Selbstversuch: Als Zustellerin 200 Zeitungen im Gepäck

Viel Bewegung: Volontärin Leona Nieswandt und Gerhard Buhle beim Zeitungen austragen in Knickhagen.

Knickhagen. Gerhard Buhle weiß genau, was er tun muss. Er sorgt dafür, dass jeder Haushalt, der eine Zeitung abonniert hat, diese auch täglich bekommt.

Dafür zählt er erst die Zeitungen, die er in Päckchen bekommen hat, sortiert sie nach der richtigen Ausgabe und packt sie in eine große Umhängetasche.

Eine große Hilfe bin ich ihm dabei nicht. Jeder seiner Handgriffe sitzt und nach kurzer Zeit ist er fertig. Zehn Jahre arbeitet Buhle als Zeitungsausträger. Er beginnt um drei Uhr morgens, fertig ist er meistens gegen sieben. „Es ist schön, dann nochmal bis halb zehn ins Bett gehen zu können“, sagt er. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, den wir größtenteils zu Fuß zurücklegen, aber auch ein paar Mal mit dem Auto von Briefkasten zu Briefkasten fahren.

Die Tour in Knickhagen und Wilhelmshausen ist dem 72-Jährigen, der in Wahnhausen wohnt, mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen, Buhle trägt bereits seit sieben Jahren dort aus. Seine Tour umfasst 200 Exemplare. „Sie müssen spätestens um sieben alle ausgetragen sein“, sagt er und drückt mir einen Stapel mit Zeitungen in die Hand. Er weiß, wer welche Zeitung bekommt und sagt mir auch, wo die Briefkästen genau angebracht sind.

Licht geht nicht überall an 

Das ist auch gut so, denn um halb vier morgens ist es ziemlich dunkel im Dorf und nicht überall geht vor den Haustüren das Licht an. Oft stolpere ich auch über vermeintliche Dekoration, die direkt vor dem Zeitungsrohr ausgelegt ist. „Dort drüben bin ich auch schon gefallen“, sagt Buhle.

Davon abgesehen, dass ich jeden Briefkastenschlitz suchen muss, ist es eine angenehme Arbeit. Die Menschen kennen Buhle mittlerweile und zu späterer Uhrzeit winken einige aus den Fenstern, als sie uns sehen. „Mein Arzt hat mir gesagt, ich soll mich mehr bewegen. Das war die Idee dazu. Es macht Spaß und hält mich fit“, sagt Gerhard Buhle, der früher bei der Bahn gearbeitet hat. „Das liegt an der Luft, dass ich so lange keine Grippe hatte“, ist er sich sicher. Die Luft ist kalt und klar und trotz der Kälte friere ich durch die ausgiebige Bewegung kein bisschen.

„Schlimm wird es, wenn es regnet und richtig glatt ist. Aber ich habe Spikes unter den Schuhen und es gibt für jedes Wetter die richtige Kleidung“, sagt er. Da habe ich richtig Glück gehabt, dass das Wetter so gnädig zu mir gewesen ist. Ich bin aber doch sehr froh, als Buhle sagt, dass es nur noch zehn Zeitungen sind. Die ganze Zeit strammen Schrittes von Haus zu Haus laufen ist anstrengender als ich dachte. „Da gewöhnt man sich schnell dran, man bleibt dann auch fit.“

Er muss oft einspringen, weil Kollegen krank sind oder nicht genug Austräger vorhanden sind. „Den Job will keiner machen, weil man so früh aufstehen und bei jedem Wetter raus muss“, sagt Buhle. Gerade junge Leute schliefen lieber länger, als sich das Geld mitzunehmen.

Von Leona Nieswandt

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