Auf Dümers Saal in Landwehrhagen war was los

Kunstradfahren auf Dümers Saal: Walter Szlazsas (vorn) und Gerhard Bischof bei einer Kürübung. Repro: Bauer/nh

Landwehrhagen. In den 1950er- und 1960er-Jahren, als es noch kaum Sporthallen und Vereinshäuser in den Dörfern gab, spielten die Gasthäuser mit Saal eine wichtige Rolle im Dorfleben. Das zeigt das Beispiel der Gaststätte „Zum Römischen Kaiser“ in Landwehrhagen.

Mit dem Verkauf der Gaststätte „Zum Römischen Kaiser“ und des angrenzenden Saals an den Unternehmer Detlef Zierenberg aus Niemetal-Imbsen ist den Vereinen in Landwehrhagen ein Treffpunkt verlorengegangen. Noch gibt es aber im Gasthaus „König von Hannover“ und im Gasthaus „Zur Ecke“ zwei Säle für Feiern und andere Veranstaltungen. Landwehrhagens Ortsheimatpfleger Klaus-Dieter Bauer hat in Archiven gestöbert und Berichte und Fotos gefunden, die zeigen, dass „Dümers Saal“, wie er in Landwehrhagen genannt wird, in den Nachkriegsjahren sehr gefragt war.

So wurde alle zwei Jahre in Landwehrhagen Kirmes gefeiert. Tanz war auf dem Saal, das „Hammelreiten“ fand auf der Arndschen Wiese statt.

Auch eine Modenschau sowie eine Theateraufführung, organisiert vom Konsum, dem späteren COOP, gingen in dem Anbau der Gaststätte über die Bühne.

Auf dem Holzboden lernten junge Frauen und Männer bei einer Tanzschule das Tanzen mit dem Abschlussball als Höhepunkt. Mangels Turnhalle, die erst in den 1960er Jahren gebaut wurde, war „Dümers Saal“ auch eine Sportstätte - und das für mehrere Sportarten. Die Aktiven des damaligen Radfahrvereins trainierten Kunstradfahren und spielten Radball, die Fußballer des TSV Landwehrhagen trainierten im Winter, wenn der Sportplatz nicht bespielbar war, auf dem Saal; die Turner machten an Barren und Reck ihre Übungen.

Auch die Fäuste flogen auf Dümers Saal, aber nur in sportlicher Hinsicht bei Boxkämpfen, die der ESV Jahn Kassel in Landwehrhagen organisierte.

Der Saal war auch so etwas wie ein Kino. 1954 habe es in Landwehrhagen drei Fernsehgeräte gegeben, so die Recherche des Ortsheimatpflegers. Ein Fernseher war im Privathaushalt, einer bei Dümers, einer bei der Gaststätte zur Post, der heutigen Gaststätte zur Ecke. So verfolgten Fußballfans auf Dümers Saal das „Wunder von Bern“, das legendäre Endspiel Deutschland gegen Ungarn bei der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz.

In den vergangenen Jahren bis zum Verkauf der Immobilie hatte der HSC Landwehrhagen den Saal gemietet - für eigene Veranstaltungen, aber auch für die anderer Vereine. So stellte beispielsweise der Kaninchenzuchtverein Landwehrhagen auf dem Saal noch Rassekaninchen aus.

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