Ein Dorf voller Geheimnisse

Spiekershausen feiert 700-jähriges Jubiläum

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Werkeln im Verborgenen: Sie arbeiten seit Monaten an einem Wassergefährt für den großen Festumzug auf der Fulda: Zur Gruppe gehören Karl-Hermann Althaus, Mirna Kühne, Karsten Purkott und Norbert Stegemann (im Bild von links) sowie Conny Gude, Andreas Müller und Tilman Ponfick.

Spiekershausen. Ein kleines Fulda-Dorf ganz groß: Seit zwei Jahren bereitet sich der Staufenberger Ort Spiekershausen auf seine 700-Jahr-Feier vor. 

In der kommenden Wochen beginnt das Festprogramm. Höhepunkt ist ein Festumzug auf dem Fluss. Die Zeiten als Spiekershausen als Schmugglernest bekannt war, sind längst vorbei. Um 1800 hatte der Ort diesen Ruf, damals als Grenzdorf zwischen dem Königreich Hannover und dem Kurfürstentum Hessen. Preisunterschiede zwischen den beiden Ländern machten den illegalen Warenverkehr auf geheimen Pfaden lukrativ.

Schmuggler gibt es schon lange nicht mehr, aber in diesen Tagen gibt es eine Reihe von Spiekershäusern, die im Verborgenen werkeln und möglichst wenige in ihre Pläne eingeweiht haben. Das Geheimnis soll erst zum großen Festumzug auf der Fulda am Sonntag, 23. Juni, gelüftet werden.

Ortsbürgermeister Hilmar Sengler sind vier Gruppen bekannt, die etwas dafür bauen. Was, weiß er allerdings nicht. Er kennt nur die Pläne der Sieben, die zum Organisationsteam der 700-Jahr-Feier gehören, und an einem Wassergefährt arbeiten, das den Festumzug anführen soll. Aber öffentlich sprechen will er nicht darüber. Und beim Fototermin ist vieles mit Tüchern verhängt. Geheime Kommandosache.

Seit Februar kommt diese Gruppe in einer früheren Reithalle zusammen, die ihr Edmund Brüssler vom Seniorenheim Birkenhof zur Verfügung gestellt hat. Vor fünf Monaten hat die heiße Bauphase für das Gefährt begonnen. Nur so viel sei verraten: Die Figur ist umgeben von Fuldawellen und wird auf ein Boot mit Außenborder montiert, das eine Pontonkonstruktion zieht. Das Gefährt ist mehrere Meter lang, gestaltet mit Wellen und Palmen. Rund 300 Arbeitsstunden habe die Gruppe bisher investiert, sagt Mirna Kühne (44). Unter anderem seien 20 Meter Draht verbaut worden, 50 Meter Dachlatten, eine Menge Pappmaschee und 40 Liter Farbe.

Fürchten müssen sich die übrigen Bastler vor ihnen aber nicht. „Wir starten außer Konkurrenz“, sagt Mirna Kühne. Das heißt, die Sieben nehmen nicht an dem Wettbewerb um das „verrückteste Wassergefährt“ teil.

Aber es gibt noch viel mehr, was sich Spiekershäuser für die 700-Jahr-Feier haben einfallen lassen: Eine Festschrift über das Leben im Dorf gestern und heute (Redaktion: Heike Spohr) ist erschienen, es gibt einen Film über das Dorf (mein-spiekershausen.de/1905-spiekershausen-film) von Sinja Kühne und Alea Krebs mit einem Spiekershausen-Lied (Text und Musik: Alexander Krebs/Anke Krebs) sowie ein Memory mit alten und neuen Bildern aus Spiekershausen. Die Motive haben Angelika und Karl-Hermann Althaus fotografiert beziehungsweise zusammengetragen, eine Ortsfahne mit Wappen und eine Porzellantasse. Interessenten können sich bei Hilmar Sengler (05543/910080) melden. Jetzt heißt es aber erst mal: Fullewasser, Fullewasser hoi, hoi, hoi. 

Das Programm

  • Donnerstag, 20. Juni: 11 bis 17.30 Uhr: Auftritt mehrerer Shanty-Chöre am Fuldafestplatz unter Leitung des Shanty-Chores Landwehrhagen. Zum Fest der Spiekershäuser wurde der traditionelle Shanty-Treff an Fronleichnam von Landwehrhagen an die Fulda verlegt; 14 bis 16 Uhr: Fotoausstellung ist geöffnet: 18 bis 18.30 Uhr, Andacht; 19 Uhr: Kommers im Festzelt und Live-Musik mit Tobias Grabandt. 
  • Freitag, 21. Juni: 15 Uhr: „Kaffeeklatsch mit Lilli“ mit Witz und Kuchen; 17.30 Uhr: offene Bühne mit Nachwuchskünstlern der „kleinen Musikschule“; 20 Uhr: „Geile Zeiten Party“ mit Musik der 80iger/90iger bis heute mit DJ Gerd. . Samstag, 22. Juni: 12 bis 18 Uhr: Die Marktstraße an der Fulda lädt zum Bummeln und Shoppen ein; 13 bis 16 Uhr: Flohmarkt von Kindern für Kinder; 14 bis 16 Uhr: Fotoausstellung; 20 bis gegen 22 Uhr, Tanzabend mit „Live-Band Madison“, gegen 22 Uhr, Fackelschwimmen und Feuerwerk. 
  • Sonntag, 23. Juni: 11 Uhr: Frühschoppen mit dem „Musikexpress Hemeln“; 15 Uhr: Start des Wasserumzuges; 16 Uhr: Preisverleihung: Die „tollsten und verrücktesten“ Boote und Wasserfahrzeuge werden ausgezeichnet. Laut Ortsbürgermeister Hilmar Sengler richtet das THW Kassel an diesem Tag von 12 Uhr bis gegen 16 Uhr zwischen dem Festplatz in Spiekershausen und dem hessischen Fuldaufer in Höhe des Geländes des Restaurants und Hotels Roter Kater und Graue Katze einen Fährbetrieb mit Booten ein. 

Eintrittspreise: Kaffeetrinken mit „Tante Lilli“: 16 Euro; 80iger/90iger Party: 5 Euro; Tanzabend mit „Live Band Madison“: 10 Euro; Frühschoppen mit dem „Hemelner Musikexpress“: 8 Euro; Samstag und Sonntag komplett: 16 Euro. Vorverkauf u.a. im Rewe-Markt in Landwehrhagen und bei Hilmar Sengler, Eberleinstraße 9.

Weitere Infos zur 700-Jahr-Feier unter http://mein-spiekershausen.de/

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