Keine Erholung in Speele 

Corona: Kinder aus Tschernobyl dürfen nicht nach Deutschland

Bei ihrem Aufenthalt in Weißrussland im vergangenen November, hat Ingrid Rathgeber wieder viele der Projekte besucht, die vom Verein unterstützt werden. Darunter auch eines der vielen Familienwaisenhäuser. 
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Bei ihrem Aufenthalt in Weißrussland im vergangenen November, hat Ingrid Rathgeber wieder viele der Projekte besucht, die vom Verein unterstützt werden. Darunter auch eines der vielen Familienwaisenhäuser. 

Traum zerplatzt:  Seit Monaten hatten sich die Kinder aus der Gegend um das verstrahlte Tschernobyl auf ihr Reise nach Deutschland gefreut.

Kein Kinderlachen, kein ausgelassenes und sorgenfreies Spielen, keine Musik und auch keine neuen Freundschaften. Zum ersten Mal seit 21 Jahren bleibt es in diesem Sommer still im Haus Waldfried in Speele. Die Kinder aus der Gegend um Tschernobyl, die jeden Sommer zum Erholungsaufenthalt aus ihrer verstrahlten Heimat nach Staufenberg kommen, dürfen diese besondere Reise in diesem Jahr nicht antreten. Die Coronapandemie und die damit verbundenen Reiseeinschränkungen lassen den Besuch der 35 Mädchen und Jungen nicht zu.

„Die Kinder sind so enttäuscht“, berichtet Ingrid Rathgeber vom Verein Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl. Monatelang freuten sich die Kinder auf diese einmalige Erfahrung, die meisten könnten ihr Glück kaum fassen, wenn sie von Ingrid Rathgeber ausgewählt werden, den Sommer in Deutschland verbringen zu dürfen.

Keine Hilfstransporte

Doch in diesem Jahr ist vieles anders. Nicht nur die Kinder dürfen nicht nach Deutschland kommen, ebenso wenig ist es dem Verein möglich, Hilfstransporte, die gerade in dieser schwierigen Zeit so dringen benötigt werden, in die Ukraine und Weißrussland zu schicken.

Darum bittet der Verein auch eindringlich darum, bis auf Weiteres keine Sachspenden in Speele abzugeben. „Durch die Kontaktbeschränkungen haben wir zurzeit keine Möglichkeit, die Spenden zu sortieren und unsere Lagerkapazitäten sind begrenzt“, so Ingrid Rathgeber. Normalerweise helfen der engagierten Frau viele ebenso engagierte Freiwillige dabei, die Transporte vorzubereiten und die Kleidung und Wäschestücke sowie Spielzeug für den Transport zu strukturieren. Momentan ist auch das nicht möglich.

Keine Schutzkleidung

Dabei würde Ingrid Rathgeber gerne dringend benötigt Schutzkleidung in die von ihrem Verein unterstützte Kinderkrebsklinik in Weißrussland schicken: „Es ist nicht so, als gäbe es dort keine Schutzkleidung, die Krankenhäuser werden nur nicht ausreichen ausgestattet.“ Immerhin sei es dem Verein gelungen dem befreundeten Pastorenehepaar, das jedes Jahr zusammen mit den Kindern nach Deutschland reist, Geld zukommen zu lassen, damit sie vor Ort Schutzkleidung kaufen und an das Krankenhaus übergeben konnten.

In diesem Haus hat bis vor Kurzem noch eine Familie gelebt.

Über die genauen Zahlen der Coronainfizierten in Weißrussland und der Ukraine herrsche Unklarheit. „In den Medien wurde bereits oft darüber berichtet, dass die Regierung die Zahlen vertuscht, der Meinung bin ich auch“, sagt Rathgeber. Hilfen vom Staat gebe es in den vom Verein unterstützten Regionen so gut wie gar nicht. „Die Menschen sind auf sich allein gestellt“, weiß Ingrid Rathgeber. Die Informationspolitik und die Infrastruktur seien schlecht, den Menschen werde nicht geholfen.

Waldbrände

Bei Bränden, die kürzlich in der Nähe von Tschernobyl gewütet haben, sind ganze Dörfer zerstört worden. „Wir konnten immer noch nicht herausfinden, ob Menschen oder Projekte betroffen sind, die wir unterstützen“, so Ingrid Rathgeber, die sich Sorgen um die Menschen in den betroffenen Gebieten macht und ihnen helfen möchte.

Tourismus

Eine Entwicklung der vergangenen Jahre, erschüttert Rathgeber besonders: Vergnügungsfahrten in die Gegend um Tschernobyl. Dark Tourism („Katastrophentourismus“) nennt sich der Trend, der Touristen an sogenannte Lost Places („Verlassene Orte) führt, die eine besondere Faszination ausstrahlen.

„Wer dort zum Vergnügen hinfährt, Selfies macht und dabei in die Kamera lacht, den möchte ich gerne Mal mitnehmen, zu den armen Familien und zu den kranken Kindern und zeigen wie traurig und gefährlich es eigentlich wirklich ist, in diesem Gebiet leben zu müssen“, sagt Ingrid Rathgeber.

Hilfe für den Verein

Sobald es möglich ist, sollen wieder Hilfstransporte in die betroffenen Gebiete geschickt werden. Bis dahin ist nur die finanzielle Unterstützung der Menschen möglich.

Spendenkonto IBAN: DE 80520900000000957844, BIC: GENODE51KS1, Vereinsanschrift: Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl, Obere Königsstraße 45, 34117 Kassel. 

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