Menschenschädel im Sand

Pelzerhaken 1954: Ein gruseliger Fund im Sand

Rudolf Schäfer, hinten rechts mit weißer Jacke, vor dem Holstentor in Lübeck im Jahr 1954. Die Gruppe war in Pelzerhaken zu Gast.
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Rudolf Schäfer, hinten rechts mit weißer Jacke, vor dem Holstentor in Lübeck im Jahr 1954. Die Gruppe war in Pelzerhaken zu Gast.

Generationen haben Erinnerungen an Pelzerhaken, jenen Ostsee-Ort, an dem das Landschulheim des Landkreises Münden stand. Wir stellen Erinnerungen unserer Leser vor. Heute: Rudolf Schäfer.

Benterode/Pelzerhaken – Ein menschlicher Schädel auf einem Stock als Trophäe, die einen Tanz begleitet. Dieses makabere Schauspiel hat Rudolf Schäfer aus Benterode im Landschulheim Pelzerhaken 1954 erlebt.

Menschenschädel am Strand gefunden

Der Beteröder berichtet, dass er damals, mit 17 Jahren, an einer Ferienfahrt in das Landschulschulheim des Landkreises Münden teilgenommen hatte. Am Strand wurde er auf das unheimliche Treiben aufmerksam. „Es waren Mitglied unserer Gruppe“, berichtet er. Er und andere Teilnehmer hätten dem „makaberen Schauspiel“ ein Ende gesetzt und den Schäden wieder an den Fundort gelegt. Zudem informierten sie den mitgereisten Lehrer Hermann Fritze, der aus Uschlag stammte.

Kurze Zeit später sei auch schon die Polizei eingetroffen. Es habe sich herausgestellt, so Schäfer, dass der Schädel einem Soldaten gehörte, der im Krieg an einer nahegelegenen Flugabwehrstation stationiert und zu Tode gekommen war.

Viele Fahrten in Erinnerung

Trotz dieser gruseligen Geschichte hat Rudolf Schäfer gute Erinnerungen an seinen zweiwöchigen Aufenthalt an der Ostsee. „Es war mein erster Urlaub“, berichtet er. Eine Fahrt nach Pelzerhaken war in dieser Zeit, „so kurz nach dem Krieg“, etwas Besonderes, berichtet der Benteröder.

Wie bereits andere Leser uns berichteten, bestand das Ferienlager „Seeschlange“ zu dieser Zeit aus Zelten, feste Unterkunftsgebäude wurden erst später in Pelzerhaken eingerichtet. Schäfer berichtet, dass neben Luftmatratzen auch Stroh als Schlafunterlage diente. Jeden morgen mussten die Teilnehmer das Stroh von ihren Schlafanzügen schütteln, das sorgte für „allgemeine Heiterkeit“.

Kartoffelschälen: Auch Rudolf Schäfer (dritter von rechts) musste ran.

Er sei damals einer der ältesten Mitfahrer gewesen. „Viele stammten aus Spiekershausen und Landwehrhagen“, so Schäfer. Ein Herr Brucksch, ein Mitarbeiter von Schäfers Vater in Kassel, habe seine Teilnahme an der Fahrt vermittelt. Schäfer ging zu diesem Zeitpunkt auf die Gerhard-Hauptmann-Schule in Kassel.

Kartoffelschälen als Strafe

„Für mich waren die Tage dort sehr schöne Erlebnisse“, berichtet der Benteröder, der sich jahrzehntelang für seinen Heimatort engagiert hat und noch weiter engagiert. Besonders im Gedächtnis geblieben sind ihm auch die zahlreichen Ausflugsfahrten nach Lübeck, Kiel und Neustadt in Holstein. Dazu kommen noch Wanderungen am Strand und auch das Kartoffelschälen, welches auch eine Strafe für allzu aufmüpfige Teilnehmer sein konnte.

1963 war er noch mal in Pelzerhaken

Einige Jahre später war er noch mal zu Gast in Pelzerhaken, und zwar als Vorstandsmitglied der Freien Sportvereinigung im Jahr 1963. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits neue, feste Häuser gebaut worden. Auf der Rückreise, daran erinnert sich der Senior, hatten sie noch die Internationale Gartenbauausstellung in Hamburg besucht. „Ich war damals überrascht, wie sehr sich das Landschulheim über die Jahre gewandelt hatte“, berichtet Schäfer. Dass es heute nicht mehr existiere, bedauere er sehr. (Jens Döll)

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