Selbstversuch im Hotel: Ein Zimmer in 20 Minuten

Macht sauber: Aleksandra Biletic arbeitet als Zimmermädchen in Hann. Münden. Fotos: Nieswandt/Biletic/nh

Hann. Münden. Aleksandra Biletic schließt die Tür zu Zimmer elf im Hotel „Schlosschänke" in Hann. Münden auf und schiebt den Wagen mit den Putzutensilien herbei. „So, dann mal an die Arbeit", sagt sie.

„Zuerst kommt immer der Mülleimer dran.“ Kein Problem, denke ich mir, leere den Müll und hänge eine neue Tüte in den Eimer. „Wenn Du magst, kannst Du die Dusche machen“, sagt Biletic und reicht mir zwei Lappen. „Wir haben zwanzig Minuten Zeit pro Zimmer“, sagt sie. Voller Elan mache ich mich an die Dusche, wische sie ab, spüle mit Wasser und putze sie trocken.

Doch der Wasserhahn tropft immer wieder nach. „Die Dusche muss trocken sein“, sagt Aleksandra Biletic, die seit drei Jahren als Zimmermädchen und Küchenhilfe im Hotel „Schlosschänke“ arbeitet. Also wische ich so lange, bis nichts mehr tropft. In Windeseile hat Biletic währenddessen die Betten gemacht. Danach gibt sie mir einen Lappen und Spray, mit dem ich die Nachttische, Schränke und Fensterbänke abwische. In dieser Zeit saugt Biletic. „Dieses Zimmer ist fertig, im nächsten Raum muss alles neu gemacht werden, die Gäste sind abgereist.“

Sie öffnet die Tür. Das Zimmer ist dunkel und warm und der Geruch nach Hund schlägt uns entgegen. Ich reiße erstmal das Fenster auf und mache mich dann wieder an die Dusche. Beim Abziehen des Bettes legt Aleksandra ein unheimliches Tempo vor. „Du musst gucken, dass das Laken keine Falten hat“, sagt sie, und zupft daran. Auch bei Kissen und Bettdecke hat sie noch Verbesserungsvorschläge: „Alle Spitzen müssen rausgucken und alles muss glatt gestrichen sein.“

Probleme beim Kissen falten

Beim Falten des Kissens benötige ich drei Versuche. Danach sieht es aber noch immer aus, als hätte schonmal jemand darauf geschlafen. „Für das erste Mal nicht so schlecht“, sagt Aleksandra und faltet das Kissen richtig.

Vier Zimmer müssen gemacht werden. Das ist wenig. Im Sommer sind die 15 Zimmer häufig alle belegt und müssen täglich gereinigt werden. „Ab April beginnt die Saison, jetzt ist es ruhig“, sagt Biletic. Die 45-Jährige stammt aus Bosnien-Herzegowina, lebt aber seit 14 Jahren in Deutschland.

„Oft komme ich in die Zimmer und da stehen Briefe und daneben liegen Schokolade oder Trinkgeld als Dankeschön. In solchen Momenten mag ich meine Arbeit noch ein bisschen mehr“, sagt sie und lacht.

Doch es gibt auch Gäste, mit denen sie schlechte Erfahrungen gemacht hat. „Ich kam schon in Zimmer, da fehlten das komplette Bettzeug und diverse Handtücher.“ Sehr dreckige Zimmer seien keine Seltenheit.

Auch Dekoration sei nicht immer sicher. „Im Flur stand ein kleines Fahrrad aus Metall. Es hat auch irgendwann gefehlt“, sagt sie. Außerdem habe ein Betrunkener mal ein Loch in eine Tür gehauen, weil sein Zimmergenosse schon geschlafen habe.

„Es gibt eben nichts, was es nicht gibt“, sagt Aleksandra.

Das Hotel "Schlosschänke"

Das Hotel „Schlosschänke“ ist außerdem noch ein Restaurant. Betreiber sind seit 1995 Heinz-Uwe Sickmann und seine Frau Susanne Sickmann. Der 54-Jährige ist gelernter Koch, Hotelkaufmann und Betriebswirt.

Das Hotel verfügt über 15 Zimmer, davon ist eines ein Einzelzimmer und zwei Dreibettzimmer. Der Betreiber bietet verschiedene Arrangements an, zum Beispiel können Besucher mit einem E-Mobil durch das Bergland fahren. Sickmann hat drei Festangestellte, im Sommer kommen nochmal zwei Aushilfen dazu. „Wir bieten Zimmer, die nicht von der Stange sind, da alle unterschiedlich geschnitten und individuell eingerichtet sind“, sagt er. Eine Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer kostet 99 Euro.

Weitere Informationen gibt es unter www.hotel-schlosschaenke.de.

Von Leona Nieswandt

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