Stadt Hann. Münden lehnt Windvorrangflächen an Kernstadt und Ortsteilen ab

Um diese Standorte für Windräder und um weitere (bei Hedemünden, Oberode und Bursfelde) geht es: Diese Simulation von Windrädern im Reinhardswald über der Kernstadt ist eine Darstellung des Regierungspräsidiums Kassel (Blick vom Kattenbühl). Repro:nh

Hann. Münden. Die Stadt Hann. Münden wehrt sich gegen die nordhessischen Pläne, im Reinhardswald nahe der Tillyschanze (Fläche KS 26 im Planentwurf), bei Bursfelde (KS 04b, KS 04c und KS 10) und bei Schloss Berlepsch (ESW 03) sowie bei Oberode (ESW 05) Windvorrangflächen auszuweisen.

Sie sieht in allen Fällen mehrere Belange beeinträchtigt und lehnt diese Flächen als Standorte für Windkraftanlagen ab.

In der Stellungnahme zum Teilregionalplan Energie Nordhessen, die an das Regierungspräsidium Kassel gegangen ist, spricht Bürgermeister Harald Wegener vom „Unverständnis“ darüber, dass diese Gebiete „ohne Bewertung und Abwägung der Zielkonflikte über andere Vorranggebiete hinweggeplant werden“. Die Bedeutung des Tourismus für die Regionalentwicklung in Nordhessen und Südniedersachsen werde verkannt, die Möglichkeit der Feinsteuerung durch die Bauleitplanung nicht genutzt.

Touristische Belange gelten bei der Auswahl von Windvorranggebieten nicht als so genannte „Tabu-Kriterien“. Dennoch sei „nicht von der Hand zu weisen, dass viele Besucher Nordhessens und Südniedersachsens großen Wert auf den hochwertigen Naturraum und unverbaute Wälder legen“. Die regionalwirtschaftlichen Verluste durch Einbußen in der Tourismusbranche ließen sich nur erahnen, heißt es weiter, und: „Für die Stadt Hann. Münden hat der Tourismus eine existenzielle Bedeutung.“

Windkraftanlagen können in einem vereinfachten Verfahren genehmigt werden, was regelmäßig geschehe. Diese Verfahren laufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne formelle Beteiligung der benachbarten Kommunen. Die Stadt Hann. Münden fordert, diese Vorgehensweise zu ändern und eine Bauleitplanung mit öffentlicher Beteiligung zu betreiben, denn Windparks hätten weitreichende Auswirkungen auf den Kultur- und Lebensraum um sie herum.

Die Stadt Hann. Münden fordert, deutlich weniger Flächen auszuweisen und dabei mehr Rücksicht zu nehmen: Ausgedehnte Waldgebiete seien als Natur- und Erholungsraum sowie für die Forstwirtschaft bedeutend für die regionale Entwicklung. Eine Konzentration von Windvorrangflächen in diesen Gebieten laufe dem zuwider.

Außerdem sei es auch aus nordhessischer Sicht wenig sinnvoll, so heißt es in der Stellungnahme weiter, bereits jetzt Windvorrangflächen für die nächsten 35 Jahre festzulegen, weil sich in der Zeit viel zu viel verändere, was die Planungsgrundlagen wieder über den Haufen werfen könne - Planungssicherheit für Investoren erhalte man so nicht. Aufgrund des Artenschutzes müssten die Vorranggebiete ständig aktualisiert werden.

Der Norddeutsche Rundfunk lädt für Dienstag, 9. Juni, 18 Uhr, zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Windkraft ins Mündener Welfenschloss ein. Die Veranstaltung wird für die Sendereihe „Jetzt reicht’s!“ aufgezeichnet. Auf dem Podium: Mündens Bürgermeister Harald Wegener, Gabriele Niehaus-Uebel (Bürgerinitiative Oberweser-Bramwald), Jörg-Otto Quentin (Bürgermeister Wahlsburg) und Thomas Ackermann (Vizepräsident der Regionalversammlung Nordhessen). Moderator ist Hans-Jürgen Otte. (tns)

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