Aldi-Zentrallager in Lutterberg: Ortsrat bleibt bei Nein

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Hier will sich Aldi ansiedeln: Unser Luftbild zeigt im Vordergrund den Großteil der Fläche, auf dem Aldi Nord sein neues regionales Zentrallager errichten will, wenn der Staufenberger Rat zustimmt. Das Areal wird links vom Waldrand begrenzt, rechts von einem Feldweg und oben von der Göttinger Straße und der Bundestraße 496. Oben rechts das Dorf Lutterberg.

Lutterberg. Es bleibt dabei. Wie Anfang August stimmte die CDU gestern im Orstrat von Lutterberg gegen das Projekt, SPD und UWG dafür.

Der Ortsrat von Lutterberg hat sich am Montagabend erneut gegen ein regionales Zentrallager am Ortsrand von Lutterberg ausgespochen. Wie bereits während einer Vorabstimmung Anfang August stimmte die CDU mit vier Stimmen gegen das Projekt, SPD und die Unabhängige Wählergemeinschaft Staufenberg mit zusammen drei Stimmen votierten dafür. Ein SPD-Ortsratsmitglied fehlte bei der Sitzung entschuldigt.

Aktualisiert um 16.35 Uhr.

Der Ortsrat von Lutterberg kann für den Rat der Gemeinde Staufenberg nur eine Empfehlung aussprechen. Die Entscheidung liegt beim Rat selbst. Der kommt am 1. Oktober zusammen, um über die Erweiterung des Gewerbegebietes für das Aldi-Vorhaben zu beraten und einen Grundsatzbeschluß zu fassen, damit das Planverfahren beginnen kann.

Rund 70 Lutterberger waren am Montagabend in die Turnhalle des Ortes gekommen, um bei der Entscheidung des Ortsrates dabei zu sein. Vor allem die Gegner meldeten sich wie bei der Bürgerversammlung Ende Juli zu Wort zu Wort. Für die CDU-Ortsratsmitglieder gab Bettina Baule-Haeberlin eine Stellungnahme ab, in der sie die ablehnende Position der CDU darlegte. Sie gehört zwar nicht der Union an, ist aber über die CDU-Liste ebenso in den Ortsrat gewählt worden, wie der parteilose Martin Seidel. Für die CDU sitzen weiter im Ortsrat: Ortsbürgermeisterin Ann-Kathrin Buhse und Carsten-Tobias Bauer, der auch dem Gemeinderat angehört und Vorsitzender des Bauausschusses ist, der ebenfalls über das Projekt beraten muss. Die Position der CDU: Zu den Kerneinwänden der CDU gegen das Projekt gehört, dass Lutterberg schon jetzt durch das bestehende Gewerbegebiet und den damit verbundenen Lkw-Verkehr erheblich belastet sei. Zum Argument, Staufenberg profitiere erheblich von der Gewerbesteuer, gibt die CDU zu bedenken, dass dies keine verlässliche Größe, sondern abhängig vom Gewinn des Unternehmens sei. Um Staufenberg aber überhaupt erstmal von seinen Schulden befreien zu können, bevor neue Investitionen getätigt werden, müssten jährlich siebenstellige Beträge fließen. Und das verlässlich. Dafür gebe es keine Garantie.

Zum Argument, Aldi schaffe Arbeitsplätze, sagt die Gruppe: 150 Arbeitsplätze auf einer Fläche von 250.000 Quadratmetern sei eine „unfassbar schlechte Relation“. Die sei im bestehenden Gewerbegebiet deutlich besser, wo etwa 1000 Menschen arbeiteten. Zudem würden viele Aldi-Mitarbeiter, die im derzeitigen Zentrallager in Hedemünden arbeiten, mit nach Lutterberg wechseln.

Die Position der SPD: Christiane Bräuer, die auch für die SPD im Gemeinderat sitzt, sprach für sich und das SPD-Mitglied Michael Johannes Hermann. Ausschlaggebend seien für sie die Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Nur so könne die Gemeinde künftig die Zuschüsse für den Nahverkehr bezahlen und etwa die Schulen unterhalten, die in keinem guten Zustand seien. Herrmann wies zudem darauf hin, dass nur mit neuen Arbeitsplätzen junge Familien nach Staufenberg gelockt würden. Die SPD will sich aber für Schallschutz in Lutterberg einsetzen.

Die Position der UWG: Bernd Barthel, der für die UWG auch einen Gemeindratssitz inne hat, verwies ebenfalls darauf, dass die Gemeinde Einnahmen brauche. Allein für die Feuerwehr stünden Millionenausgaben im Raum. Sonst drohten geschlossene Turnhallen und Gerätehäuser. Barthel betonte, er werde sich dafür einsetzen, dass es künftig keine weitere Ausdehnung des Gewerbegebiets mehr geben werde.

Geheimnis Gewerbesteuer: Zur Höhe der Einnahmen machte Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein mit Hinweis auf das Steuergeheimnis erneut keine Angaben. Er sprach aber von einer Größenordnung, die den Rat zwinge, sich mit dem Projekt zu beschäftigen.

Heute Abend tagt der Bauausschuss des Rates zu dem Thema. Eine Ablehnung des Projekts wäre eine Überraschung, da die Fraktionen des Gemeinderates im Vorfeld ihre Zustimmung signalisiert haben.

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Die Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Turnhalle Lutterberg, Göttinger Straße 6.

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