Sängertradition in Volkmarshausen

Singen seit mehr als einem Jahrhundert - Chorgemeinschaft blickt auf 175 Jahre zurück

Chorgemeinschaft Volkmarshausen: Lars Bücker (von links), Elli Bode, Sina Sjuts und Stephan Becker mit einer Fahne. Das Bild entstand, bevor die Abstandsregel in Kraft trat.
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Chorgemeinschaft Volkmarshausen: Lars Bücker (von links), Elli Bode, Sina Sjuts und Stephan Becker mit einer Fahne. Das Bild entstand, bevor die Abstandsregel in Kraft trat.

Wenn jemand 175 Jahre alt wird, dann hat er viel zu erzählen. So die Chorgemeinschaft Volkmarshausen, die eine ebenso lange Sängertradition hat und dieses Jahr ihr Jubiläum feiert.

Die Chorgemeinschaft ist einer der Chöre, die – um den Weiterbestand zu sichern –das Chorwesen verändert haben. Aus dem Traditionschor ist 2004 der junge Chor „Flaxtöne“ hervorgegangen. Anfangs kamen nur wenige Mitglieder zu den Proben, heute gehören fast 50 Sänger dazu. Die älteste Sängerin ist die 83-jährige Elli Bode. Die Mischung von drei Generationen funktioniere sehr gut. „Jedes Alter hat seine Berechtigung bei uns, genauso wie jedes Liedgut“, sagt die Vorsitzende Sina Sjuts.

„Es hat sich sehr viel verändert im Laufe der Jahrzehnte“, stellt Elli Bode fest. „Uns älteren fällt es schwer, Gesangsstücke in englischer Sprache zu singen“. „Deshalb ist es uns auch wichtig, deutsches Liedgut zu pflegen“, sagt dazu Lars Bücker, der seit 21 Jahren den Chor leitet. Etwa 30 Prozent der Lieder sind in Englisch, die anderen werden in Deutsch gesungen. „Wir sehen darin auch eine Verpflichtung gegenüber unserer Sprache“, betont Bücker.

Die Songs haben die Bandbreite aus allen Zeitepochen. „Wir ziehen den Hut vor den Älteren in unserem Chor“, sagt Stephan Becker, der vor Sina Sjuts den Vorsitz hatte. „Der traditionelle Chor brachte Opfer, damit wir etwas Neues auf die Beine stellen konnten“, so Becker. „Das war der richtige Schritt“, resümiert Elli Bode. Man dürfe nicht stehen bleiben, sondern müsse mit der Zeit gehen.

Für Elli Bode persönlich ist es wichtig, das deutsche Liedgut nicht sterben zu lassen. Das lässt die Vielfalt an Liedgut auch nicht zu. In den 16 Jahren sind es 150 Lieder, die einstudiert worden sind. „Dabei sind auch Stücke, die leicht klingen, aber nicht leicht zu singen sind“, berichtet Lars Bücker, der gerne den digitalen Fortschritt für den Chor nutzt. Weg mit den Mappen, hin zum Tablet und zum Beamer.

Die Auftritte sind sehr unterschiedlich. Einzel- und Gruppenkonzerte sowie Sängerfeste stehen regelmäßig an. Es gibt auch immer wieder Besonderheiten wie beispielsweise ein Mondscheinkonzert auf der Freilichtbühne. „Wir möchten aber auch die Menschen erreichen, die nicht zu uns kommen können“, macht Stephan Becker deutlich. Deshalb wird in Krankenhäusern und Seniorenheimen gesungen. Bei den Konzerten werden oft auch Gästewünsche erfüllt und Mitsinglieder angeboten.

Spaß haben die Sänger nicht nur bei den Konzerten, sondern auch bei den wöchentlichen Proben. „Wir proben nicht, um besser zu sein, als andere“, sagt Sina Sjuts. „Aber trotzdem versuchen wir, uns ständig zu verbessern.“ Ein jährlicher Höhepunkt ist der mehrtägige Workshop mit Inhalten zum Thema Gesang. „Wir sind für fast alles zu haben“, scherzt die Vorsitzende.

Wer neu dazu komme, lerne erst einmal sein Instrument Stimme kennen. „Es gibt kein Vorsingen, und wenn es mal nicht so klappt, muss es keinem peinlich sein“, so Sjuts.

Proben sind montags von 20 bis 21.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Volkmarshausen. Interessierte sind jederzeit willkommen.

VON PETRA SIEBERT

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