Lippoldshäuser Ortsheimatpflegerin ist eine von wenigen Frauen in dem Ehrenamt

Sie brennt für die Heimatkunde

Suche in der Vergangenheit: Für Stefanie Nebel gibt es viel zu tun.

Lippoldshausen. Stefanie Nebel ist die neue Ortsheimatpflegerin von Lippoldshausen. Sie stürzt sich mit Leidenschaft auf alte Akten und Dokumente. 

Wenn Stefanie Nebel ins Lippoldshäuser Heimatarchiv geht, das im Obergeschoss des Feuerwehrhauses untergebracht ist, erwartet sie vor allem eines: Arbeit. „Hier gibt es viel zu tun“, sagt die 33-Jährige, die seit vergangenem Jahr die neue Ortsheimatpflegerin von Lippoldshausen ist. In Schränken stapeln sich Akten über Akten – von den alten Gebäudebesteuerungsbüchern über Mappen mit alten Zeitungsabschnitten aus der HNA bis hin zu umfangreichen Planungsunterlagen der großen Bauarbeiten der vergangenen Jahrzehnte wie etwa der Bau der ICE-Strecke oder die Erneuerung der Werrabrücke. „Es ist toll, dass trotz des Brandes in der früheren Heimatstube so vieles noch vorhanden ist. Ein Verzeichnis oder eine einheitliche Struktur, um Sachen gezielt wiederzufinden, gibt es allerdings nicht“, sagt die junge Frau. Es werde seine Zeit brauchen, bis sie sich einen Überblick verschafft und ein Vorgehen entwickelt habe.

Damit skizziert sie auch gleich einen der Schwerpunkte der Arbeit, die sie sich setzen will. Ihr Vorgänger Hans-Jürgen Pielok, der das Amt lange Zeit ausgeübt hatte, legte seinen Schwerpunkt vor allem auf die praktische Arbeit, sie sehe sich eher als „Akten- und Bücherwurm“: „Jeder Ortsheimatpfleger setzt andere Akzente“, sagt Nebel. Ein Praktikum war es, das sie nicht nur zur Denkmalschutzbehörde nach Göttingen führte, sondern auch zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, ihrem heutigen Arbeitgeber. Dort ist sie in der der Zentrale in Kassel als Referentin unter anderem für Bildungsreisen und Gedenkveranstaltungen im Ausland zuständig und daher viel unterwegs. Vor allem im Jubiläumsjahr 2018, in dem 100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges gedacht wurde. Während sie das erzählt, fällt ihr Blick auf eine großformatige Ehrentafel mit Bildern und Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Lippoldshäuser. Von 120 Teilnehmern sind über 20 Gefallen, viele der dort verewigten Namen sind noch heute geläufige Familiennamen im Dorf. Geschichte wirke immer auch bis in die Gegenwart, sagt sie.

Schon als Kind habe sie sich sehr für Geschichte interessiert. Ihre Liebe zur Heimatkunde flammte dann neu auf während des Studiums und sie versuchte, bei historischen Forschungsvorhaben immer auch einen regionalen Bezug herzustellen. So schrieb sie unter anderem eine Hausarbeit über die Wandelung der Gartenkultur auf dem Land von der Kriegsgeneration bis heute und befragte dazu ältere Lippoldshäuser. Als absehbar war, dass Hans-Jürgen Pielok als Ortsheimatpfleger in den Ruhestand gehen wolle, habe Ortsbürgermeister Gerd Hujahn sie gefragt, ob sie das Amt annehmen wolle: „Darüber habe ich mich sehr gefreut und ich mache das sehr gerne.“

Über Winter wolle sie jetzt „Grund reinbekommen“ in die alten Dokumente, diese sichten, besonders wertvolle auch digitalisieren und geordnet ablegen für die Zukunft. Auch müssen alte Fotos beschriftet werden, da hofft sie ebenso auf die Mithilfe der älteren Lippoldshäuser wie bei der Erweiterung des Bestandes. Parallel arbeitet sie gemeinsam mit dem Heimat- und Kulturverein Lippoldshausen an einem Flyer für den „13-Höfe-Weg“ sowie an der Erneuerung der Informationstafel an der Lippoldsburg. 

Dokumentennachlässe gesucht

Viel zu viel sei achtlos weggeworfen worden in den vergangenen Jahrzehnten, beklagt Stefanie Nebel Es sei verständlich, das Käufer einer alten Immobilie oder Erben nichts mehr anfangen können mit alten Fotos, Postkarten, Tagebüchern, historischen Rechnungen oder Feldpostbriefen des Großonkels und sich von diesem Ballast befreien wollten. „Fürs Dorf können solche Dokumente aber sehr wertvoll sein“, sagt Nebel. Deshalb sei es schade, wenn diese beim Entrümpeln entsorgt und dann unwiederbringlich verloren seien. Sie bittet daher darum, alte Dokumentennachlässe aus dem Ort bei ihr abzugeben, statt sie zu entsorgen, damit sie diese sichten könne – wegwerfen könne man Unbrauchbares dann immer noch. Auch an interessanten Dokumenten, die die Eigentümer wieder zurück haben möchte, ist Nebel interessiert – das könne auch scheinbar so Belangloses sein wie eine Anstellungsbescheinigung des Lippoldshäuser Steinbruches oder eine Rechnung von einem der früher zahlreichen Lippoldshäuser Handwerksbetriebe Sie könne sich vorstellen, mit ausgewählten Exponaten auch eine kleine Ausstellung in Lippoldshausen zu gestalten.

Kontakt: Erreichbar ist Stefanie Nebel über die Rufnummer 05541/7551702 und per E-Mail über stefanie.nebel@web.de .

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