Hospiz-Sprechstunde am Klinikum Hann. Münden

Sprechen über den letzten Weg

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Sie bieten eine Hospizsprechstunde (von links): Klinikseelsorger Michael Stahnke, Ehrenamtliche Christa Herbst (Alpha), Stefan Kletetzka (stellvertretender Leiter Stationäres Hospiz), Ehrenamtliche Dr. Johanna Goldbach (Alpha), Dr. Volker Kliem (ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin/Nephrologie) sowie Eva Maschinski (Ambulanter Hospizdienst Alpha). Mit ins Team gehören außerdem Regina Tabel und Ulla Hennecke.  

Tod und Sterben sind Themen, über die kaum jemand gern spricht. Und doch seien für Betroffene Gespräche, vielleicht eine Sterbebegleitung, oft wichtig.

Um Brücken zu bauen, bieten sie seit einigen Wochen nun eine Hospiz-Sprechstunde im Klinikum Hann. Münden (KHM) an. Dabei ziehen vier Partner an einem Strang: der Ambulante Hospizdienst Alpha, das Stationäre Hospiz, der Psychologische Dienst des KHM und die Klinikseelsorge des KHM. Immer dienstags von 16 bis 17.30 Uhr hält sich ein Ansprechpartner bereit, um im Raum von Klinikseelsorger Michael Stahnke oder auch im Krankenzimmer Gespräche zu führen. Die Beratungen seien selbstverständlich streng vertraulich, betont Eva Maschinski von Alpha, vertraglich werden mit dem KHM alle Datenschutzfragen geklärt, die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Für viele, die es nicht kennen, klinge der Begriff „Hospiz“ furchtbar, sagt Stahnke. Die Sprechstunde soll helfen, Berührungsängste abzubauen. „Wir versuchen, allumfassend zu arbeiten“, sagt Prof. Dr. Volker Kliem, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin/Nephrologie. Auch, wenn es am Klinikum, dem Fachkräftemangel geschuldet, keine Palliativstation mehr gebe, heiße das nicht, dass das KHM sich mit dem Thema nicht befasse. Er sei froh über das Stationäre Hospiz, man arbeite außerdem mit der Uni-Klinik Göttingen zusammen und könne Patienten in die dortige Palliativmedizin vermitteln. Die Beratung über Hospiz-Angebote ergänzt das nun. Die gehe von der reinen Information bis zum sehr persönlichen Gespräch, skizzieren es Stefan Kletetzka, Stationäres Hospiz, und Eva Maschinksi, Alpha. Die Patienten oder Angehörige, die Rat suchen, kommen nicht nur aus Hann. Münden, sondern auch aus Witzenhausen, Eschwege, Hofgeismar oder Kassel. Daher halten die Berater auch Informationen über Angebote in der Region bereit. 

Hospizbegleitung im Krankenhaus: Zu dem Thema hatte Eva Maschinski vom ambulanten Hospizdienst Alpha eine Fortbildung absolviert.

Gut vernetzt seien alle, die in der Region auf diesem Gebiet arbeiten ohnehin, sagt sie.

Schon lange gibt es den Arbeitskreis Hospiz, in dem außer allen, die in der neuen Hospizberatung mitarbeiten, auch einige Altenheime und ambulante Pflegedienste vertreten seien. Man kennt sich also, die Kooperation in Sachen Hospizberatung war ein logischer Schritt.

Christa Herbst, seit vielen Jahren Ehrenamtliche beim ambulanten Hospizdienst Alpha, erzählt, wie sie sich den Patienten zuwendet, denen es nicht gut geht. Manchmal signalisierten die Angehörigen, dass Gesprächsbedarf bestehe, manchmal vermittelt das Pflegepersonal einen Kontakt. Zuhören sei wichtig, die Patienten entscheiden selbst, ob sie eine Hospizberatung wollen oder nicht. Sie versuche immer, die Menschen „da abzuholen, wo sie sind“.

Da sein für die, die selten Besuch im Krankenhaus bekommen, damit sie einfach mal ihre Sorgen loswerden können, nennt Dr. Johanna Goldbach, ebenfalls Ehrenamtliche bei Alpha, als einen wichtigen Punkt. So lernen Patienten die Ehrenamtlichen kennen und fassen genug Vertrauen, um auch nach einer Hospizbegleitung zu fragen. Der persönliche Kontakt baue Hürden ab, ergänzt Eva Maschinski. Der ambulante Hospizdienst geht zum Beispiel auch ins Pflegeheim, wenn der Krankenhauspatient wieder dorthin entlassen wird. Zu wissen, dass ein bekanntes Gesicht einen dann auch dort begleiten kann, sei für viele tröstlich. Für diejenigen, die sich fürs Stationäre Hospiz interessieren, „organisieren wir auch gerne einen Besuch nebenan“, so Stefan Kletetzka, stellvertretender Leiter der Einrichtung. Dann können sie sich unverbindlich selbst einen Eindruck machen.

Es sei gut, nicht allein zu sein, sagt Klinikseelsorger Michael Stahnke, und berichtet, wie ihn eine sehr lange Begleitung eines Sterbenden erschöpft hatte. Die Unterstützung durch Alpha begrüßt er daher sehr.

Im Herbst werde ein neuer Kurs für Ehrenamtliche in der Hospizarbeit angeboten, so Eva Maschinski und Stefan Kletetzka. Das Ehrenamt erfordere Offenheit und Zuverlässigkeit, Stabilität und Diskretion.

Alle Gespräche unterliegen der Schweigepflicht. Es gibt keine Vorgabe, wie viel Zeit fürs Ehrenamt einzubringen wären, aber Flexibilität ist gefragt. Wer Interesse oder Fragen hat, kann sich bei Eva Maschinski, Tel. 0 55 41/ 98 19 19, melden.  

Die Sprechstunde:

Die Hospizsprechstunde im Klinikum Hann. Münden  steht nicht nur den dortigen Patienten und deren Angehörigen offen, sondern allen, die Beratung suchen. Sie wird jeden Dienstag von 16 bis 17.30 Uhr im Raum des Klinikseelsorgers im 3. Stock des Klinikums Hann. Münden angeboten. Sollte der Raum in dieser Zeit nicht besetzt sein, sind die Berater gerade bei einem Patienten. Sie können über die Telefonnummer 0 55 41/99 66 85 erreicht werden.

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