Singen mit Chornetto Spezial: Harmonie ohne Noten

Die Chornettis in Aktion: Die Mitglieder des Chores und auch Chorleiter Thorsten Seydler (rechts) sind mit viel Spaß dabei. Foto: Kolenics

Dransfeld. Jung, groovy und fröhlich - das ist Singen im Chor. Jedenfall bei der öffentlichen Chorprobe von Chornetto Spezial.

Fröhliches Stimmengewirr tönt aus der Stadthalle Dransfeld. Die 55 Mitglieder des Chores „Chornetto spezial“ sind in Gespräche vertieft. Einige Töne erklingen aus dem Keyboard vor der Bühne und es wird schlagartig ruhig. Alle stellen sich im Halbkreis um Chorleiter Thorsten Seydler auf, natürlich nach Stimmen sortiert. Die öffentliche Chorprobe im Rahmen der Festwoche der Musikschule „ton-art“ kann beginnen.

Das Einsingen

Zu Beginn wird die Stimme angewärmt. Schon das Einsingen wird zu einem großen Spaß. Thorsten Seydler gibt vor und die fast siebzig Sängerinnen und Sänger an diesem Abend machen nach. Tonleitern, Harmonien und Intervalle, mal laut, mal leise, mal sehr luftig und mal gequetscht. Gottseidank hat man versierte Nachbarn neben sich, die alle Übungen sicher beherschen und einen mit ihrer Energie anstecken. Nach ungefähr 15 Minuten auf und ab auf den Tonleitern, ist allen schon warm und die eigentliche Arbeit kann beginnen.

Der Rythmus

Zunächst steht der Rhytmus im Fokus. Zuerst ein einfacher Schritt mit den Füßen. Dann die Hände dazu. Geklatscht werden soll gegengleich zu den Schritten. Einige bekommen dabei „einen Knoten in die Beine“.

Thorsten Seydler geht den Halbkreis ab und gibt jeder Stimme eine einfache Melodie aus Vokalen vor. Jede etwas anders, aber trotzdem schallt plötzlich ein harmonischer Kanon durch die Stadthalle. Der Chorleiter senkt die Hände und alle singen ganz leise weiter. Der Sopran gibt den Einsatz vor und alle werden gleichmäßig wieder lauter. Der gemeinsame Rhythmus ist gefunden.

„Wir sind ein Chor mit ganz gemischten Talenten, aber unser Leiter ermutigt alle zum Ausprobieren, und zusammen klingt es immer toll“, sagt Johanna Jepsen, die seit 15 Jahren bei Chornetto singt.

Das Lied

Jetzt geht es ans Eingemachte. „Three little birds“ von Bob Marley steht auf dem Plan. Notenblätter? Fehlanzeige. Aber man wird trotzdem nicht im Regen stehen gelassen. Das Lied ist nicht allzu kompliziert und jede Stimme hat ihren eigenen Part. Thorsten Seydler zeigt jedem Register, was es zu tun hat. Mehrmals wiederholt er die Melodie am Keyboard und lässt seine Sänger ihren Part wiederholen.

Der Feinschliff

Bei den einen braucht es noch ein bißchen mehr Gefühl, die anderen sollen eine Note länger halten oder anders Betonen. „Ihr braucht einen Draht zu demjenigen, den ihr ansingt“, sagt Seydler.

„Wenn eine Stimme unsicher ist, singt unser Leiter das Richtige ein. Da wir kein Papier haben, konzentrieren wir uns anders auf ihn und können schnell reagieren“, sagt Jepsen. Auch der Ablauf des Liedes klappt ohne Besprechung. Seydler gibt einfache und klare Zeichen: nochmal der Refrain und dann eine lange Note zum Schluss. Das Gefühl: Man hat zusammen etwas sehr Schönes geschaffen. Chormitglied Wulf Reinshagen erzählt: „Als ich damals bei Chornetto angefangen habe, hatte ich Angst, falsche Töne zu singen und wollte bloß nicht auffallen. Das hat sich mitlerweile gelegt. Dieser Chor hat einfach einen ganz besonderen Charme.“

Glücklich und geschafft dürfen sich die Gäste zum Schluss der Probe setzen und werden rundum von den Chornettis besungen. „Shower the people you love with love“. Ein sehr passendes Fazit dieses Abends. (tkx)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.