Urlaub an der Ostsee

Geld für Süßigkeiten und Liebesromane: Pelzerhaken in den 1960ern

Neues Haus: Die Mädchen in Pelzerhaken waren in einem Gebäude untergebracht, die Jungs schliefen am Anfang in Zelten. Auch Toiletten und Duschen waren in einem eigenen Haus untergebracht.
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Neues Haus: Die Mädchen in Pelzerhaken waren in einem Gebäude untergebracht, die Jungs schliefen am Anfang in Zelten. Auch Toiletten und Duschen waren in einem eigenen Haus untergebracht.

Generationen haben Erinnerungen an Pelzerhaken, jenen Ostsee-Ort, an dem das Landschulheim des Landkreises Münden stand. Wir stellen Erinnerungen unserer Leser vor. Heute: Karin und Rudolf Drönner.

Speele/Pelzerhaken – Süßigkeiten, Limo und Liebesromane ließen das Taschengeld von Karin Drönner aus Speele im Sommer 1962 schnell schrumpfen. Sie war damals als Schülerin zum ersten Mal im Ferienlager in Pelzerhaken (Kreis Ostholstein) an der Ostsee.

100 Mark kostete der Urlaub in Pelzerhaken

„Im August fuhren wir mit gepackten Koffern im Zug von Hann. Münden bis Neustadt in Holstein. Dann mit dem Bus weiter nach Pelzerhaken.“ Die Reise war für die Eltern der Kinder damals teuer, etwa 100 Mark kostete es, viel Geld. Die Kinder bekamen etwa 20 Mark Taschengeld, das war natürlich dann schnell aufgebraucht. Um an mehr zu kommen, schrieben die Schüler Briefe nach Hause. „Es gab ja damals keine Geldautomaten“, berichtet Karin Drönner. Ins Geld gingen auch Fahrten nach Lübeck oder Kiel. Die meisten Teilnehmer konnten sich nur einen der Ausflüge leisten. Die anderen blieben dann im Ferienlager und halfen bei der Essensvorbereitung.

Badeerlebnis: Karin Drönner (links) machte ihren Freischwimmer in der Ostsee bei Pelzerhaken.

Mädchen hatten ihre Bleibe damals in einem festen Haus, die Jungs schliefen in Zelten. Die Toiletten und Duschen waren in einem eigenen Gebäude untergebracht, der Speisesaal auch. „Wenn wir nachts aufs Klo mussten, gingen wir immer zu dritt oder zu viert“, berichtet die Speelerin. Auch ihr Mann Rudolf genannt „Rudi“ war damals in Pelzerhaken. Das erste Mal war er allerdings bereits 1958 dort.

Karin und Rudolf kannten sich schon im Ferienlager

Die beiden sind seit der Schulzeit zusammen und nun bereits über 52 Jahre verheiratet. Rudi Drönners Lehrer hatte Bilder von den Schülern gemacht und diese dann in ein kleines Album geklebt. Dieses Album wurde den Jugendlichen zum Abschluss überreicht. Zu sehen sind Aufnahmen vom Baden, Strandwandern und dem Ferienlagerleben. Die Bilder halten die Erinnerungen wach.

Karin Drönner berichtet, dass sie in Pelzerhaken ihren Freischwimmer absolvierte. Sie und eine Freundin hätten sogar die identischen Badeanzüge gekauft. „Wir schwammen eine Viertelstunde und mussten dann noch vom Steg springen“, berichtet sie. Das Abzeichen hat sie noch zuhause. „Die zwei Wochen Urlaub waren damals was Besonderes“, berichtet Rudi Drönner. Man sei das erste Mal weit weg gewesen.

„Einige Jungs wurden nach Hause geschickt, weil sie es mit den Streichen übertrieben hatten. Auch Kartoffelschälen war eine beliebte Strafarbeit in Pelzerhaken. Ich musste öfter mal ran“, sagt der Speeler. Die Erinnerungen an den Ostseeurlaub schweißte die Teilnehmer zusammen: „Wir sind immer noch mit einigen befreundet, die damals dabei waren“, berichtet Karin Drönner.

Pelzerhaken immer noch Thema im Altkreis Münden

Zudem kehren Gespräche, selbst beim Einkaufen, immer wieder zurück zu den Badeerlebnissen. Nach ihren Reisen – Karin war zweimal und Rudolf dreimal in Pelzerhaken – verschlug es das Paar auch später immer wieder nach Schleswig-Holstein. Großenbrode wurde ihr Urlaubsziel, regelmäßig suchten sie dann aber auch das alte Landschulheim auf.

„Wir konnten die Veränderungen an dem Schullandheim mitverfolgen“, berichtet Rudi Drönner. Es sei schade, dass heute nichts mehr an die Anlage erinnere. (Jens Döll)

Generationen von Menschen aus dem Landkreis Göttingen waren in Pelzerhaken. Wir sammeln ihre Geschichten. Von geklauten Mercedes-Sternen, über erste Lieben, Kohlrabi, bis hin zu lecken „Strand-Pommes“.

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