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Staufenberg: App soll die Dorfgemeinschaft vernetzten - Zwei Systeme vorgestellt

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Von: Jens Döll

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App aus der Schweiz: Crossiety soll dabei helfen, dass sich Dorfgemeinschaften vernetzen. Die Anwendung wurde in Staufenberg vorgestellt.
App aus der Schweiz: Crossiety soll dabei helfen, dass sich Dorfgemeinschaften vernetzen. Die Anwendung wurde in Staufenberg vorgestellt. © Kirsten Stapel

Die Dorfgemeinschaft vernetzten und ein eigenes Soziales Netzwerk aufbauen. Das ist das Ziel in der Gemeinde Staufenberg. Dort wurde nun eine App vorgestellt. Teile des Rates präferieren aber eine andere.

Staufenberg – Das Dorf soll digital werden. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Kultur, Sport und Soziales der Gemeinde Staufenberg stellte die Werbe- und Medienagentur GotoMedia aus Delbrück (Landkreis Paderborn) die Anwendung (App) „Crossiety – Der digtale Dorfplatz“ den Ratsherren und -frauen vor. Stefan Neisemeier und Christian Uhe berichteten über die Entstehung der App und hoben ihre Vorzüge hervor.

Staufenberg: Firma stellt Dorfapp bei Ausschuss vor

Crossiety soll den Menschen in den Staufenberger Ortschaften helfen, sich digital zu vernetzen. Vereine können beispielsweise Gruppen anlegen, Feste ankündigen und Helferlisten führen. Privatpersonen können sich gegenseitig Werkzeug ausleihen und es können Diskussionen geführt werden. Die Kommunikation soll moderiert werden. Moderatoren sollen sich aus der Dorfgemeinschaft heraus finden. Beiträge werden vorher geprüft. Es können private und öffentliche Gruppen erstellt werden, in denen kommuniziert werden kann.

Das Ganze soll keine, so Neisemeier, „trigger“ enthalten. Also nicht wie andere soziale Netzwerke, beispielsweise Facebook und Instagram, die Nutzer über Benachrichtigungen und Likes zum ständigen Nutzen verführen. Auch soll es keinen Algorithmus geben, der Beiträge filtert, auswählt, und kategorisiert. Laut den Vertretern von GotoMedia nutzen bundesweit etwa 1000 Gemeinden die App, die von einem Schweizer Entwickler erdacht wurde. Der größte Nutzer ist die Stadt Rheinfelden, an der Deutsch-Schweizerischen Grenze. Seit 2019 nutzt Diemelstadt in Nordhessen die App.

Corrsiety kostet 1 Euro pro Einwohner pro Jahr

„Die App ist nicht das nächste Must Have“, sagte Neisemeier. Es soll um nachhaltige Kommunikation gehen, daher: Die Menschen sollen die Anwendung kontinuierlich nutzen und es sollen „möglichst viele mitgenommen“ werden. Crossiety ist sowohl von Smartphones mit IOS- (Apple) und Android-Betriebssystemen nutzbar, auch vom heimischen PC oder Laptop kann man zugreifen. Um die Sicherheit zu gewährleisten, gibt es ein „zweistufiges Authentifizierungssystem“. Dabei werden Infos wie Klarname, Mailadresse und Handynummer benötigt. Für die Vereine sei die Anwendung eine Chance, so Neisemeier. „Vereine wollen und müssen überleben. Es geht um Sichtbarkeit und um das Erreichen von Zielgruppen.“ „Sie haben ja bei der Präsentation nicht über Preise gesprochen, daher gehe ich davon aus, dass das Ganze kostenlos ist“, sagte Ratsherr Stefan Spier (SPD) mit leicht ironischem Unterton. Dafür sicherte er sich einige Lacher der Anwesenden.

Eine Antwort kam aber prompt: natürlich sei Crossiety nicht kostenlos, so die beiden Vertreter. Es kostet die Gemeinde einen Euro pro Jahr und pro Einwohner. Egal, ob ein Bürger teilnimmt oder nicht. Im Falle Staufenbergs sind dies dann knapp 8200 Euro pro Jahr. „Das sind dann satte 680 Euro pro Monat“, gibt Ratsfrau Nina Bernhard von „Wir für Staufenberg“ zu bedenken.

Bürgermeister Bernd Grebenstein berichtet, dass die Firma GotoMedia bereits vor einiger Zeit im Zuge einer Kundenakquise mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen habe.

Durch Corona und „anderer Fokus in der Haushaltsplanung“ sei das ganze Projekt allerdings etwas liegen geblieben. Die Fraktion von „Wir für Staufenberg“ priorisiert ein anderes System, das die digitale Vernetzung fördern soll. Diese Anwendung trägt den Namen „Digitale Dörfer Niedersachsen“.

Wir für Staufenberg präferiert andere App

Bereits Anfang des Jahres beantragte die Fraktion von „Wir für Staufenberg“ im Rat der Gemeinde Staufenberg die Einführung der Anwendung „Digitale Dörfer Niedersachsen“ in den Ortschaften. Diese Anwendung (App) soll helfen, die Dorfgemeinschaft zu vernetzten.

Das Projekt werde in Kooperation des Fraunhofer IESE und der Stiftung Digitale Chancen angeboten und vom Niedersächsischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung gefördert. „Die teilnehmenden Kommunen können die Plattform dank der Projektförderung durch das Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung bis Mitte 2025 kostenfrei nutzen“, heißt es vom Land Niedersachsen. Danach entstünden Kosten in Höhe von monatlich etwa 150 bis 160 Euro, so Florian Winkler, Fraktionsvorsitzender von Wir für Staufenberg.

Das sei weniger als die etwa 680 Euro monatlich, die die App Crossiety kosten soll. Laut Ministerium sind in den vier Landkreisen Holzminden, Northeim, Göttingen und Goslar Gemeinden bei „Digitale Dörfer“ vertreten.

Bis 2025 kostenfrei testen

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Kultur, Sport und Soziales konnten Wir für Staufenberg und die CDU für ihren Vorschlag, sich bei dem Projekt zu beteiligen, keine Mehrheit sammeln. Sie hatten den Antrag eingereicht, der abschließend bei der Ratssitzung am 01.12.2022 diskutiert wird. In der Ausschusssitzung kam es zu einem Abstimmungspatt, sodass der Ausschuss keine Empfehlung aussprechen wird. „Wir sehen das Ergebnis im Ausschuss nicht als Niederlage“, sagte Florian Winkler im Gespräch mit unserer Zeitung. Man habe sich im Vorfeld des Antrags gründlich informiert. Für Digitale Dörfer spreche, dass es für zwei Jahre kostenfrei sei. „Kostenlos ist ja erst mal nicht schlecht“, so Winkler. Zudem seien zwei Jahre eine gute Zeit, die App zu erproben. Gerade für Vereine sei ein solches Angebot eine „Anlaufstelle“.

Als Gegenargument wurde während der Ausschusssitzung gebracht, dass mit der Einführung solcher Angebote zu warten sei, bis in der Gemeinde flächendeckend das Glasfasernetz ausgebaut sei. Dazu Winkler: „Das Argument ist absolut nicht nachvollziehbar.“ Im Sommer hieß es von Winkler, dass die Einführung von „Digitale Dörfer“ von Wir für Staufenberg, CDU und der Linken unterstützt wird. Die Grünen und die SPD sind dagegen. Auch der Bürgermeister unterstützt eine Einführung von „Digitale Dörfer“, teilt Bernd Grebenstein mit.

In der Samtgemeinde Dransfeld steht eine Beteiligung bei „Digitale Dörfer“ auch zur Diskussion. (Jens Döll)

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