1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hann. Münden

Roboter in Staufenberg: DHL stellt automatisiertes Lagersystem in Lutterberg vor

Erstellt:

Von: Jens Döll

Kommentare

Nummer 093 und 124: Zwei der 160 Roboter, die die Ware aus den Ebenen holen.
Nummer 093 und 124: Zwei der 160 Roboter, die die Ware aus den Ebenen holen. © Jens Döll

In Lutterberg (Staufenberg) wurde ein Auto-Store-Lager eröffnet. Es ist die größte Anlage der DHL in Deutschland. Dort werden Waren einer Modefirma gelagert und verpackt. Arbeitsplätze sollen durch die Technisierung nicht wegfallen.

Staufenberg – Meterhoch steht das Metallgerüst in der Halle 5 der DHL Home Delivery GmbH im Industriegebiet Lutterberg (Gemeinde Staufenberg im Landkreis Göttingen). 160 Roboter flitzen über die Schienen, heben Kisten an und bringen diese zu Verladestationen. DHL und das Modeunternehmen Peek und Cloppenburg Düsseldorf (P&C) stellten am Miottwoch (18.01.2023) ihr automatisiertes Lager vor, der vom Robotik-Spezialisten Element Logic aufgebaut wurde.

Staufenberg: DHL stellt neues Auto-Store-Lager vor

Die gesamte Anlage in der Halle umfasst 6000 Quadratmeter und ist 16 Ebenen hoch. 13 Ebenen werden momentan genutzt, drei werden in Reserve gehalten. Die Ware wird in 196 000 Kunststoffbehältern gelagert, die von Roboter bewegt werden. Eine Erweiterung um weitere tausend Quadratmeter sei auch möglich. Die Anlage ist laut DHL die zweite Roboter-Kommissionierung, die von dem Unternehmen betrieben wird, eine kleinere wurde in Braunschweig in Betrieb genommen.

160 Roboter flitzen über das Metallgitterwerk, das 6000 Quadratmeter im DHL-Logistikzentrum Staufenberg ausmacht.
160 Roboter flitzen über das Metallgitterwerk, das 6000 Quadratmeter im DHL-Logistikzentrum Staufenberg ausmacht. © Jens Döll

„Es ist ein großer Tag für uns“, so Rainer Haag, CEO (Geschäftsführer) von DHL Supply Chain für Deutschland und die Alpenregionen. Mit dem Auto-Store-Lager werde der Standort Staufenberg zu einem Hauptlogistikzentrum im Herzen von Deutschland. Haag sprach in diesem Zusammenhang von der „DHL-City“ – der DHL-Stadt, die alle Komplexe des Frachtunternehmens im Lutterberger Industriegebiet umfasst. „Wird die Automatisierung Arbeitsplätze kosten?“ Das war eine der drängendsten Fragen, die bei der Eröffnung, an der auch die Bürgermeister von Staufenberg und Hann. Münden und die Landräte der Kreise Kassel und Göttingen teilnahmen, geäußert wurde. „Keinen“, hieß es daraufhin vonseiten der DHL.

Eher im Gegenteil: Es werde perspektivisch weiteres Personal gesucht, da auch der Online-Versand-Sektor immer weiter wachse. Ein Faktor, der auch das Unternehmen P&C dazu bewogen hatte, nach einer „neuen Möglichkeit“ für das Lager zu suchen, berichtete Dominik Parthe, Manager Supply Chain Management E-Commerce bei P&C. Ricardo Carballo, Mitglied der Unternehmensleitung von Peek und Cloppenburg bezeichnete die Eröffnung der Anlage als „Milestone“ (Meilenstein) für das Unternehmen.

Stadt mit 1000 DHL-Mitarbeitern in Staufenberg

Eine Stadt von über 1000 Postmitarbeitern. Das wurde über die Jahre am DHL-Standort im Lutterberg Industriegebiet aufgebaut. Nahe an der A7 und der A38 gelegen, zwischen den beiden Oberzentren Kassel und Göttingen, können so viele Bereiche Deutschlands schnell erreicht werden. Im Logistikzentrum an der Straße Vor der Hecke arbeiten, je nach Lage in der Saison, 500 bis 600 Mitarbeiter. Tendenz steigend, heißt es von DHL und dem Düsseldorfer Modeunternehmen Peek und Cloppenburg Düsseldorf (P&C).

Dominik Parthe (Peek und Cloppenburg Düsseldorf), Joachim Beisheim (Rat Staufenberg, Grüne), Bernd Grebenstein (Bürgermeister Staufenberg), Tobias Dannenberg (Bürgermeister Hann. Münden) und andere schauen sich das Lager an.
Führung durch das neue Lagersystem: Dominik Parthe (Peek und Cloppenburg Düsseldorf), Joachim Beisheim (Rat Staufenberg, Grüne), Bernd Grebenstein (Bürgermeister Staufenberg), Tobias Dannenberg (Bürgermeister Hann. Münden) und andere schauen sich das Lager an. © Jens Döll

DHL übernimmt in dem Zentrum das Kommissionieren und Versenden von Kleidung, die bei P&C im Onlinestore bestellt wird. Um die Arbeit noch effektiver zu machen und Wege für die Mitarbeiter zu sparen, wurde das Auto-Store-Lager eröffnet. Dort kommissionieren 160 Roboter die Ware, die in 196 000 Körben gelagert wird. Die Roboter seien nicht besonders wartungsintensiv, sie führen auch selbstständig zu ihren Ladestationen.

Die Maschinen suchen sich den richtigen Abschnitt in der rasterförmigen Anlage, heben die Kiste mit geforderten Ware hinaus und bringen sie zu einem von 21 sogenannten „Ports“.

An den Ports werden dann die Waren von Mitarbeitern aus den Behältern genommen.
An den Ports werden dann die Waren von Mitarbeitern aus den Behältern genommen. © Cornelis Gollhardt/DHL

Dort steht dann ein Mitarbeiter und nimmt das entsprechende Kleidungsstück aus der Kiste. Die Kiste wird dann wieder in das System zurückgeführt, ein Roboter nimmt sie auf und bringt sie zurück. Laufend wird so das Lager, dass mit 13 genutzten Ebenen von 16 nicht hoch, sondern tief ist, so neu angeordnete.

„Kathedrale der modernen Logistikwelt“

An den Ports werden etwa 200 Teile pro Stunde im Warenausgang ausgegeben. Das berichtete der Standortleiter Stefan Friker bei einem groß angelegten Eröffnungstermin der Anlage am Lutterberger Zentrum. Bei der Wareneinlagerung seien es sogar 500 Teile. Die dort gepackten Pakete gehen weiter in eine andere Halle. Dort wird mehr „manuell“ gepackt. Auf Kilometern von Kleiderstangen hängt Zehntausende Kleidungsstücke, sogenannte Hängeware, beispielsweise Mäntel und Kleider.

Hoch oben auf dem Auto-Store-Lager: DHL-Standortleiter Stefan Friker des Logistikzentrums. Dort werden Kleidungsstücke für Peek und Cloppenburg Düsseldorf gepackt.
Hoch oben auf dem Auto-Store-Lager: DHL-Standortleiter Stefan Friker des Logistikzentrums. Dort werden Kleidungsstücke für Peek und Cloppenburg Düsseldorf gepackt. © Jens Döll

Ist eine Bestellung fertig, wird sie mit vielen anderen Päckchen mit dem Lkw ins angrenzende DHL-Paketzentrum gefahren. „Wenn eine Bestellung bis 15 Uhr im Onlineshop von P&C eingeht, ist die Wahrscheinlichkeit bei 85 Prozent, dass sie am nächsten Tag beim Empfänger ist“, berichtet Friker. Das sei natürlich „ein echtes Pfund“.

Im Industriegebiet führe die Ausweitung des Onlinehandels zu mehr Verkehr, gibt Friker zu, „in der Breite verläuft es sich aber“. Zunehmender Verkehr war eine Sorge, die Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein (parteilos) bei dem Termin im Logistikzentrum äußerte. Zahlreiche Vertreter der Lokalpolitik waren gekommen, auch Verantwortliche von DHL und P&C waren vor Ort. Bei der Führung durch die Anlage zeigte sich Göttingens Landrat Marcel Riethig beeindruckt. Er bezeichnete das Lagerareal als „Kathedrale der modernen Logistikwelt“.

„Die Logistik ist eine Branche, die immer wichtiger wird“, so der SPD-Landrat in seiner Ansprache. Staufenberg sei das verbindende Element zwischen Hessen und Niedersachsen, zwischen den Kreisen Kassel und Göttingen, so Riethig und begrüßte damit seinen Amtskollegen, Kassels Landrat Andreas Siebert (SPD).

Im Logistikzentrum werden auf 50 000 Quadratmetern Waren gelagert und gepackt

Mit dem Aufbau des Auto-Store-Lagers wurde Anfang 2022 begonnen. Im Logistikzentrum werden auf 50 000 Quadratmetern Waren gelagert und gepackt, davon auf 25 000 Quadratmetern für Peek und Cloppenburg Düsseldorf. Gearbeitet wird im Logistikzentrum an sechs Tagen in der Woche im Drei-Schicht-Betrieb. (Jens Döll)

Gerade zu Hochzeiten, wie Weihnachten, ist in der „DHL-City“ in Staufenberg die Hölle los. Am Wünschewagen beteiligte sich DHL in Staufenberg auch schon.

Auch interessant

Kommentare