Zeitzeuge

Vor 60 Jahren in Dresden dabei: Mann aus Uschlag berichtet von Gagarins Weltraumflug

Erster Mensch im All. Juri Gagarin war gerade erst 27 Jahre alt, als ihm diese Ehre zuteil wurde.
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Erster Mensch im All. Juri Gagarin war gerade erst 27 Jahre alt, als ihm diese Ehre zuteil wurde.

Der erste Mann im Weltraum: Juri Gagarin. Walter Fütter hat das Ereignis damals im DDR-Fernsehen miterlebt. Auch eine besondere Erinnerung an den Flug hat er aufgehoben.

Uschlag/Dresden – Der erste Mensch, der den Erdenball in Richtung Weltraum verlässt: Dem Russen Juri Alexejewitsch Gagarin in der Raumkapsel „Wostok“ gebührt diese Ehre. Der Flug, der die Welt verändern sollte, jährte sich am 12. April zum 60. Mal.

Einer der damals die Aufbruchstimmung in der jungen, zum Ostblock gehörenden DDR miterlebte, war unser Leser Walter Fütterer (72). Er hielt sich zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1961 bei seiner Tante und seinem Onkel in Dresden auf.

Walter Fütter aus Uschlag: Hat Zeitung 60 Jahre aufgehoben

„Mein Onkel war ein Erzroter, er hatte einen Fernseher, sodass wir damals die Nachricht von Gagarins Flug direkt mitbekommen haben“, berichtet Fütterer, der seit zwölf Jahren in Uschlag mit seiner Lebensgefährtin Elfriede Haldorn zusammen wohnt. Es sei damals das Gefühl entstanden „Die Sowjets haben gesiegt“, berichtet er weiter. Hintergrund war das Rennen in das Weltall und zum Mond, welches sich die beiden Machtblöcke USA und Sowjetunion lieferten. Sein Onkel habe ihn den Namen Juri Alexejewitsch Gagarin immer wieder aufsagen lassen, bis er ihn irgendwann fest verinnerlicht hatte.

Einen Tag nach der Nachricht von Gagarins Raumflug fand auf dem Dresdener Altmarkt eine große Parade statt, der Walter Fütterer zuschaute. „Es war beeindruckend“, berichtet er, die Erinnerungen haben sich tief eingebrannt. Die Parade sei umwerfend gewesen, „überall rote Fahnen“. „Ich war weg“, fasst Fütterer das überwältigende Gefühl zusammen. Es drängte sich die Frage auf, gewinnt der Osten den technologischen Weltlauf? Steht eine „Rote Zukunft“ bevor?

Am 15. April 1961 titelte die Sächsische Zeitung, das Organ der Bezirksleitung Dresden, „Triumphfahrt Juri Gagarins zum Roten Platz“. Die komplette Titeleseite ist dem damals 27-Jahre alten Kosmonauten gewidmet. Auch ein Gruß an die Bürger der DDR ist auf der Seite zu finden.

Fütteres Mutter, die aus der Porzellanstadt Meißen stammte, hat die Zeitung aufgehoben. Der Rentner hat das Exemplar immer noch, geschützt in einem grauen Pappeinband. Doch wie kam Walter Fütterer, der in der Stadt Gaggenau in Baden-Württemberg, aufwuchs, dazu, regelmäßiger Gast in der sozialistischen DDR zu sein?

Eltern lernten sich im Zweiten Weltkrieg kennen

„Meine Eltern lernten sich im Krieg kennen“. Der Vater stammte aus Gaggenau, die Mutter aus Meißen. 1944 siedelten sie in die badische Stadt über. 1955 starb Fütterer Vater an den Folgen von Kriegsverwundungen.

Walter Fütterer wohnt in Uschlag und stammt aus Gaggenau. Als Kind war er oft in Dresden.

Zu der Schwester der Mutter und deren Mann in Dresden hatten sie ein sehr gutes Verhältnis. Walter Fütterer berichtet, dass sie oft im „Osten“ waren, die Mutter überlegte sogar kurzzeitig, überzusiedeln. „Als Kind fragte ich einmal, wo denn der Eiserne Vorhang sei“, sagt er und lacht. Er habe sich den „Vorhang“ als reales eisernes Gebilde vorgestellt. Den Verwandten sei es in Dresden gut gegangen, sie standen wohl der SED nah, so Fütterer.

Allgemein habe damals eine große Begeisterung für den „Wettlauf im Weltall“ geherrscht. Doch auch mahnende Worte gab es. Elfriede Haldron berichtet, dass der Pfarrer in Uschlag damals davor warnte, dass der Mensch nun auch noch den Himmel und damit das Reich Gottes erobern wolle.

Rennen in den Weltraum: Viele Helden und Opfer

Den Wettlauf zum Mond entschied schließlich „der Westen“, die USA, für sich. Am 21. Juli 1969 stieg der Astronaut Neil Armstrong die Leiter der Mondlandefähre „Eagle“ hinab und setzt seine Füße auf dem staubigen Boden des Mondes auf.

Zahlreiche Helden wurden auf beiden Seiten geboren, viele Menschen auf beiden Seiten fielen aber auch diesem Rennen der Technologie zum Opfer. Verbrannt, erstickt und zerschmettert mit dem Ziel, die Menschen zu neuen Grenzen zu führen. (Jens Döll)

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