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Tausende Bäume gepflanzt: Forstgenossenschaft Lutterberg feiert ihr 150-jähriges Bestehen

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Von: Petra Siebert

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Stolz auf lange Geschichte: Vorsitzender Horst Töpke (rechts) und Beisitzer am Gedenkstein am Ingelheimteich.
Stolz auf lange Geschichte: Vorsitzender Horst Töpke (rechts) und Beisitzer am Gedenkstein am Ingelheimteich. © Petra Siebert

Die Forstgenossenschaft Lutterberg feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Im Laufe der Jahre wurden tausende Bäume gepflanzt. Ein Gedenkstein wurde offizielle eingeweiht.

Lutterberg – Höhepunkt des kürzlichen Waldbegangs anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Realgemeinde und Forstgenossenschaft Lutterberg war die offizielle Einweihung eines Gedenksteins am Ingelheimteich.

Doch zunächst passierten die 38 Mitglieder einige Waldbereiche. Dort berichtete der Vorsitzende Horst Töpke über die Arbeiten der vergangenen Jahre und informierte über den Zustand des Waldes. Revierförster Stefan Frank lud zu einem zwei Kilometer langen Gang durch den Wald ein, bevor es am Herzstück des Revieres, dem Ingelheimteich, eine Brotzeit gab.

Lutterberg: Forstgenossenschaft forstet 50 Hektar wieder auf

Zurzeit ist die Forstgenossenschaft mit der Wiederaufforstung von rund 50 Hektar Fläche beschäftigt, die durch Wind, Borkenkäfer und Umwelteinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. 16 000 Pflanzen, unter anderem Douglasien, Lärchen, Traubeneichen, Elsbeeren und Küstentannen wurden in diesem Jahr dort neu gesetzt.

Diesmal wurden die meisten Jungbäume nicht eingegattert. Es wurde die Tonking-Methode gegen Fegeschäden und Wildverbiss angewandt. Da wird dicht neben jeden Setzling ein besonders dickwandiger Bambusstab aus der chinesischen Region Tonking gesetzt. Der soll das Wild daran hindern, die Jungbäume anzufressen oder das Geweih daran zu schaben.

Das Buchensterben macht sich auf den Flächen der Forstgenossenschaft Lutterberg noch nicht so sehr bemerkbar. 35 Prozent macht der Buchenbestand dort aus. „Aber wir achten drauf“, macht Töpke deutlich.

Gedenkstein zur Feier enthüllt

Vor der Enthüllung des Gedenksteins und der Nutzung einer neuen nebenstehenden Eichenbank machte der Vorsitzende noch einen Schlenker in die Vergangenheit: Das Gebiet zwischen Fulda und Werra wurde im Jahre 1019 von Kaiser Heinrich II. dem Stift Kaufungen geschenkt, daher rührt der Name Kaufunger Wald.

Das Gebiet war ein ständiger Zankapfel zwischen den Herzögen von Braunschweig und den Landgrafen von Hessen in Kassel. Der Wald wurde von jedermann genutzt. Erst von 1618 an gab es abgegrenzte Weiderechte. Der Wald wurde im Wesentlichen als Hutewald genutzt. Huteberechtigt waren damals Escherode, Uschlag, Dahlheim, Benterode, Nienhagen, Sichelnstein, Lutterberg, Münden Haus Haarth, Oberode und Nieste sowie zwölf hessische Gemeinden. Nach einem alten Bericht des Forstamtes Escherode sind im Hannoverschen Bereich 154 Pferde, 1173 Rinder, 3146 Schafe und 785 Schweine eingetrieben worden.

„Wenn man heute weiß, dass in diesem Gebiet etwa 100 Stück Rotwild leben und welche Schäden sie verursachen können, kann man sich gut vorstellen, in welchem Zustand der Wald damals war“, resümierte Töpke. Erst 1831 wurde die endgültige Grenze zwischen dem Kurfürstentum Hessen und dem Königreich Hannover im Kaufunger Wald festgelegt und versteint.

1866 wurde Hannover von Preußen annektiert

„Nach meinen Recherchen, im Zuge des Hausverkaufs Lange Straße 20, gab es um 1845 eine Lutterberger Weidegenossenschaft, die sich für die einzelnen Nutzer, um die Hute- und Weiderechte kümmerte“, so Töpke. „Trotz der fehlenden Unterlagen ist davon auszugehen, dass dies die Vorgängergemeinschaft der Forstgenossenschaft war“.

1866 wurde Hannover von Preußen annektiert. Neue Dienstvorschriften entstanden, unter anderem ein Gesetz zur Aufhebung der Waldweide. Eine Ablösungskommission wurde eingerichtet. Am 16. Dezember 1871 führten die Verhandlungen über die Ablösung der Berechtigungen im Kaufunger Wald zur Annahme des Ablösungsrezesses. Der Schlusstermin fand in der „Arendschen Gastwirtschaft“ (heute Gasthaus König von Hannover in Landwehrhagen) statt.

Das war die Geburtsstunde der Forstgenossenschaft Lutterberg. Diese erhielt damals für 93 Ansprüche 432 Hektar. Die 93 Anteile an der Forstgenossenschaft bestehen immer noch. „Durch Zukauf, Tausch und Wiederaufforstung haben wir jetzt eine forstliche Betriebsfläche von rund 478 Hektar“, berichtete Horst Töpke stolz. (Petra Siebert)

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