverbunds-Südniedersachsen über den Ausfall des ersten Busses informiert wurde. Nur durch persönliche Nachfrage am zufällig in der Nähe befindlichen VSN-Service-Center ließen sich die Gründe klären. In den Ortschaften des Landkreises gibt es diese Möglichkeit aber nicht. Dort bleibt nur eine telefonische Nachfrage. Dabei ist gerade im ländlichen Bereich ein verlässlicher Nahverkehr wichtig. Im Vergleich zur Verbindung zwischen Göttingen und Duderstadt erscheint die Anbindung des Dransfelder Raumes noch optimierungsbedürftig. Mit dem Wegfall des Bürgerbusses ist die Anbindung zudem schlechter geworden.

Mit dem Cantus von Hann. Münden nach Göttingen

Als Alternative zum Auto oder zum Bus bleibt die Verbindung mit der Bahn. Der Cantus verbindet die Dreiflüssestadt über Eichenberg mit der Universitätsstadt Göttingen. Er nutzt bis zum Bahnhof Eichenberg die Gleise der Halle-Kasseler Eisenbahn und ab Eichenberg einen Teil der Strecke Bebra-Göttingen.

Die Fahrtzeit von Hann. Münden nach Göttingen beträgt etwa 35 Minuten, der Zug fährt stündlich in Richtung Kreisstadt. Zum Surfen oder Arbeiten im Netz bleibt nur das eigene mobile Datennetz. W-Lan gibt es in den Regionalzügen noch nicht.

Eine Fahrt von Hann. Münden nach Göttingen kostet wie mit dem Bus 8,70 Euro. Dafür ist die Bahn schneller als die Busverbindung über Dransfeld. Durch die Einstellung des Zugverkehrs über die Dransfelder Rampe und den Abbau der dortigen Strecke vor vielen Jahren ist der Zug keine Alternative für Fahrgäste aus Dransfeld. Am Testtag gab es keine Probleme. Der Zug fuhr pünktlich ab und erreichte das Ziel ebenfalls nach Fahrplan.

Die Bahnverbindung ist eine Alternative für Reisende zwischen dem Mittelzentrum Hann. Münden und der Kreisstadt Göttingen. Für die Samtgemeinde Dransfeld gilt das nicht. Hier bleibt der Bus als einziges öffentliches Verkehrsmittel.

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